Reportage

Ein Musentempel der ganz besonderen Art -

das eindrucksvolle Hotel "La Claustra" im St.-Gotthard-Massiv

Ein Artikel von Hans-Peter Koch, dessen Reiseführer über das Tessin nicht nur der ekz-Informationsdienst mit lobenden Worten bedacht hat: »Geballte Informationen, übersichtlich und interessant dargeboten.« Für diesen Newsletter hat der passionierte Bergwanderer ein außergewöhnliches Hotel entdeckt.


An der Lucendro-Staumauer nördlich des St.-Gotthard-Passes hat sich der Künstler und Soziologe Jean Odermatt seinen Lebenstraum erfüllt: Der »Gotthard-Verrückte«, wie ihn die »Neue Zürcher Zeitung« unlängst nannte, baute in vierjähriger Arbeit aus dem Weltkriegsbunker »San Carlo« ein Hotel mit Tagungszentrum – und taufte die Anlage »La Claustra«, was auf Rätoromanisch »Klöster« bedeutet.
Und tatsächlich hat das von einer Stiftung finanzierte und im Juni eröffnete Projekt etwas von einem neuzeitlichen Musentempel: Ein Zwitter aus Forschungs- und Kommunikations-Zentrum mit musealem und esoterischem Gepräge ist hier auf knapp 4000 m2 entstanden – ungemein geschmackvoll, ungeheuer modern und ungewöhnlich eindrucksvoll. »La Claustra« ist mit 25 einfachen Schlafzimmern, einem Wellness-Bereich mit japanischen Bädern, mit Seminarräumen und Bibliothek bestens ausgestattet. Weshalb die Anlage gerade in Bergmassiv gebaut wurde, beantwortet Odermatt auf seiner Homepage. Für ihn ist der Sankt Gotthard »das Wasserschloss Europas, Symbol für Schweizer Wehrhaftigkeit und Scheidewand von Nord nach Süd«.

Dass der südlichste Kanton der Schweiz, das Tessin, der gleich hinter dem Gotthard-Pass beginnt, ein besonderes Bindeglied zum Süden Europas bildet, ist auch in unserem Reiseführer »Tessin« nachzulesen. Hier finden sich Hinweise auf die »Schweizer Wehrhaftigkeit«, die in beiden Weltkriegen des vorigen Jahrhunderts zum hundertfachen Bunkerbau in den Alpen führte – Schweizer Militärs hofften, den deutschen oder italienischen Angreifern durch einen massenhaften Rückzug in die Alpen zu trotzen. Noch heute sind vielerorts die hässlichen, steinernen Zeugen dieser »Reduit-Politik« zu bestaunen – in Airolo z. B., dem ersten Tessiner Ort auf der Südseite des St.-Gottards, wo die Artillerieschule des Schweizer Heeres die Stollen eingenommen hat.
Der »Gotthard« ist aber auch wirklich das Wasserschloss Europas. Hier entspringen Rhein, Rhone, Reuß, Ticino und fließen in vier Himmelsrichtungen durch unseren Kontinent. Das Gebirgsmassiv, das Klimazonen und Kulturen scheidet, wird so zum Mittelpunkt Europas. Und zum Traum-Mittelpunkt des Jean Odermatt, der seit Jahrzehnten den nördlichen Teil der Tessiner Alpen durchstreift und Tausende von Radierungen und Fotos gemacht hat, die in der »Claustra« ihre Heimat (wieder)gefunden haben. Ein wahrlich künstlerischer Platz zum Urlauben, Meditieren, zum Lernen und Diskutieren, einfach zum Wohlfühlen.


Informationen:


La Claustra, Tel: 0041/918805055, geöffnet vom 15. Juni bis 15. Oktober

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