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Teil 31: Oscar Wilde

oder Die Liebe in Zeiten des Viktorianismus


»Nur eins ist schlimmer, als in aller Munde zu sein: nicht in aller Munde zu sein« (»There is only one thing in the world worse than being talked about, and that is not being talked about«), lässt der junge Oscar Wilde den dandyhaften Lord Henry in »Das Bildnis des Dorian Gray« (1891) anmerken. Dass das eine aber zum anderen führen, nämlich ein zu sehr strahlender Held ganz schnell zur geächteten Unperson werden kann, sollte sich an Wildes eigener Lebensgeschichte zeigen.
Oscar Fingal O’Flaherty Wilde wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin als Sohn eines wohlhabenden Augen- und Ohrenchirurgen und einer Übersetzerin und Lyrikerin geboren. Seine glänzende Karriere (Studium am Trinity College, Stipendium in Oxford), sein Ruhm als Autor gesellschaftskritischer Komödien, sein wortgewandtes Auftreten, sein modisches Outfit und ein steter Hauch von Skandal machten Oscar Wilde zu einem beliebten Gast auf den Partys und Empfängen der feinen Gesellschaft.


Der alte Zorn über den jungen Lebenswandel

In der Pose des Dandys – der Schriftsteller und Genussmensch Oscar Wilde (Foto: Ralph-Raymond Braun)
In der Pose des Dandys – der Schriftsteller und Genussmensch Oscar Wilde (Foto: Ralph-Raymond Braun)

Seine sexuellen Vorlieben wurden dem Enfant terrible schließlich zum Verhängnis. Bald nach der Heirat mit Constance Lloyd (1884) ging der Vater von zwei Kindern auch homosexuelle Partnerschaften ein, darunter langjährige Verhältnisse mit seinem Lektor Robert Ross und mit dem jungen Lord Alfred Douglas, Sohn des Marquis von Queensberry. Der Zorn des alten Queensberry über den Lebenswandel seines Sprösslings richtete sich bald auch gegen Wilde, den er als Verführer sah und öffentlich bloßstellte.
Wilde wehrte sich mit einer Verleumdungsklage gegen Queensberry – und verlor den Prozess. Der Marquis und sein Anwalt Edward Carson, Studienkollege von Wilde und späterer Premierminister von Nordirland, konnten Wildes homosexuelle Beziehungen beweisen. Der Dichter wurde in einem folgenden Strafverfahren zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Arbeit verurteilt.


Armut und Isolation

Über der Haft zerbrach Oscar Wilde körperlich wie seelisch. Seine vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Mitteleuropa geflohene Frau war inzwischen verstorben, das Verhältnis mit Alfred Douglas gescheitert. Wilde begab sich unter falschem Namen nach Paris, wo er am 30. November 1900 in Armut und Isolation starb – auf dem Totenbett konvertierte er noch zum Katholizismus. »Nichts macht so alt wie das Glück« (»Nothing ages like happiness«), heißt es bei Wilde. Er wurde nur 46 Jahre alt.

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