Ponte 25 de Abril
60 Jahre Brückenbaukunst über dem Tejo
Ein Meisterwerk der Ingenieurskunst und eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons: Seit 60 Jahren verbindet die Ponte 25 de Abril die portugiesische Hauptstadt mit dem Südufer des Tejo. Die spektakuläre Hängebrücke erinnert nicht nur an die Golden Gate Bridge in San Francisco, sondern erzählt auch ein Stück portugiesischer Geschichte. Wer schwindelfrei ist, kann das gewaltige Bauwerk sogar aus nächster Nähe erleben. Mehr über die Stadt am Tejo verrät Johannes Beck in seinem Lissabon-Reiseführer, der kürzlich in der 14. aktualisierten Auflage erschienen ist.
Eine Brücke feiert Geburtstag
Am 6. August 2026 feierte die Ponte 25 de Abril ihren 60. Geburtstag. Seit ihrer Einweihung im Jahr 1966 überspannt die imposante Stahlkonstruktion den Tejo zwischen Lissabons Stadtteil Alcântara und der gegenüberliegenden Stadt Almada. Wer sich von Süden der portugiesischen Hauptstadt nähert, erlebt eine eindrucksvolle Einfahrt: Rund 70 Meter über dem Fluss scheint die Fahrbahn förmlich auf Lissabon zuzuschweben.
Mit einer Länge von rund 2,3 Kilometern gehört die Brücke zu den eindrucksvollsten Bauwerken Portugals. Ihre markanten roten Stahlpfeiler und die mächtigen Tragseile prägen seit sechs Jahrzehnten die Silhouette der Stadt.
72.600 Tonnen Stahl und vier Jahre Bauzeit
Der Bau der Brücke war eine technische Meisterleistung. Nach nur vierjähriger Bauzeit wurde sie 1966 eingeweiht. Zeitweise waren bis zu 3000 Arbeiter täglich auf der Großbaustelle beschäftigt. Insgesamt wurden 72.600 Tonnen Stahl verbaut – eine gewaltige Menge, die das Ausmaß des Projekts erahnen lässt.
Die Ähnlichkeit mit der berühmten Golden Gate Bridge in San Francisco ist unverkennbar und keineswegs zufällig. An der Errichtung war die amerikanische American Bridge Company beteiligt, der Stahl kam aus den USA. Mit ihren rot gestrichenen Türmen und weit geschwungenen Tragseilen erinnert die Lissabonner Brücke bis heute an ihr kalifornisches Vorbild.
Ursprünglich trug das Bauwerk den Namen Ponte Salazar, benannt nach dem damaligen portugiesischen Diktator António de Oliveira Salazar. Nach der Nelkenrevolution vom 25. April 1974, die das Ende der jahrzehntelangen Diktatur einleitete, wurde die Brücke umbenannt. Seitdem erinnert ihr Name an den Tag, der für Portugal Freiheit und Demokratie symbolisiert.
Erst Autos, dann Züge
Schon bei der Planung war vorgesehen, unter der Autofahrbahn eine Eisenbahnverbindung einzurichten. Doch es sollte mehr als drei Jahrzehnte dauern, bis dieses Vorhaben Wirklichkeit wurde. Erst 1999 nahm die Bahnlinie auf der unteren Ebene ihren Betrieb auf.
Seither rollen Autos und Züge auf zwei Ebenen über den Tejo. Besonders charakteristisch ist das tiefe, metallische Dröhnen, das der Verkehr auf der Brücke erzeugt. Die Gitterkonstruktion der Fahrbahn verstärkt die Geräusche und verleiht dem Bauwerk eine unverwechselbare akustische Präsenz.
Experiência Pilar 7: Der Brücke ganz nah
Wie gewaltig die Konstruktion tatsächlich ist, lässt sich am besten bei einem Besuch der Experiência Pilar 7 erleben. Das Besucherzentrum am siebten Brückenpfeiler in Alcântara wurde 2017 eröffnet und erlaubt ungewöhnliche Einblicke in die Technik und Geschichte der Hängebrücke.
Eine Ausstellung dokumentiert die Entstehung des Bauwerks. Im Inneren der massiven Konstruktion erfahren Besucherinnen und Besucher, wie die gewaltigen Tragseile verankert sind und welche Kräfte die Brücke zusammenhalten.
Der Höhepunkt liegt in luftiger Höhe: Ein ehemaliger Wartungsaufzug bringt die Gäste zu einer Aussichtsplattform auf rund 72 Metern Höhe, unmittelbar neben der Fahrbahn. Von hier bietet sich ein außergewöhnlicher Blick auf den Tejo und die Dächer Lissabons. