Wussten Sie, dass ...?

Teil 35: Migranten erwünscht!

oder Eine Aufzuchtstation für Meeresschildkröten


Im Atlantik rund um die Kanarischen Inseln leben vier Arten von insgesamt nur sieben auf der Welt existierenden Meeresschildkröten. Dazu gehören die Echte Karettschildkröte und die Lederschildkröte, die größte ihrer Art, die in den Weltmeeren umherpaddelt. Das Umweltzentrum in Morro Jable hat sich zur Aufgabe gemacht, die Tiere, die mehr als 100 Jahre alt werden können, auf Fuerteventura wieder heimisch zu machen.


4000 artgerecht »verbuddelte« Eier

Eine 70 Kilogramm schwere Unechte Karattschildkröte in einem der Wasserbecken in Morro Jable (Foto: Thilo Scheu)
Eine 70 Kilogramm schwere Unechte Karattschildkröte in einem der Wasserbecken in Morro Jable (Foto: Thilo Scheu)

In zwei der Wasserbecken werden etwa neun Jahre alte, weibliche, rund 70 kg schwere Unechte Karettschildkröten aufgezogen und wissenschaftlich erforscht. Um die stark gefährdeten Schildkröten auf der Vulkaninsel erneut anzusiedeln, vergrub man 2006 erstmals hunderte von den Kapverden stammende Eier am Strand von Cofete. Von 2006 bis 2010 wurden so etwa 4000 Eier an der Westküste artgerecht »verbuddelt«.
Die geschlüpften Winzlinge werden bis heute in die Station in Morro Jable gebracht, damit sie dort ihre erste Lebenszeit sicher verbringen können. Später werden sie, individuell markiert, in die Freiheit entlassen – in der Hoffnung, dass die nach rund acht bis 15 Jahren geschlechtsreifen Tiere an ihren Geburtsstrand zurückkehren, um Eier abzulegen.


Die Mithilfe von Touristen und Einheimischen

2016 war es tatsächlich soweit: Die Forscher und Mitarbeiter der Aufzuchtstation entdeckten die ersten Schildkröten, die 2006 in Cofete geschlüpft waren. Seither legen die Rückkehrerinnen jeweils bis zu 100 Eier in ein 60 bis 70 cm tiefes Loch am Strand, bedecken ihre Brut sorgfältig mit Sand und verschwinden wieder in der Weite des Meeres.
Da die wenigen Mitarbeiter der Forschungsstation nicht immer am Strand sein können, um ankommende, Eier legende oder gar frisch geschlüpfte Tiere zu registrieren und zu untersuchen, sind sie auf die Mithilfe von Touristen und Einheimischen angewiesen. Auf Plakaten wird genau erläutert, was man tun bzw. lassen sollte, wenn man auf eine Meeresschildkröte oder ihre Abdrücke im Sand trifft. So wird empfohlen, die Aufzuchtstation oder die lokalen Behörden zu benachrichtigen, gegebenenfalls wählt man die 112. Auf keinen Fall sollte man ein Tier anfassen, sich ihm in den Weg stellen oder es mit Blitzlicht fotografieren. Am besten bewahrt man einen Abstand von fünf Metern, bleibt hinter dem Tier und folgt ihm langsam.
In der Aufzuchtstation im Hafen (Mo-Fr 10-13 Uhr, Eintritt frei) erfährt man außerdem auf vielen Infotafeln Wissenswertes über das Projekt und die schützenswerten Meeresschildkröten.

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