Top Ten

Teil 3: Bali & Lombok

oder Wie schüttele ich die Last eines Jahres ab?

Obwohl es an Reiseführern zu Bali nicht mangelt, haben Susanne Beigott und Otto Braun ein frisches Reisehandbuch über die Insel der Götter geschrieben. Dass es nicht nur eine Herausforderung, sondern ein echtes Anliegen war, zeigt die Auszeichnung, die die zwei Reisejournalisten auf der ITB für ihr Buch bekommen haben. Ihre balinesischen Lieblingsplätze, aber auch einige ganz besondere Orte auf der Nachbarinsel Lombok, verraten sie in unserem Newsletter.


Bali & Lombok – Susanne Beigotts und Otto Brauns Top Ten

Essen & Trinken: Authentische Genüsse im Hinterhof

Zugegeben, es ist eine kleine und abends recht dunkle Gasse, die ins Reich von Ibu Made führt. Wer sich davor nicht fürchtet, betritt ein Stück authentisches Bali – und kann sich durch die landestypische Küche der Insel schlemmen.
Zwischen spielenden Kindern nimmt man an einem der wenigen Tische Platz. Auffallend ist die Herzlichkeit der Hausherrin, aber auch die Speisekarte. Sie bietet neben Klassikern wie Nasi campur (= ein Reisgericht mit einer bunten Auswahl an ausgesuchten Beilagen) das – in touristischen Gefilden seltene – Lawar Ayam (= hauchfeine Streifen Hühnerfleisch mit frischen Kokosraspeln, oft mit grünen Bohnen gemischt), welches sonst nur zu Tempelfesten gereicht wird.
Warung Made Busana Bali, Sanur, Gang Taman Agung 1. Speisen von 4.000 bis 25.000 IDR. Shisha ab 40.000 IDR.


Übernachten: Taka-Tuka-Land südlich des Äquators

Ein kleines Paradies in Tetebatu (Foto: Susanne Beigott)
Ein kleines Paradies in Tetebatu (Foto: Susanne Beigott)

Wer einmal hier war, wird es als den lauschigsten Ort der Welt in Erinnerung behalten. Nahe des winzigen Örtchens Tetebatu am Fuß des mächtigen Rinjani haben sich Roland und Toni ihr kleines Paradies geschaffen. Das Beste: Sie teilen es nicht nur mit zahlreichen Truthähnen und einem Affen, sondern auch mit ihren Gästen.
Die meisten nächtigen – aufs Reisebudget achtend – im Zelt oder auf Holzplattformen. Einzigartig jedoch sind die kleinen, liebevoll gestalteten Reisspeicher, die eine ultra-romantische Übernachtungsmöglichkeit bieten.
Im Naturwasserpool kann man sich zusammen mit den herumpaddelnden Schildkröten erfrischen. Im Restaurant umsorgen die sympathischen Besitzer ihre Gäste mit lokalen wie deutschen Gerichten, darunter Fisch aus eigener Zucht, und wer richtig Glück hat, kommt in den Genuss der weltbesten Käsespätzle …
Wenn dann nachts an der Bar das resorteigene Pferd vorbeischaut, scheint der Tag perfekt.
Rinjani Mountain Garden, Teresgenit. Unterkunft zwischen 240.000 und 405.000 IDR für 2 Personen.


Kultur: Der Affengeneral bittet zum Tanz

Kecak, kecak – den berühmtesten Tanz Balis muss man erlebt haben (Foto: Susanne Beigott)
Kecak, kecak – den berühmtesten Tanz Balis muss man erlebt haben (Foto: Susanne Beigott)

