Abseits der Routen

Teil 5: Sri Lanka

oder Eine Reise ans Ende der Welt

Einer der Gründe, weshalb unsere Autorinnen und Autoren ihre Bücher schreiben, sind diese Trips ins Unbekannte, Routen abseits der Trampelpfade. Diesmal hat sich Andreas Haller, der unseren Sri-Lanka-Reiseführer verfasst hat, auf den Weg gemacht, um Panama anzusteuern. Panama in Mittelamerika? Nein, so nennt sich auch ein entfernt gelegener Ort auf dem Inselstaat im Indischen Ozean. Die Reisegefährten: ein Scooter und Krokodile.

Panama ist ein Staat in Mittelamerika, bekannt durch den berühmten Kanal, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet. Panama, gesprochen mit langem, gedehntem »a« auf der ersten Silbe, nennt sich auch ein Dorf im tiefen Südosten Sri Lankas. Dort, wo die Welt zu Ende ist, scheinbar zu Ende! Ein oder zwei Busse fahren täglich von Arugam Bay, dem Mekka der internationalen Surferszene, nach Panama.
Wegen der idyllischen Reisfelder und der markanten Felsformationen, die ich fotografieren wollte, lieh ich mir für die 20 Kilometer lange Strecke von meinem Herbergsvater in Arugam Bay einen Scooter.


Der Trip mit dem Scooter

Das angenehme Ende der Welt im Licht der Abendsonne (Foto: Andreas Haller)
Das angenehme Ende der Welt im Licht der Abendsonne (Foto: Andreas Haller)

Einige Traveller hatten mir zu dem Abstecher geraten. Sie hätten ihn auch gerne unternommen. Hätten, wohlgemerkt, wenn das Surfen nicht wichtiger gewesen wäre. Doch zurück zur Reise, die mich buchstäblich ans Ende der Welt führte. Denn hinter Panama beginnt das Reich der Nationalparks, die allenfalls mit Jeeps durchquert werden können. Mein Herbergsvater gab mir die Adresse seines Bekannten in Panama. Bei Fragen oder Problemen würde der mir weiterhelfen. Beim Abschied wünschte er mir Hals- und Beinbruch.
Was man ehrlicherweise sagen muss: Auch in Sri Lanka ist die Zeit der Abenteuer und Entdeckungen unwiderruflich vorbei. Wer sich jedoch auf Neues einlässt und die ausgetretenen Pfade verlässt, kann trotzdem sehr viel erleben. Die Fahrt mit dem Scooter durch die tropische Landschaft war ein purer Genuss. Immer wieder hielt ich an, beobachtete seltene Vögel und sah Krokodile durch seichte Tümpel schwimmen – mehr oder weniger direkt an der Fahrpiste! Und dabei hatte ich die Grenze zu den Nationalparks noch nicht einmal überschritten.


Ein letzter Vorposten der Zivilisation

Eine Begegnung mit wilden Elefanten ist in Sri Lanka möglich (Foto: Andreas Haller)
Eine Begegnung mit wilden Elefanten ist in Sri Lanka möglich (Foto: Andreas Haller)

Panama entpuppte sich schließlich als ein schlichtes Dorf, einen Kilometer vom Meer entfernt. Der Bekannte meines Herbergsvaters zeigte mir die Stelle, an der vor zwei Jahren ein Ausländer von einem wilden Elefanten angegriffen und getötet wurde. Über dieses Ereignis hatten sogar einige deutschsprachige Zeitungen berichtet. Dass alljährlich in Sri Lanka durch Zusammenstöße zwischen Menschen und Dickhäutern 50 Einheimische und dreimal so viele Elefanten ums Leben kommen, findet sich eher selten in den Medien.
Die Weiterfahrt durch die menschenleere Weite südlich von Panama, dem letzten Vorposten der Zivilisation, versetzte mich zunehmend in einen Rausch. Die Straße verwandelte sich in eine staubige, mäandernde Piste. Die zunehmend tief stehende Sonne tauchte das zauberhafte Land in ein magisches Licht. Es fiel mir schwer, umzukehren.
Als ich bei nachtschwarzer Dunkelheit wieder in Arugam Bay eintraf, fühlte ich mich wie ein Heimkehrer von einer Reise zu einem neuen Kontinent. Obwohl es mir viel länger vorkam, war nur ein einziger Tag vergangen …

Passend dazu