Top Ten

Teil 29: Limousin & Auvergne

oder Eine Reise ins Zentralmassiv

Besonders beeindruckend sind ein UNESCO-Städtchen, das eine rote Madonna auf einem Vulkanschlot zeigt, und ein Grand Canyon im Miniaturformat, deren Felsspitzen als Feenschornsteine bezeichnet werden. Neben einigen der schönsten Dörfer Frankreichs handelt diese Top Ten von Vulkanerkundungen, dem Herrschersitz von Richard Löwenherz und den wildromantischen Flüssen im Zentralmassiv. Doch auch eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte darf nicht verschwiegen werden: das Massaker von Oradour-sur-Glane, das sich am 10. Juni 1944 nahe Limoges ereignete.

Limousin & Auvergne – Severine Sands Top Ten


Wahrzeichen: Zum Big Boss und zur gezackten Pyramide

Mit der Panoramabahn zum erloschenen Feuerspeier Puy de Dôme, dem Wahrzeichen der Auvergne (Foto: Severine Sand)
Mit der Panoramabahn zum erloschenen Feuerspeier Puy de Dôme, dem Wahrzeichen der Auvergne (Foto: Severine Sand)

Die Auvergne ist eine einzige Vulkanlandschaft. Kein Wunder, dass das Wahrzeichen schlechthin nur ein Vulkan sein kann. Als Big Boss unter den erloschenen Feuerspeiern behauptet sich der Puy de Dôme nahe Clermont-Ferrand, der dem Département seinen Namen gegeben hat. Für Besucher und Urlauber ist der Aufstieg auf den hutförmigen Berg mit seinem markanten Funkmast ein Muss. Und diese haben dabei die Wahl, den 12.000 Jahre alten und 1465 Meter hohen Vulkanschlot zu Fuß über einen knapp zehn Kilometer langen Weg mit dem netten Namen Maultierpfad oder ganz bequem mit der Panoramabahn zu »erklimmen«. Beides hat seinen Charme.
Zugegeben, der bekannteste unter den Vulkanen ist nicht gerade der Schönste, dafür bietet er eine grandiose 360-Grad-Panoramasicht auf die umliegende Chaîne des Puys, eine fast 50 km lange Kette aus sanften Vulkankuppen, Kratern und bilderbuchartigen Kraterseen. Spaß macht es zudem die zahlreichen Gleitschirmflieger zu beobachten, die wie Vogelschwärme den Puy de Dôme umsegeln.
Ebenfalls ein Muss ist der Aufstieg auf den Puy Mary im Nachbardépartement Cantal. Dafür können Wanderfreunde sogar ziemlich nah an die Spitze dieser 1783 Meter hohen Pyramide heranfahren. Lediglich auf den letzten 200 Höhenmetern (gut ausgebaute Treppe!) müssen sie auf die Muskelkraft ihrer Waden setzen. Übrigens: Die Fahrer der Tour de France rasen alle paar Sommer regelmäßig über die dortige Passstraße.
Belohnt wird man mit einer gigantischen Sicht auf die umliegende, immergrüne Vulkanlandschaft – unter anderem auf die tobleroneförmige Felsspitze des Puy Griou, den Stegosaurus-Rücken des Peyre Arse und die gezackten Felswände der Brèche de Roland, »Herr der Ringe« lässt grüßen …


Erkundung: Im Inneren eines Vulkankraters und ein Schiefersteinbruch

Die Erkundung vulkanischer Welten im nachgebauten Vulcania-Park ist beeindruckend (Foto: Severine Sand)
Die Erkundung vulkanischer Welten im nachgebauten Vulcania-Park ist beeindruckend (Foto: Severine Sand)

Nicht rauf, sondern mitten rein darf man in die Vulkane der Auvergne. Genauer gesagt in einen ganz bestimmten: den Puy de Lemptégy. Hier wandelt man im Krater eines Schlackenkegels, der vor cirka 30.000 Jahren entstand. Die verschiedenfarbigen Lava- und Ascheschichten dürften nicht nur für Hobbygeologen ein Erlebnis sein. Zu Fuß mit Führung oder mit der Bummelbahn hat man die Steine zum Greifen nah. Seine Tiefe verdankt der Krater dem Abbau von Puzzolanen. 60 Jahre lang wurde das feine Vulkangestein abgetragen, die Maschinen sind begehbar. Kurios dabei die Felsformationen in der Mitte des Vulkans: Weil sie so widerstandsfähig waren, mussten die Arbeiter drumherum graben.
Mit Kindern lohnt sich ein Ausflug in den »Vulcania«-Park. Unter dem 28 Meter hohen, künstlichen Titankegel tut sich ein Freizeit- und Themenpark mit nachgebauten Landschaften und Geysiren auf. Auf mehreren Etagen kann Groß und Klein alles über Vulkanismus erfahren. Achterbahnen sucht man vergeblich, vielmehr geht es mit rotierenden Fahrgeschäften und sich bewegenden Plattformen ins simulierte Innere eines Vulkans und der Erde.
Zwar kann das Limousin nicht mit erloschenen Vulkanen locken, dafür aber mit anderen steinernen Riesen. Im Département Corrèze läuft man nahe der Stadt Brive durch die Schiefersteinbrüche von Travassac. Eine bizarre Landschaft mit sechs bis zu 60 m hohen Quarzitwänden ist zu sehen. Um die Wände herum liegen sieben Schieferadern, die bis heute (nur noch) in kleinem Maße ausgebeutet werden. Interessierte steigen in schmale Schluchten hinab oder blicken von Aussichtskanzeln in die Tiefe. Ein Highlight ist der Gang über eine 50 Meter lange Hängebrücke, die über einen mit Wasser vollgelaufenen Schacht führt.


Aktivität: Wasserwandern in den blauen Adern des Zentralmassivs

Idyllischer geht es nicht. Die familienfreundliche Paddeltour um die Burgruine von Crozant (Foto: Severine Sand)
Idyllischer geht es nicht. Die familienfreundliche Paddeltour um die Burgruine von Crozant (Foto: Severine Sand)

Loire, Allier, Dordogne, Creuse – wie blaue Adern durchziehen zahlreiche Flüsse die grüne Berglandschaft der Auvergne und des Limousin. Und wo Wasser ist, sind Kanuten nicht weit. Beliebt unter ihnen ist etwa der Allier zwischen den Gorges de l’Allier im Département Haute-Loire in der Auvergne. Zwischen den wildromantischen, mediterran anmutenden Schluchten steht nicht nur Kanu fahren hoch im Kurs, sondern auch Rafting. Dabei geht es entlang an grünen, mit schroffen Felsen durchsetzten Landschaften mit bilderbuchhaften kleinen Ortschaften.
Im Limousin zieht im Norden die etwas ruhigere Creuse vor allem Familien an. Hier lässt es sich unter anderem auf der Flussschleife um die Burgruine von Crozant paddeln. Als etwas aufregender, dafür ohne idyllischen Burgblick, erweisen sich Touren auf der Dordogne in der Südcorrèze, etwa von Argentat nach Beaulieu. Die Campingplätze entlang des Flusses verleihen meist Kanus und andere Boote. Wer es traditioneller mag, kann auf einer originalen Gabarre die Dordogne entlangfahren. Touren auf dem alten Holzlastkahn sind in beiden Ortschaften möglich.


Besichtigung: Vier Burgen und Schlösser, die Geschichte(n) schrieben

Eines von vielen Prachtschlösschen ist das Château d’Avrilly in der Nähe der Bourbonenstadt Moulins (Foto: Severine Sand)
Eines von vielen Prachtschlösschen ist das Château d’Avrilly in der Nähe der Bourbonenstadt Moulins (Foto: Severine Sand)

Das Limousin und die Auvergne besitzen eine der höchsten Burgen- und Schlösserdichte Frankreichs. Da mag es kaum verwundern, dass die Wiege des um 950 gegründeten Adelsgeschlechts der Bourbonen hier liegt – aus ihm ging der berühmte Sonnenkönig Louis XIV. hervor. Auch wenn von den ursprünglich 15 Türmen der Festung in Bourbon L’Archambault nahe der Stadt Moulins nur noch drei erhalten sind, strahlt die Ruine über der Kleinstadt noch immer eine gewisse Macht aus.
Idyllischer kommt dagegen das Château d’Avrilly daher; es befindet sich ebenfalls im direkten Umkreis von Moulins. Wie im Bilderbuch spiegelt sich das Prachtschlösschen von Avrilly-Trévol mit seinen Türmchen und hochragenden Kaminen im Wassergraben und in einem Becken dahinter (Zufahrt über die N 7 Richtung Nevers).
Den Bilderbuchcharakter kann nur noch das Château de Montbrun bei Dournazac im Limousin toppen. In einem Teich zeigt sich die Prachtfestung aus dem 12. Jahrhundert und 15. Jahrhundert mit ihren runden Ecktürmen und einem Burgfried mit Zinnen zum zweiten Mal – bietet damit das Postkartenmotiv schlechthin.
Das Schloss reiht sich neben weiteren Burgen und Festungen in die sogenannte Richard-Löwenherz-Straße im Département Haute-Vienne ein. Wie der Name vermuten lässt, herrschte hier der sagenumwobene dritte Sohn Heinrichs II., als diese französische Region der englischen Krone unterstand. Löwenherz selbst fand im Jahr 1199 auf dem Château de Châlus-Chabrol ein jähes Ende; er erlag seinen Verletzungen durch einen Armbrustbolzen.
Alle vier Burgen und Schlösser sind zu besichtigen.


Unterwegs: Die schönsten Dörfer Frankreichs

Eindeutig eines der schönsten Dörfer Frankreichs und gleichzeitig das erste, das diese Auszeichnung erhalten hat – Collonges-la-Rouge im Zentralmassiv (Foto: Severine Sand)
Eindeutig eines der schönsten Dörfer Frankreichs und gleichzeitig das erste, das diese Auszeichnung erhalten hat – Collonges-la-Rouge im Zentralmassiv (Foto: Severine Sand)

Das Zentralmassiv ist nicht gerade für seine (Groß-)Städte bekannt. Denn davon gibt es nur wenige – dafür umso mehr Dörfchen und Weiler. Und zwar überaus charmante. Wie stolz die Limosiner und Auvergnaten auf genau diese kleinen Landflecken sind, bewies der Bürgermeister von Collonges-la-Rouge, Charles Reyrac. Er gründete 1982 das Label »Schönste Dörfer Frankreichs« (Plus beaux villages de France). Dass Collonges – es befindet sich in der Corrèze im Limousin – das erste seiner Art war, versteht sich von selbst, doch liegt nicht nur der Heimatverbundenheit des Bürgermeisters. Jedes einzelne Gebäude ist aus leuchtend rotem Sandstein erbaut, darunter etliche Herrensitze mit schmuckvollen Türmchen und Erkern. Selbst der alte Brotofen in der historischen Markthalle erstrahlt in Rot.
Von einer ganz anderen Seite zeigt sich Montrol-Sénard. Dem ersten Anschein nach gleicht das Dorf in den Monts de Blond in der Haute-Vienne vielen anderen Orten im Limousin. Die typischen Granitsteinhäuser mit romantischen Blumenranken schmiegen sich malerisch an den Hang. Erst auf den zweiten Blick erkennt man: Das Dorf wurde zu einem Heimatmuseum umgewandelt – mit Handwerker-Werkstätten, altem Wirtshaus, Bauernhof oder einem alten Klassenzimmer. Insgesamt 17 Stationen vermitteln den Eindruck vom Leben Anfang des 20. Jahrhunderts.
Doch auch die Auvergne muss sich mit ihren charmanten Ortschaften nicht verstecken. Blesle etwa ist ein wahres Kleinod unter den »Schönsten Dörfern Frankreichs«. Das mag an der idyllischen Tallage am nordwestlichsten Zipfel der Haute-Loire an der Grenze zum Cantal und Puy-de-Dôme liegen. Oder an dem mittelalterlichen Charakter dank der gut erhaltenen Fachwerkhäuser, die noch vom Leder- und Webergewerbe des Mittelalters zeugen, einem Donjon (= Wohn- und Wehrturm) aus dem 13. Jahrhundert und seiner Abteikirche.
Ebenfalls in einem Tal liegt ein weiteres »Schönes Dorf«. Lavaudieu, das »Tal Gottes«, befindet sich im selben Département und bietet eine noch eindrucksvollere Abteikirche. Und dass obwohl der Kirchturm nach der Französischen Revolution geköpft wurde … Die Ortschaft glänzt nicht nur mit ihrem geistlichen Charakter, sondern auch mit charmanten Gässchen, hübschen mittelalterlichen Häuschen aus Arkose und der dreibogigen »Alten Brücke«. Die ganze Pracht spiegelt sich obendrein in einem Flüsschen.


Unesco-Welterbe: Die drei Basaltkuppen von Le Puy-en-Velay

Der 27 Meter hohe Wasserfall neben der UNESCO-Welterbe-Stadt Le Puy-en-Velay (Foto: Severine Sand)
Der 27 Meter hohe Wasserfall neben der UNESCO-Welterbe-Stadt Le Puy-en-Velay (Foto: Severine Sand)

Neben Natur kann die Auvergne mit jeder Menge Kultur aufwarten, vor allem kirchenarchitektonischer. Wahre Schätze der Baukunst sind die zahlreichen Kirchen im Zentralmassiv. Als besonderes Schmuckstück tut sich die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Annonciation in Le Puy-en-Velay auf. Seit Jahrhunderten pilgern Gläubige (die Stadt liegt auf dem Jakobsweg) und Interessierte zu dem Bollwerk auf einem der drei Vulkankegel in der Altstadt. Und das liegt nicht nur an den beiden schwarzen Madonnen im Kircheninnern, sondern auch an der einzigartigen Freitreppe, die vor den Altarraum führt, und an der maurisch anmutenden Westfassade.
Die Unesco hat dem Bauwerk aus dem 11. und 12. Jahrhundert den Stempel des Kulturerbes verpasst. Verdient hätte das wohl auch die 22 Meter hohe Notre-Dame-de-France auf dem höher gelegenen Vulkanschlot unmittelbar daneben. Die rote Skulptur erinnert ein wenig an die Freiheitsstatue in New York. Auch die Chapelle Saint-Michel-d’Aiguilhe am Rande der Altstadt auf der dritten Basaltkuppe könnte prämiert werden. Die drei Erhebungen mit ihren beeindruckenden Bauwerken prägen Le Puy-en-Velay wie kein anderes.
Reist man schon einmal in die Pilgerstadt, sollte man auch die nahe gelegenen Cascade de la Beaume besuchen. Poetisch, fast märchenhaft wirkt dieser Wasserfall. Mitten im Wald stürzt er insgesamt 27 Meter eine steile Felswand hinab, um weiter unten auf treppenartigen, tiefschwarzen Felsen zu zerbersten und dort eine stäubende, in vielen kleinen Rinnsalen herabfließende weiße Gischt zu bilden. Ein toller Kontrast! Zu dem Naturschauspiel gelangt man zwölf Kilometer südlich von Le Puy-en-Velay nach dem kleinen Örtchen Agizoux (knapp 1 km weiter auf der D 54 führt von einem Wanderparkplatz ein Weg zu dem Idyll).


Souvenir: Die feurigen Kreationen der Kunsthandwerker

Witzig und kreativ sind die Werke der Feuerkünstler von Limoges (Foto: Severine Sand)
Witzig und kreativ sind die Werke der Feuerkünstler von Limoges (Foto: Severine Sand)