Wer auf die Insel der Götter reist, ohne sich von den majestätischen Tänzen der Insel bezaubern zu lassen, war nicht wirklich auf Bali.
Die meisten Touristen sehen sich den Kecak, den berühmtesten Tanz Balis, auf dem Areal des Pura Luhur Uluhwatu an. Vollkommen zu Recht! Denn die Kulisse ist einzigartig: Wer den Blick über die Schauspieler hinweg zur Klippe schweifen lässt, kann im Dämmerlicht das Meer und den heiligen Tempel im Hintergrund bewundern.
Auf der Freilichtbühne verfolgen die Zuschauer den Kampf des Prinzen Rama um seine geliebte Prinzessin. Mit furchterregenden Masken und herrlichen Kostümen, die im Schein der Fackeln geheimnisvoll strahlen, gelingt eine bildliche Umsetzung, die kunstvoll und farbenfroh zugleich ist. Das Spektakel wird untermalt vom monotonen Gesang der 50 stolzen Männer, die »kecak, kecak, kecak« murmeln. Die Stimmen schwellen an, die nackten Oberkörper ragen als eine menschliche Pyramide in den Himmel, die Hände zu den Göttern erhoben.
Für 60 Minuten befindet man sich in einer fremden Welt, in der nur das ständige Blitzen der Fotoapparate störend an das moderne Heute erinnert.
Täglich kurz nach Sonnenuntergang, Eintritt (Tanz) um 100.000 IDR, Kinder die Hälfte. Direkt am Pura Uluwatu, Jalan Raya Uluwatu, Desa Pecatu.


Ab durch die Wolkendecke: Vulkanbesteigung auf Lombok

Eine schweißtreibende Angelegenheit, die sich lohnt – die Besteigung des Gunung Rinjani (Foto: Susanne Beigott)
Eine schweißtreibende Angelegenheit, die sich lohnt – die Besteigung des Gunung Rinjani (Foto: Susanne Beigott)

Auch Lombok hat einen Sitz der Götter – und der ist mehr als beeindruckend! Der karge Gipfel erreicht eine Höhe von 3.726 m und erhebt sich majestätisch über ausgedehnten Reisfeldern und grünem Regenwald.
Die Besteigung des Gunung Rinjani ist allerdings eine schweißtreibende Angelegenheit. Wenn es immer kühler wird, der Wind unablässig wütet und am Ende noch Regen einsetzt, kommen einem die ersten Zweifel. Diese sind am Kraterrand dann vergessen: Der Blick auf den Segare Anak, dem geheimnisvoll schimmernden Kratersee, rechtfertigt bei Sonnenaufgang eigentlich alles.
Den Aufstieg organisieren zahlreiche Anbieter in Senaru. Die günstigsten und verlässlichsten Touren kann man in Senaru im Rinjani Trek Centre (RTC, am südlichen Ende von Senaru, direkt vor dem Zugang zum Nationalpark) oder in Sembalun Lawang im Rinjani Information Centre buchen. Für 3 Tage und 2 Nächte zahlt man mindestens 2.300.000 IDR. Je nach Anspruch sind nach oben keine Grenzen gesetzt.


Unterwegs: Abkühlung unter Dschungel-Wasserfällen

Die perfekte Mischung aus Anstrengung und Abkühlung ist der Besuch eines Wasserfalls. Bei Bayan können Sie gleich drei davon bestaunen.
Der knapp 40 Meter hohe, 30 Minuten entfernte Air Terjun Sidang Gila ist nicht nur bei Touristen, sondern auch bei den Einheimischen sehr beliebt. Das hat freilich auch einen Nachteil: An Wochenenden und Feiertagen ist man hier sicher nicht alleine.
Nicht nur höher, sondern tatsächlich noch schöner und ruhiger zeigt sich der Air Terjun Tiu Kelep. Man erreicht ihn nach einer weiteren, cirka vierzigminütigen, durchaus anstrengenden Wanderung, die über Regenwaldpfade führt. Für die Strapazen entschädigt ein Bad im ausgewaschenen Becken. Und das sollte wirklich niemand verpassen, denn die lokalen Legenden besagen, das Wasser hätte eine verjüngende Wirkung … Jedes Mal, wenn man hinter dem Wasservorhang verschwindet, soll der Körper die Last eines Jahres abschütteln …
Wer noch nicht genug hat, gut klettern kann und zudem über Ausdauer verfügt, könnte mit einem guten Führer auch noch den letzten Wasserfall aufsuchen, den Betara Lenjang. Da hier die längste und aufwändigste Wegstrecke zurückzulegen ist, sind dafür die wenigsten Touristen zu erwarten, und das Bad erfrischt gleich doppelt.
Führer bieten sich zuhauf in Senaru an, aber auch am Eingang des Treks zu den Wasserfällen.


