Reportage

Die Renaissance der fetten Jahre.

Die türkische Mittelmeerküste für Camper

Ein Artikel von Michael Bussmann und Gabi Tröger, unseren Türkei-Experten, die soeben die Neuauflage »Türkei Mittelmeerküste« (7. Auflage 2006) vorlegen. Für diesen Newsletter haben sie sich mit der Situation der Campingplätze beschäftigt, in der jüngsten Historie gewühlt, die wichtigsten Unterschiede zwischen lizenzierten und nicht-autorisierten Plätzen aufgezeigt und drei Spitzentipps parat.


Waren das noch Zeiten, als sich Karawanen abenteuerlustiger Camper mit ihrem VW-Bus über den Autoput nach Anatolien quälten. Simpel waren damals noch die Plätze, belagert von Blumenfamilien und Travellern auf der Weiterfahrt nach Afghanistan oder Indien, von Reisenden mit viel Freude am Unbekannten, zufrieden mit dem Kaltwasserhahn und der Grillstelle am Meer. Und so mancher Tramper, der kein Zelt dabei hatte, bekam für ’ne Mark ein Plätzchen auf der Dachterrasse …
An die goldene Ära der 60er, 70er und 80er Jahre erinnern sich die türkischen Campingplatzbesitzer noch heute gerne. Doch die fetten Jahre endeten mit dem Balkankrieg. Viele Plätze mussten aus Gästemangel schließen, andere überlebten im verwahrlosten Zustand. Erst seit wenigen Jahren traut man sich wieder mit dem Wohnmobil in die Türkei: Die Routen über den Balkan sind wieder zu befahren, auch wenn man sich auf korrupte Polizei- und Zollbeamte, lange Wartezeiten an den Grenzen und Langfinger am Wegesrand einstellen sollte.
Bequemer, aber entschieden teurer und zeitaufwändiger ist die Anfahrt über Italien mit anschließender Fährpassage nach Griechenland oder direkt in die Türkei – alles darüber erfahren Sie im Mittelmeerküste-Buch ab S. 19.


Unterschiedliche Ausstattung der Plätze

In der Türkei unterscheidet man zwischen vom Ministerium für Fremdenverkehr lizenzierten und nicht lizenzierten Plätzen. Autorisierte Plätze kommen dem westeuropäischen Standard in der Regel recht nahe, auch wenn mit gewissen Mankos wie nicht durchgehend warmen Duschen oder mangelnden Entsorgungsmöglichkeiten zu rechnen ist. Zur üblichen Ausstattung gehören Camperküche, Stromanschluss und ein Restaurant; bessere Plätze verfügen auch über einen Pool. Manchmal werden einfache Zimmer vermietet.
Die weitaus günstigeren nicht lizenzierten Plätze sind zur lokalen Ferienzeit im Juli und August überwiegend mit türkischen Familien belegt, die weder ein Sommerhaus am Meer noch genug Geld für eine einfache Pension besitzen. Sie reisen meist mit Kind, Kegel und dem halben Hausrat an und bleiben drei oder vier Wochen. Und oft nimmt auf diesen Plätzen Lärm und Unrat ein für Westeuropäer leider nicht mehr verträgliches Ausmaß an. Ähnliche Zustände herrschen dann auch auf den von der Forstverwaltung ausgewiesenen Picknickplätzen (Orman Içi Dinlenme Yeri), auf denen man ebenfalls campen kann. Sie sind mit Abfallkörben, Toiletten und Tischen, häufig auch mit bescheidenen Grillmöglichkeiten ausgestattet. Wildcampen kann aufgrund von neugierigen Dörflern und Polizeikontrollen zu einem nervigen Unterfangen werden. Die meisten Plätze haben übrigens nur von Mai bis Oktober geöffnet. Für zwei Personen mit Wohnmobil sollte man – je nach Platz – mit 5-15 Euro rechnen.


Die schönsten Plätze an der Mittelmeerküste

An der Nordägäis ist der Altin Camp uneingeschränkt zu empfehlen. Der alteingesessene deutschsprachige Familienbetrieb befindet sich in Ören am Golf von Edremit (im Buch auf S. 194 beschrieben). Manche Stammgäste verbringen hier schon seit 25 Jahren ihren Urlaub. Kein Wunder: Die grüne, gepflegte Oase am schönen weiten Sandstrand ist perfekt: viel Schatten, Sportangebote, gutes Restaurant (regionale Bioprodukte), Internetanschluss etc. Wer kein Zelt oder Wohnmobil dabei hat, kann sich in bestens ausgestatteten Zelten und hübschen Zimmern einmieten.
Knapp 300 km weiter südlich, nahe der antiken Stadt Ephesus, liegt unser nächster Tipp: der Dereli Motel Camping (im Buch auf S. 272) am schönen langen Beach von Pamucak. Der Platz unter deutscher Leitung bietet einen gepflegten, palmenbestückten Strandabschnitt, saubere Sanitäranlagen und ein gutes Restaurant. Auch hier werden gepflegte Zimmer vermietet.
Naturverbundene Besucher der Lykischen Küste zieht es zum Camping Sundance, ein hübsches, noch unverdorbenes Kleinod in der Kemer-Region (im Buch auf S. 467). Der weitläufige Platz liegt in Spaziernähe zu den Ruinen der antiken Stadt Phaselis. Pferde laufen herum, daneben lockt ein wenig frequentierter Strand.
Wie schön, dass man auch an der zubetonierten Türkischen Riviera noch außergewöhnliche Plätze findet. Der empfehlenswerteste unter den empfehlenswerten ist der kleine Nostalgie Camping (im Buch auf S. 517), der von der freundlichen Schweizerin Verena betrieben wird. Nettes Openair-Restaurant, davor der weite Strand von Kizilot. Es werden auch vier nette Bungalows vermietet.


Ein letzter Tipp zu Kappadokien

Camper, die einen Abstecher nach Kappadokien planen, steuern am besten den Kaya Camping bei Göreme (im Buch auf S. 614) an. Er überblickt ein idyllisches Tuffsteintal, ist sehr gepflegt und bestens ausgestattet, ein weiterer Pluspunkt ist der große Pool. Zeltler bekommen Matratzen gestellt. Betreiber Yasar spricht gut Deutsch und kümmert sich rührend um seine Gäste.


Internetadressen:

Hier die Webseiten der besprochenen Campingplätze:

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