Apropos Unesco: Dank seiner Feuerkünste hat die Organisation der Stadt Limoges den Titel »Ville créative de l’Unesco« verliehen. Das Erbe der Porzellan-, Email- und Glasmalereikunst lebt fort – wenn auch nicht mehr im großen Stil wie einst bis zur Industrialisierung. Muss es auch nicht, denn Museen, Galerien, Boutiquen und die überlebenden Großhersteller zeigen schöne Stücke und pflegen die Tradition.
Leider hat gerade die Emailkunst und Glasmalerei in den vergangenen Jahren unter der mangelnden Nachfrage gelitten, einige Galerien mussten schließen. Dafür konnten sich andere Künstlerkollektive behaupten, so etwa die Galerie du Canal in der Rue du Canal direkt bei der Kapelle Saint-Aurélien, die herrlich bunte Akzente setzt.
Gefragter ist das Porzellanhandwerk – allein auf dem sogenannten Porzellanboulevard (Boulevard Louis Blanc) reiht sich eine Boutique an die andere, unter anderem namhafter Hersteller wie Bernardaud, Haviland und Royal Limoges. Diese bieten gerade in ihren Fabrikverkäufen am Stadtrand neben Schnäppchen meist auch kleine, kostenlose Ausstellungen.
Weitaus üppiger ist gewiss das Musée national de Porcelaine Adrien Dubouché. Spätestens ein Besuch dieses Hauses wird in jedem eine Leidenschaft für Porzellan entfachen. Die Ausstellung reicht von frühen archäologischen Funden über chinesisches und japanisches Porzellan, Majoliken und Fayencen bis hin zu Art-nouveau- und Art-déco-Objekten sowie zeitgenössischer Keramik. Selbst von außen begeistert das Gebäude von 1900 mit seiner graffitigeschmückten Fassade und extravaganten Porzellankunstwerke im kleinen Park davor.


Kulinarik: Deftig, deftiger, auvergnatische und limosiner Küche

Im Deutschen klingt es banal – Stopfleberpastete. Im Limousin wird es sogar in karamelisierter Variante auf die Teller gezaubert (Foto: Severine Sand)
Im Deutschen klingt es banal – Stopfleberpastete. Im Limousin wird es sogar in karamelisierter Variante auf die Teller gezaubert (Foto: Severine Sand)

Zugegeben, hungrige Vegetarier und Veganer haben im Limousin und in der Auvergne eher das Nachsehen. Köche tischen am liebsten Fleisch auf. Wer mag es ihnen bei der hohen Kuh- und Rinderdichte verübeln? Allein das Limousin zählt doppelt so viele Tiere wie Bewohner. Dafür erweisen sich Spezialitäten vom Limousin- und Salers-Rind (Letzteres vor allem in der Südauvergne) als saftige Gaumenkitzler. Nur noch feiner ist das würzige Fleisch »Fin gras du Mézenc« einer Rinderrasse des Mézenc-Massivs im Osten der Auvergne.
Limosiner Köche warten zudem mit feinster Stopfleberpastete (Foie Gras) auf und zaubern gerne mal eine karamellisierte oder Kastanienvariante auf den Teller. So ziemlich jedes Restaurant – von der einfachen Dorfspelunke bis zum hochklassigen Sternerestaurant – sollte sowohl eine Fleischkreation vom Limousin-Rind als auch eine Stopfleberpastete auf der Karte stehen haben.
Gerade in der Hauptstadt Limoges reiht sich für jeden Geldbeutel ein Fresstempel an den anderen, etwa in der berühmten Metzgergasse (Rue de la Boucherie) oder am Place de la Motte um die schöne Markthalle im Jugendstil herum. Wir empfehlen das neckische Bistro La Femme à Barbe (11, rue Lancelot). Obwohl es nur Burger auf der Tafel listet, kommen dafür auch Veganer und Vegetarier auf ihre Kosten. Und satt sollte bei den Riesenburgern jeder hungrige Magen werden.
Neben Fleisch steht auch Käse hoch im Kurs, vor allem in der Auvergne. Mit fünf Sorten darf sich die Region rühmen, zwei seien dabei besonders hervorgehoben: Cantal und Salers. Denn beide lassen sich nicht nur lecker mit Baguette kredenzen, sondern auch in Form von Aligot oder einer Truffade. Erstere ist ein mit Käse und Knoblauch vermengter Kartoffelbrei, der sich wie Spaghetti essen lässt, und Zweitere ein deftiger Kartoffelauflauf, bei dem die Käsefäden an der Gabel deutlich sichtbar sein müssen. Am urtümlichsten ist der Genuss in einem traditionellen Buron (= Sennhütte), beispielsweise bei dem Örtchen Salers im Cantal im Burons de Salers direkt an einem Berghang (www.buronsdesalers.fr).