Strand: Surfen in der Piraten-Bucht

Die Piratenbucht, ein kleiner Geheimtipp am Suluban Point (Foto: Susanne Beigott)
Die Piratenbucht, ein kleiner Geheimtipp am Suluban Point (Foto: Susanne Beigott)

Surfen ist die Freizeitbeschäftigung auf Bali. Am Uluwatu-Surf auf der südlichen Halbinsel kommen aber nicht nur geübte Wellenreiter, sondern auch Voyeure und Badenixen auf ihre Kosten. Die Piratenbucht am Suluban Point erreicht man via holprige Stufenpfade und gelangt zu einem kleinen Labyrinth voller Surfboard-Werkstätten, Cafés und Homestays, die einem Schwalbennest gleich an die Klippe gebaut sind. Eine Rast in einem der Aussichtsrestaurants bietet sich an, um die Surfer zu beobachten.
Wer dann von der kleinen Siedlung weitere Stufen zum Strand hinuntersteigt, wird ebenfalls nicht enttäuscht: Zwischen den Klippen eröffnet sich in einer höhlenartigen Bucht zwischen steilen Felswänden ein schattiger Strand, der von kristallklarem Wasser umspült wird und direkten Zugang zum Meer hat.


Baden: Sonnenbaden wie in der Bacardi-Werbung

Lombok oder Wo bitteschön gibt es eine faszinierendere Mondlandschaft (Foto: Susanne Beigott)
Lombok oder Wo bitteschön gibt es eine faszinierendere Mondlandschaft (Foto: Susanne Beigott)

Wer sein Lager in Kuta Lombok aufschlägt, hat alles richtig gemacht. Denn neben dem wunderschönen Dorfstrand gibt es noch eine mannigfaltige Palette an atemberaubenden Stränden rund um Kuta, die Bali schier in Ehrfurcht erblassen lassen.
Mit einem guten (!) Roller kann man westlich von Kuta am von schroffen Felsen umrahmten Strand Mawi unter improvisierten Palmendächern ein kühles Getränk mit Blick auf das vorgelagerte Inselchen Anak Ewok genießen. Die Reise geht weiter zum Pantai Mawun. Hier verschlägt es einem beinahe den Atem! Die sichelförmige Bucht mit weißem Puderzuckersand, der in herrlich klares Wasser übergeht, könnte jeder Bacardi-Werbung Konkurrenz machen. Selong Blanak, ein flach ins Meer abfallender, feinsandiger Strand bildet den krönenden Abschluss.
Wer sich östlich von Kuta orientiert, wird ebenfalls glücklich werden: Die hübsche, u-förmige Bucht Tanjung Aan bietet gleich mehrere wunderschöne Bademöglichkeiten. Strahlend weißer Sand und türkisblaues, klares Meer sind nur zwei Gründe für seine Beliebtheit!


Unter Wasser: Ein Dorado für Aquanauten

Ideales Tauchrevier und Rückzugsort eines Dämonen … (Foto: Susanne Beigott)
Ideales Tauchrevier und Rückzugsort eines Dämonen … (Foto: Susanne Beigott)

