Reportage

Die Erholung des Waldes -

Teneriffa nach dem großen Brand

Soeben kam unser Kanaren-Guide »Teneriffa« (5. Auflage 2008) neu heraus. Welche Schäden das große Feuer im vergangenen Jahr verursacht hat und welche Maßnahmen zur Wiederaufforstung ergriffen werden, darüber schreibt Irene Börjes in ihrem Artikel. Nach einem halben Jahr lässt sich glücklicherweise sagen: Die (Folge-)Schäden waren nicht so verheerend wie erwartet – und selbst das schönste Dorf der Insel, das die Flammen ergriffen haben, soll im Sommer 2008 wieder in altem Glanz erstrahlen.


In den Wäldern Teneriffas wird gearbeitet. Während Arbeitstrupps im Anagagebirge, dem Nordosten der Insel, den Ausbau von Wanderwegen voranbringen, wollen sie im Nordwesten Folgeschäden des Waldbrandes vom vergangenen Jahr verhindern. Mehr als 15.000 Hektar Wald waren in Flammen gestanden, auch Höfe und Häuser wurden zu einem Raub der Flammen. Das größte Feuer der vergangenen 25 Jahre zog oberhalb von Los Realejos und Icod de los Vinos weiter nach Santiago del Teide und hinunter ins Tenogebirge bis nach Masca. Menschenleben hatten die Flammen zum Glück nicht gefordert.


Oberflächliche Schäden dank hohen Windes

Die Umweltbilanz sah, nachdem der letzte Brandherd gelöscht war, nicht ganz so dramatisch aus, wie zunächst befürchtet. Der Wind, der für die rasante Ausbreitung des Feuers verantwortlich war und die Löscharbeiten erschwerte, hatte auch dafür gesorgt, dass die Flammen sich nicht festfraßen, sondern schnell weiter getragen wurden. Auf rund 10.000 Hektar blieben die Brandschäden oberflächlich. Die kanarische Pinie ist zudem nahezu feuerresistent. Ein Opfer der Flammen werden nur junge Bäume und die mächtigen »Veteranen«. Die große Mehrheit der Bäume ist durch eine mehrfach geschichtete Borke vor dem Verbrennen geschützt und kann nach dem Verlust von Ästen rasch am Stamm wieder ausschlagen. Weniger widerstandsfähig sind die »ausländischen« Pinien wie die kalifornische Monterey-Kiefer (Pinus radiata), mit der Teile von Teneriffa aus wirtschaftlichen Gründen aufgeforstet worden waren. Der große Brand hat ihre Anzahl weiter dezimiert, sie können jetzt mit kanarischen Pinien ersetzt werden.


200 Forstarbeiter im Einsatz

Eine der Maßnahmen zum Schutz der Wälder besteht derzeit darin – so widersinnig es klingen mag –, die verbliebenen Monterey-Kiefern abzuholzen. Sie sollen Platz machen für einheimischen Bäume, die nicht nur Brände überstehen, sondern mit ihren langen Nadeln auch Feuchtigkeit aus der Luft »melken« und abregnen lassen können. Feuchtere Wälder bieten mehr Feuerschutz, Lebensraum für eine Strauchschicht und sie füllen die Grundwasserreserven auf. In einigen Jahren werden die jetzt so geschundenen Wälder nicht nur verjüngt und in frischem Grün prangen, sondern ihrem Ursprung näher sein als zuvor.
Voraussetzung für erfolgreiche Anpflanzungen ist allerdings zu verhindern, dass der Boden erodiert. 30 Gruppen mit mehr als 200 Forstarbeitern sind speziell dafür zwischen Los Realejos und Masca im Einsatz. Sie säubern das Gelände und bündeln verbrannte Stämme, Zweige und Sträucher zu Barrieren, damit das freiliegende Gelände nicht abrutscht oder von den Frühjahrsregenfällen weggespült werden kann.


1 Million Euro für die Betroffenen

Für Wanderer heißen all diese Arbeiten nicht, dass sie in den nächsten Jahren auf Wege im Pinienwald verzichten müssen. Das Wälder des Orotavatals und die oberhalb von Vilaflor, um nur zwei zu nennen, blieben komplett vom Brand verschont. Andererseits ist auch nicht ohne Reiz zu beobachten, wie sich der Wald erholt, wie schon jetzt grüne Spitzen aus schwarzen Stämmen drängen.
Wie geht es den geschädigten Familien? Finanziell zumindest besser als bei früheren Katastrophen. An die betroffen 124 Familien wurden und werden insgesamt 1 Million Euro ausgezahlt. Sie sollen über den Schock hinweg helfen und zur Reparatur bzw. dem Neubau beschädigter Häuser und Wohnungen dienen. Im Sommer 2008 sollen die Wiederaufbauarbeiten zum Beispiel in Masca, dem unter Denkmalschutz stehenden schönsten Dorf Teneriffas, abgeschlossen sein. Spätestens dann lohnt sich auch der Besuch dort wieder.


Reaktion auf unseren letzten Newsletter zur Reportage von Irene Börjes:

Anzeichen der Erholung hinter dem Montana de Chinguero (Wanderung 9 im Buch)
Anzeichen der Erholung hinter dem Montana de Chinguero (Wanderung 9 im Buch)

»Komme gerade aus Mallorca und habe den Newsletter gelesen. Da bin ich auf folgenden Beitrag gestoßen: ›Die Erholung des Waldes. Teneriffa nach dem großen Brand‹. Da ich nun im letzten Spätjahr auf Teneriffa unterwegs war, wanderte ich natürlich auch durch dieses Gebiet. Dass sich der Wald erholen wird, war (mal leichtfertig von mir behauptet) schon kurze Zeit nach dem Brand zu erkennen. Mehr noch war ich begeistert, diese Anzeichen offensichtlich zu sehen.

Diese faszinierende Erholung des Waldes, der Kampf um Fortbestehen – den möchte ich nach diesem Bericht natürlich mit euch teilen. Alles war verbrannt, alles war grauschwarz, aber immer wieder spitzten neue Triebe hervor.«

Wir bedanken uns bei Andreas Dietz, der auch das Bild geschickt hat!

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