Reportage

Es muss nicht immer Küste sein -

verträumte Örtchen abseits des Strandtrubels

Nicht nur bei erholungssuchenden Ausländern, sondern auch bei Türken mit der Sehnsucht nach Ruhe und Natur wird Urlaub auf dem Lande immer populärer. Vor allem wohlhabende Städter aus Istanbul, Izmir oder Ankara entdeckten in den letzten beiden Jahrzehnten den Charme der verfallenen, meist ehemals griechischen Natursteindörfer im Hinterland und zauberten hübsche kleine Unterkünfte in die morbide Idylle. Gabi Tröger und Michael Bussmann, unsere zwei ausgewiesenen Türkei-Profis und Autoren der Neuauflage des Gesamt-Guides (2. Auflage 2006) stellen Ihnen sieben attraktive Orte abseits der Küsten vor.


Göynük liegt mitten im Nirgendwo, irgendwo zwischen Schwarzmeerküste und Marmarameer, in einem schönen Tal, drum herum eine seenreiche Berglandschaft. Aus der Zeit, als die heute ziemlich isolierte Kleinstadt noch an der Seidenstraße lag, zeugt das komplett unverschandelte Stadtbild mit prächtigen, oft feinfühlig restaurierten Fachwerkhäusern. Am besten besucht man das noch unentdeckte Kleinod zum bunten Montagsmarkt. Man kann sich hier auch einmieten – einige einfache, aber sympathische Hotels bieten Unterkunft. Infos in unserem aktuellen Türkei-Band auf S. 544-545.

Uzungöl: In Uzungöl sieht es aus wie in der Schweiz, würde man die strahlendweiße Moschee durch eine barocke Kirche ersetzen. 48 km und 1200 Höhenmeter trennen das idyllisch an einem blaugrünen Bergsee gelegene Dorf von der östlichen Schwarzmeerküste. Vor der Kulisse steil aufragender Berge und rauschender Wälder stehen hübsche Holzhäuser, viele davon dienen heute als Hotels. Uzungöl ist ein Paradies für Wanderer – ohne Bierdurst allerdings, denn Alkohol ist hier kaum aufzutreiben. Egal, dafür kann man lecker essen: Forelle aus einem eiskalten Gebirgsbach beispielsweise, oder Muhlama, eine Art Käsefondue. Weitere Infos in unserem aktuellen Türkei-Band auf S. 596-597.

Sirince: Rund 11 km sind es vom alten griechischen Ägäisdorf Sirince bis zu den Ruinen von Ephesus, 17 km bis zum nächsten Strand. Die Nähe zur publikumsträchtigen Ausgrabungsstätte und zur Urlauberhochburg Kusadasi sorgt tagsüber für einen steten Strom an Ausflugsgästen. Frühmorgens und am Abend jedoch ist Sirince noch immer das, was es wortwörtlich auch heißt: »niedlich«. Beste Zeit für einen Plausch mit dem einen oder anderen der rund 400 Einwohner, für einen Spaziergang durch die holprigen Pflastergassen hinauf zur alten Johanneskirche oder für eine Degustation in einer der kleinen Weinkeltereien. Wer länger bleiben will, kann zwischen etlichen familiären Hotels und Pensionen mit Stil wählen. Weitere Infos in unserem aktuellen Türkei-Band auf S. 289-290.

Adatepe und Yesilyurt: Ganztägige Ruhe, von Vogelgezwitscher und Grillengezirpe einmal abgesehen, versprechen die von silbrig schimmernden Olivenhainen umgebenen Dörfchen Adatepe und Yesilyurt an den Ausläufern des nordägäischen Kaz-Daglari-Gebirges. Wie in Sirince zeichneten auch in Adatepe und Yesilyurt Griechen für die hübschen Natursteinhäuser und malerischen Treppengassen verantwortlich – im Rahmen des Bevölkerungsaustausches mussten sie ihre angestammte Heimat 1923 verlassen. Was man hier tun kann? Spazieren gehen, lesen, in Olivenöl baden, träumen und durchatmen: Yesilyurt rühmt sich, die »sauerstoffreichste Luft der Welt« zu besitzen. Und wem’s langweilig wird – von beiden Dörfern sind es nur rund fünf Kilometer zum Meer! Niveauvolle Unterkünfte sind vorhanden – alles dazu in unserem aktuellen Türkei-Band auf S. 218-219.

Cumalikizik: Vom Meer muss man sich in Cumalikizik, 12 km östlich von Bursa in der Marmararegion, ganz verabschieden. Das denkmalgeschützte, von einem Bach durchflossene und von Wiesen und Wäldern umgebene Dörfchen ist gerade erst wachgeküsst worden. Noch sind die Stein- und Holzhäuser größtenteils unrestauriert, noch ist die Anzahl der Unterkünfte und Lokale (Infos dazu im aktuellen Türkei-Band auf S. 196) gering, doch das kann sich schnell ändern. Es wird fleißig renoviert. Noch ein Tipp: Die Dörflerinnen verkaufen hier leckere Brom- und Himbeeren (auch als Marmelade) sowie knuspriges Landbrot.

Hasankeyf: Es muss ja nicht gleich morgen sein, aber allzu lange sollte man den Besuch von Hasankeyf im kargen Südostanatolien nicht aufschieben. Große Teile des sandfarbenen Bilderbuchortes an einer Engstelle des Tigris sollen bis 2013 nämlich in den Fluten des geplanten Ilisu-Staudammes verschwunden sein. Bis dahin kann man sich das Örtchen in etwa so vorstellen: ein freundliches Zentrum mit Open-Air-Lokalen am Fluss, darüber ein mit Höhlenwohnungen durchsetzter Burgfels. Und überall verstreut imposante Baudenkmäler längst vergessener Zeiten wie die Ruinen einer Brücke aus dem 12. Jh. oder die Reste der Großen Moschee aus dem 14. Jh., neben der die Dorfjugend sich an Sommerabenden im Fußball übt. Am besten sollte man den Ort als Tagesausflug einplanen, denn mit guten Unterkünften ist Hasankeyf alles andere als gesegnet. Weitere Infos zu Hasankeyf finden Sie in unserem aktuellen Türkei-Band auf S. 848-850.

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