Reportage

»Nürnbergs kleine Schwester« wird 1000 Jahre.

Ein Veranstaltungskalender zum Geburtstag Fürths

Fürth, »Nürnbergs kleine Schwester«, wird in diesem Jahr 1000 Jahre alt. Grund genug für die Stadtväter, ein buntes Festprogramm mit Ausstellungen, Führungen, Vorträgen und zahlreichen Festen – darunter die renommierten 25. Bayerischen Theatertage – zusammenzustellen. Ralf Nestmeyer, der Autor unseres Franken-Guides (4. Auflage 2007) und des Reiseführers »Nürnberg/Fürth/Erlangen« (5. Auflage 2006) berichtet über die Feierlichkeiten und liefert nebenbei einen interessanten Blick auf die Stadtgeschichte.


»Kleeblattstadt«, »Stadt der tausend Schlote« und »Fränkisches Jerusalem« – Fürth, hat nicht nur eine 1000 Jahre alte, immer noch lebendige Stadtgeschichte zu bieten, sondern auch viele Gesichter. Traditionell ist Fürth eine Stadt der Toleranz, der Liberalität und der Innovation. Angesichts des runden Jubiläums hat man daher nichts unversucht gelassen, die zahlreichen Facetten jener fränkischen Stadt zu beleuchten, die allzu lange unverdient im Schatten Nürnbergs stand.


Juden prägen bis heute das Stadtbild

Die Schenkungsurkunde vom 1. November 1007, als Kaiser Heinrich II. sein Königgut dem Domkapitel Bamberg vermachte, gilt als die Geburtsstunde Fürths. Jahrhunderte lang lebten die Fürther in einem politischen Machtvakuum, das für eine expansive Entwicklung nicht gerade förderlich war. Drei »Herren«, das Bamberger Domkapitel, der Markgraf von Ansbach und der Rat der Reichsstadt Nürnberg, versuchten in Fürth, wo ihre Territorien aneinander grenzten, ihre Ansprüche geltend zu machen. Diese schwierigen Machtverhältnisse begünstigten gleichwohl die 1528 beginnende, dauerhafte Ansiedlung von Juden, die im 18. Jahrhundert fast ein Viertel der Gesamteinwohnerzahl von Fürth ausmachten und das Stadtbild bis zum heutigen Tag entscheidend prägten. Wer mit offenen Augen durch Fürth schlendert, kann noch an zahlreichen Hauseingängen im oberen Drittel des rechten Türstocks die Stelle erkennen, an der sich einst eine »Mesusa« befand. Diese kleine Kartusche, die ein Pergamentröllchen mit einem Bibelzitat enthält und beim Betreten des Hauses geküsst oder berührt wird, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass in einem Haus einst eine jüdische Familie gelebt hat. Zu den bekanntesten jüdischen Bürgern Fürths gehören der Schriftsteller Jakob Wassermann, der Verleger Leopold Ullstein und der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger. Das renommierte »Jüdische Museum Franken« befasst sich mit dem Mythos »Jerusalem« in Fürth. Die Sonderausstellung (25.4. bis 2.9.2007) zeigt auch die Vielzahl der Städte, die früher und heute den Beinamen Jerusalem führen – Städte wie etwa Toledo, Amsterdam, Wilna, Frankfurt und Pjöngjang. Die Schau dokumentiert die Vielfalt und Pracht jüdischen Lebens in Fürth mit kostbaren und seltenen Exponaten und spannt einen Bogen zwischen Heimat und Exil, Zuflucht und Vertreibung. Zudem ist in den Kellerräumen des Museums ein jüdisches Ritualbad (Mikwe) zu besichtigen.


Mit Unternehmergeist zur »Fürther Freiheit«.

