Reportage

Vulkanschlote und Lorbeerwald -

die bizarre Berglandschaft auf Madeira

Madeira gilt als »schwimmender Garten im Atlantik«. Nur wenige wissen von den Levadas, den 2.000 Kilometer langen Wasserkanälen der Insel, die gut zu bewandern sind und an den unzugänglichsten Bergflanken entlangführen, zwischen Vulkanschloten und Lorbeerwald. Während im deutschen Dezember die Temperaturen kühl und abweisend sein können, hat unser Wanderautor Oliver Breda eine Madeira-Reise unternommen und einige persönliche Eindrücke von seiner Lieblingsinsel mitgebracht.


Wer Madeira in seiner Urlaubsplanung hat, denkt wahrscheinlich in erster Linie an Blumen, Blüten, subtropische Pflanzenwelt. Hat sich doch schon seit langem der Beiname »schwimmender Garten im Atlantik« eingebürgert. Zugegeben, wenn Sie mit dieser Erwartungshaltung zum ersten Mal auf die Insel kommen, werden Sie nicht enttäuscht – und zwar zu allen Jahreszeiten. Da sich das Klima recht ausgeglichen zeigt, ist es den Pflanzen herzlich gleichgültig, ob nun Frühling oder Winter ist. Sie blühen immer drauflos, nicht alle zur selben Zeit, aber immerzu und stetig.


Nicht nur Kletterern und Naturforschern vorbehalten

Die grünen Hänge an der Nordseite der Insel
Die grünen Hänge an der Nordseite der Insel

Vor meinem ersten Besuch auf der Insel, 1999, hatte auch ich das Bild einer lieblichen Gartenlandschaft vor Augen. Madeira nur auf üppige, farbenfrohe Blütenpflanzen zu reduzieren, wird der Insel allerdings nicht gerecht. Wer höher hinaufsteigt, dem zeigt sich eine wilde, urwüchsige, teils bizarre Landschaft. Steile Bergflanken sind dicht mit dunkelgrüner Lorbeerwaldvegetation bewachsen, dazwischen ragen – senkrecht und zerklüftet – ehemalige Vulkanschlote auf.

Wer sich im Internet oder in hochwertigen Naturmagazinen die Bilder von tropischen Bergwäldern anschaut, kann solcherlei beeindruckende Impressionen auf »meiner« Insel hautnah erleben. Steht doch der Lorbeerwald botanisch zwischen tropischen Bergwäldern und mediterranen Hartlaubwäldern.

Eine jener Levadas, die unzugänglichste Bergflanken begehbar machen
Eine jener Levadas, die unzugänglichste Bergflanken begehbar machen

Das Beste dabei: Die Flanken auf Madeira sind nur auf dem ersten Blick unzugänglich. Die Insel ist durchzogen von einem über 2.000 km langen Netz von waagrecht angelegten Wasserkanälen, den Levadas. Sie verlaufen teilweise in der senkrechten Wand, um Wasser für die Landwirtschaft in tiefere, lieblichere Lagen zu leiten. Als Nebeneffekt gelangen Wanderer dank vieler Levadas in Regionen, die sonst nur verwegenen Kletterern oder mutigen Naturforschern vorbehalten wären.


Meine Liebe zur Natur und meine Lieblingstour

Mystisch und geheimnisvoll – der Lorbeerwald im Fanal
Mystisch und geheimnisvoll – der Lorbeerwald im Fanal

Als Wanderreiseleiter und Buchautor besuche ich nun schon seit 15 Jahren Madeira. Ungefähr drei Monate im Jahr sind es meistens, die ich auf dem portugiesischen Eiland verbringe. Zig Mal war ich auf dem Pico Ruivo (z. B. Tour 16 und 17), dem höchsten Berg der Insel. Ebenfalls nicht mehr gezählt sind meine Touren im Gebiet von Rabaçal (z. B. Tour 24 und 25). Wie oft ich auf dem Pico Grande gewesen bin (Tour 21), habe ich vergessen. Und auf der bizarren Ostspitze (Tour 1): vielleicht 80-mal, 100-mal?
Häufig stellen mir meine Reisegäste die Frage, ob die Eindrücke denn nicht langweilig werden. Nö. Wer die Natur liebt, liebt sie meiner Meinung nach immer und mit all ihren Facetten: Sonne, Regen, Nebel, Wind, Hitze, Kälte, laues Lüftchen … Kann die Liebe zur Natur jemals langweilig werden?

Der faszinierende Ausblick von der Ostspitze Madeiras
Der faszinierende Ausblick von der Ostspitze Madeiras

Eine weitere häufige Frage ist die nach meiner Lieblingstour. Sie zu beantworten, ist schon schwieriger. Es hängt von meiner jeweiligen Stimmung ab. Einmal sehnt es mich nach sonnigen Hängen an der Südküste, dann zieht es mich in die dunkel-feuchte Region der Nordküste – übrigens: schönes Lorbeerwald-Feeling gibt es auf den neu aufgenommen Touren 36 und 37. Ein anderes Mal müssen es die wilden Zacken im Gebirge sein (Tour 17 und 21), dann die sportliche Quälerei über den Hauptkamm vom Pico Ruivo zum Encumeada-Pass (teilweise Tour 20). Manchmal sitze ich auch einfach nur im Café und lasse den Blick schweifen – ich nenne es »Löcher in die Luft starren« (dazu gibt es keine speziell ausgewiesene Tour im Buch).
Das alles aber nur, wenn ich nicht gerade auf Recherche oder mit meinen Reisegruppen unterwegs bin. Dann zählen die Stimmungen und Wünsche der Auftraggeber. Aber ich kann mich anpassen, die Insel macht es mir leicht, mit ihrer Vielseitigkeit und ihrer rauen und wilden Lieblichkeit.


Weiterführende Informationen:

Für botanisch Interessierte hat Oliver Breda ein Blumenbuch im Selbstverlag veröffentlicht: »Madeira – Was hier alles wächst!«, 6. Auflage 2013/14, ISBN: 978-3-938282-05-2, Oliver Breda Verlag, Duisburg. 12,80 €, bestellbar in jeder Buchhandlung oder direkt: E-Mail, Fax: 0203-6086657.
Wer schon vorab im Buch stöbern möchte, kann das hier tun: plus.google.com

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