Abseits der Routen

Teil 34: Provence & Côte d’Azur

oder Ein Weingut als Gesamtkunstwerk

Selbst die Zeitschrift »Newsweek« hat das Weingut Château La Coste schon ausgezeichnet: als einen von 100 Orten, die man auf der Welt besucht haben sollte! Ralf Nestmeyer, Autor unseres Reiseführers zu Provence & Côte d’Azur, hat sich zwischen Reben und Kunstwerken umgesehen. Bereits der Einstieg ist außergewöhnlich. Man fährt in eine noble Tiefgarage und schwebt mit einem Fahrstuhl auf das Gelände. Da wird der biozertifizierte Wein fast zur Nebensache …  

Wer das eine halbe Autostunde nördlich von Aix-en-Provence gelegene Weingut besucht, merkt schon bei der Ankunft, dass es sich beim Château La Coste um kein gewöhnliches Weingut handelt. Alle Fahrzeuge werden in eine Tiefgarage geleitet, die so nobel ist, wie man sie in Frankreich nur selten findet.Wer anschließend mit dem Aufzug nach oben fährt, reibt sich staunend die Augen. Das Herz des Anwesens bildet ein 1682 im palladianischen Stil erbautes Landhaus mit seinen historischen Nebengebäuden. Die Zeitschrift »Newsweek« zählt das Weingut zu den 100 Destinationen, die man auf der Welt besucht haben sollte – überraschenderweise ist es aber in Deutschland kaum bekannt.  

Mit klaren und kühnen Strichen gezeichnet, zeigt auch das Restaurant Vania, dass hier Architektur, Kunst und Kulinarik zusammenfinden_Copyright Ralf Nestmeyer
Mit klaren und kühnen Strichen gezeichnet, zeigt auch das Restaurant Vania, dass hier Architektur, Kunst und Kulinarik zusammenfinden (Foto: Ralf Nestmeyer)

Selbst Ai Weiwei gestaltete das Weingut mit

Eingebettet in die provenzalische Landschaft, präsentiert sich das Château La Coste als Gesamtkunstwerk. Das 200 Hektar große Anwesen gehört dem irischen Geschäftsmann und Kunstliebhaber Paddy McKillen, der mit international bedeutenden Stararchitekten und Designern befreundet ist. So verwundert es nicht, dass der futuristisch anmutende Weinkeller von Jean Nouvel geplant wurde, Renzo Piano ein Gebäude für Workshops zwischen die Reben gesetzt hat, der Musikpavillon von Frank O. Gehry stammt, Tadao Ando das moderne Kunstzentrum entwarf und Richard Rogers einen Ausstellungspavillon kreiert hat.

Künstlerisch beeindruckend und wie aus einem stilvollen Fantasyfilm - die Metallspinne von Louise Bourgeois_Copyright Ralf Nestmeyer
Künstlerisch beeindruckend und wie aus einem stilvollen Fantasyfilm – die Metallspinne von Louise Bourgeois (Foto: Ralf Nestmeyer)

Wer sich mit einem Lageplan das Areal erschließt oder an einer Führung teilnimmt, entdeckt zwischen den Weinstöcken nicht nur faszinierende Gebäude, sondern auch zahlreiche Skulpturen und Kunstinstallationen. Beispielsweise die große Metallspinne von Louise Bourgeois oder das Kunstwerk »Small Crinkly« von Alexander Calder. Tom Shannon steuerte mit »Drop« (»Tropfen«) eine bewegliche Skulptur bei, die mitten in den Weinbergen glänzt. Atemberaubend ist auch die 500 Tonnen-Skulptur von Sean Scully mit dem Namen »Wall of Light Cubed«.Sogar Ai Weiwei hat einen »Ruyi Path« entworfen. Der chinesische Künstler schuf dieses Werk – eine Mischung aus Landschaftsgestaltung und Skulptur – aus Pflastersteinen, die aus dem kürzlich neu gestalteten Hafen von Marseille geborgen wurden. Dabei handelt es sich um einen Weg aus recycelten Steinen, die aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen wurden. Sie regen zum Nachdenken darüber an, »wohin wir unsere Füße setzen«, wenn wir gehen.

Wie ein experimentelles Notenblatt gestaltet, zieht der Musikpavillon von Frank O. Gehry die Blicke auf sich_Copyright Ralf Nestmeyer
Wie ein experimentelles Notenblatt gestaltet, zieht der Musikpavillon von Frank O. Gehry die Blicke auf sich (Foto: Ralf Nestmeyer)

Bio-Weine und eine Boutique für Verkostungen

Neben der Kunst sollte der Wein nicht vergessen werden: Seit 2009 sind die zur AOP Côteaux d’Aix-en-Provence zählenden Weine von Château La Coste bio-zertifiziert. Der Großteil wird als Rosé ausgebaut, rund ein Drittel als Rotwein und nur zehn Prozent als Weißwein.Die Weine können in einer angegliederten Boutique verkostet und erworben werden. Lohnend ist es, an einem der zweieinhalbstündigen Weinseminare teilzunehmen. Mehrere exquisite Restaurants verwöhnen die Besucher kulinarisch, so auf der sommerlichen Terrasse provençale, im italienischen Restaurant Vanina oder im argentinischen Restaurant von Francis Mallmann. Und wer will, kann im zugehörigen Hotel, der Villa La Coste, sehr stilvoll übernachten.

Das Windspiel auf dem Wasser stammt von Alexander Calder_Copyright Ralf Nestmeyer
Das Windspiel auf dem Wasser stammt von Alexander Calder (Foto: Ralf Nestmeyer)

Reisepraktische Hinweise

Tägl. 10-19 Uhr, im Winter bis 17 Uhr. Eintritt 15 €, erm. 12 €. 2750, route de la Cride, Le Puy Sainte-Réparte. www.chateau-la-coste.com.

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