Im 19. Jahrhundert erfolgte ein großer wirtschaftlicher Aufschwung, der Lokalpatrioten zu der Behauptung Anlass gibt, 1835 fuhr die erste Eisenbahn nicht zwischen Nürnberg und Fürth, sondern »zur Fürther Freiheit«. Entlang der einstigen Eisenbahnlinie stehen die Prachtbauten der Gründerzeit. Doch nicht nur da: Fürth besitzt die größte »Denkmalsdichte« aller bayerischen Städte – es sind über 2.000. Nirgendwo sonst im Freistaat gibt es mehr Denkmäler pro Einwohner! Die Ausstellung »Fürth – Stadt des Klassizismus«, die am 29. Juli im Schloss Burgfarrnbach eröffnet wird, gibt einen Einblick in jene Epoche.
Der Fürther Unternehmergeist ist noch heute sprichwörtlich: Die Fürther Unternehmer Grundig, Metz und Schickedanz hatten einen entschiedenen Anteil am Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Wen wundert es da noch, dass auch Ludwig Erhard aus Fürth stammt? Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr 2007 wurde jetzt in der Fürther Innenstadt das »Stadtmuseum Ludwig Erhard« eröffnet. Es ist im Erdgeschoss einer ehemaligen Schule in der Ottostraße untergebracht, in der neben dem Wirtschaftswunderminister auch Gustav Schickedanz einst die Schulbank gedrückt hat. Auf 1400 Quadratmetern werden neben einer Dauerausstellung auch Wechselausstellungen präsentiert, so bis zum 29. Juli 2007 die vom Haus der Bayerischen Geschichte konzipierte Schau »Aus den Hinterhöfen zur Weltspitze – Handwerk im modernen Franken«.


Der Neid der Nürnberger und der kulturelle Höhepunkt des Jahres

Wahrscheinlich waren die Nürnberger ein wenig neidisch auf den Erfolg ihrer Nachbarschaft, denn seit langem pflegen sie eine kleine feine Hassliebe zu den Fürthern. Eine Anekdote, die das Verhältnis zwischen Nürnbergern und Fürthern treffend umreißt, stammt aus den 1920er Jahren. Sie berichtet, dass in den Zeiten, als die deutsche Fußballnationalmannschaft noch ausschließlich aus Fürthern und Nürnberger bestanden hatte (lang, lang ist es her …), die beiden Mannschaften außerhalb des Spielfeldes nichts miteinander zu tun haben wollten. So reisten 1924 die Fürther Nationalspieler mit einem anderen Zug zu einem Länderspiel nach Holland als die Nürnberger. Auch die Abreise erfolgte in getrennten Zügen …
Kultureller Höhepunkt des Jahres sind die Bayerischen Theatertage, die dieses Jahr zum 25. Mal veranstaltet werden und vom 9. bis 24. Juni in Fürth einen Einblick in die Bandbreite des bayerischen Theaterschaffens geben. Ein umfangreiches Rahmenprogramm – »Begegnungs- und Diskussionsforen, Workshops und spätabendliche Überraschungen« – rundet das breitgefächerte Angebot ab. Was genau damit gemeint ist, steht zum Zeitpunkt leider noch nicht fest.


Ein Geburtstagsgeschenk und die Hoffnung auf den Aufstieg

Auch ein Geburtstagsgeschenk hat sich die Kleeblattstadt gemacht: Am 1. November wird am Scherbsgarten das neue Thermalbad eröffnet und bietet allen Erholungssuchenden Entspannung und Wohlfühlen pur.Und der Sport kommt ebenfalls nicht zu kurz: Ein Stadtmarathon (17. Juni) wird ausgerichtet; zudem ist Fürth am 3. Juni Zieletappe der Bayern-Rundfahrt, und am 17. August findet bei der Deutschland-Tour in der Innenstadt das Einzel-Zeitfahren statt. Und zu guter Letzt ist die Spielvereinigung Greuther Fürth auch nur ein paar Punkte von einem Aufstiegsplatz entfernt – dann wäre das Stadtjubiläum freilich perfekt …


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