Geschichte: Zeitzeugen des Zentralmassivs

Die Ruinen nach dem Wehrmachtsmassaker in Oradour-sur-Glane wurden bewusst nicht wiederaufgebaut (Foto: Severine Sand)
Die Ruinen nach dem Wehrmachtsmassaker in Oradour-sur-Glane wurden bewusst nicht wiederaufgebaut (Foto: Severine Sand)

Eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte wurde ausgerechnet im Limousin geschrieben: in Oradour-sur-Glane. In dem kleinen Ort nahe Limoges ereignete sich das wohl schlimmste Massaker der deutschen Wehrmacht in Westeuropa. Am 10. Juni 1944 ermordete ein NS-Panzerregiment 642 Einwohner, darunter 207 Kinder und 254 Frauen. Anschließend brannten die etwa 200 deutschen Soldaten das gesamte Dorf nieder. Nur sechs Menschen konnten diesem Massaker entkommen. Die Ruinen von Oradour-sur-Glane sind seitdem unangetastet geblieben und dienen heute als Mahnmal. Direkt daneben wurde ein neues, recht schmuckloses Oradour errichtet.
Jährlich spazieren mehr als 300.000 Menschen, darunter viele Familien und Schulklassen, durch die Stätte des Kriegsverbrechens, vorbei an ausgebrannten Autos und Geschäften, oder besuchen das angegliederte informative Museum »Centre de la Mémoire«.


Naturschönheiten: Die Teufelswiege und ein Grand Canyon im Miniaturformat

Um die Steinansammlung der Pierres de Jaumâtre ranken sich manche Mythen (Foto: Severine Sand)
Um die Steinansammlung der Pierres de Jaumâtre ranken sich manche Mythen (Foto: Severine Sand)

Die Natur steckt voller wundersamer Begebenheiten. Kein Wunder, dass die Menschen gerade für die faszinierenden Landschaften des Limousin und der Auvergne ganz eigene Erklärungen zu deren Entstehung ersonnen haben.
Allein um die Steinansammlung der Pierres de Jaumâtre im Limousin ranken sich so manche Mythen. Auf dem Gipfel des Mont Barlot verteilen sich rund vierzig Felsen in allen möglichen und unmöglichen Formen und Größen und mit lustigen Namen wie Zuckerbrot oder Butterkugel. Die ungewöhnlichsten Formationen sind der 14 m lange Stein Hesus, benannt nach dem gälischen Kriegsgott, sowie der größte Felsen und beliebtes Fotomotiv, die sogenannte Teufelswiege (Berceau du Diable). Bis ins 19. Jahrhundert glaubte man, Druiden hätten die Steine als Opferaltäre genutzt, um ihre Rituale und Kulte zu zelebrieren und ihre Muttergottheiten anzubeten. Das klingt zumindest besser als die wahre Entstehungsgeschichte, nach der die Granitblöcke Überbleibsel eines vorgeschichtlichen Erdbebens oder Vulkanausbruchs sind.
Mindestens genauso wundersam, wenn nicht sogar noch wundersamer ist das Tal der Heiligen (Vallée des Saints) bei dem kleinen Winzerdorf Boudes in der Haute-Loire der Auvergne. Es gilt als Grand Canyon in Miniaturformat. Wer die hoch aufragenden, bizarren Felsformationen aus rotem Sandstein gesehen hat, weiß warum. Das durch Abtragung und verwitterung entstandene Areal ist durch einen Wanderweg gut erschlossen. Besonders zum Sonnenuntergang empfiehlt sich eine Tour, wenn die Felsen in noch wärmeren Rot leuchten. Hier sollen unter anderem Feen die Gegend bezaubert haben – daher rührt auch der Name einer Felsformation: Feenschornsteine (Cheminées des Fées).

Passend dazu