Mysteriöse Geschichten und unheimliche Legenden ranken sich um Nusa Penida. So soll die Insel die sagenhafte Wohnstätte eines der berüchtigtsten Dämonen in Balis Mythologie sein: Der schreckliche Jerok Gede Macaling hat sich das Eiland als Rückzugsort auserkoren. Und wir meinen: eine wahrlich gute Wahl. Ganz nebenbei bietet die – noch weitgehend untouristische – Insel fantastische Tauchreviere.
Vor der Küste haben Taucher saisonal die Chance, den faszinierenden Mondfischen (Mola Mola) zu begegnen oder das ganze Jahr über inmitten eines Schwarms ehrfurchtgebietender Mantarochen zu schwimmen. Und auch Schnorchler kommen z. B. am schönen Crystal Bay oder am steinigen Gamat Bay vollends auf ihre Kosten. Verwunderlich ist nur, dass Nusa Penida Dive der bisher einzige Tauchanbieter der Insel ist. Doch auch von Lembongan oder Bali aus werden Tauchausflüge veranstaltet.
Tauchbasis: Penida Dive Resort in Toyapakeh (Tel: 081/339586849, nusapenida7@gmail.com). Diese tschechische Tauchschule organisiert mit Begeisterung und Elan Ausflüge, z. B. einen Trip inkl. 2 Tauchgänge für 69 €, Schnorchelausflüge ab (250.000 IDR/Pers., mind. 4 Pers.). Ganztägige Schnorchelausflüge (ca. 500.000 IDR/2 Pers.) können auch direkt am Crystal Bay oder über Agus, den Manager des Nusa Penida Guesthouses, gebucht werden (Tel: 081/353333493, agoes_noeza@yahoo.com).


Naturkunstwerk: Treppen in den Himmel

Die kaskadenartigen Reisfelder im Hang des Gunung Batukaru (Foto: Susanne Beigott)
Die kaskadenartigen Reisfelder im Hang des Gunung Batukaru (Foto: Susanne Beigott)

Jati Luwih! Nicht umsonst haben die Balinesen ihren »Treppen in den Himmel« den Namen »Jati Luwih!« gegeben. Der balinesische Name bedeutet übersetzt »wirklich wunderschön«.
Die kaskadenartigen Reisfelder wurden in harter Arbeit in den Hang des Gunung Batukaru gehauen. So haben die Reisbauern hier ein perfekt in die Natur eingebettetes Kunstwerk errichtet. Es erinnert an einen grünen, wogenden Teppich, der aus Stufen besteht, die Hunderte von Metern lang sind.
Schon bei der Anreise sollten Sie die Augen offen halten, denn: Der Weg ist der Genuss. Um zum Aussichtspunkt zu gelangen, fahren Sie direkt durch die Reisfelder – und sind somit mittendrin im Kunstwerk. Sehr früh aufbrechen und im Morgennebel einen heißen Kopi Bali (= starker, meist zuckersüßer Kaffee) genießen!


Tempelanlage: Romantischer Sonnenuntergang am Meerestempel

Besonders bei Sonnenuntergang lohnt sich der meistfotografierte Tempel Balis (Foto: Susanne Beigott, Otto Braun)
Besonders bei Sonnenuntergang lohnt sich der meistfotografierte Tempel Balis (Foto: Susanne Beigott, Otto Braun)

Gäbe es eine Auszeichnung für Balis meistbesuchten, meistfotografierten und berühmtesten Tempel, so würde sie mit Sicherheit an den Pura Tanah Lot verliehen werden.
Ungefähr eine Million Touristen besuchen und fotografieren den Reichstempel jedes Jahr. Nicht ohne Grund: Die Kulisse, die diese heilige Anlage bietet, ist einfach unbeschreiblich – mit dem gleißenden Licht der untergehenden Sonne im Hintergrund sogar unvergesslich. Der auf einer kleinen Koralleninsel gelegene Tempel wird bei Flut ganz vom Meer umspült, bei Ebbe ist er über die glitschigen, ausgewaschenen Steine leicht zu Fuß zu erreichen.
Der Trick bei einem Besuch dieser Schönheit ist es, noch nach Sonnenuntergang zu bleiben. Vor dem Hintergrund des sich immer weiter verfärbenden Himmels, offenbart der Tempel seinen ganzen Zauber, während die Zuschauerzahl rapide abnimmt. Wer bislang Pech mit dem balinesischen Sonnenuntergang hatte, kann spätestens jetzt stimmungsvolle Urlaubserinnerungen mit der Kamera einfangen.

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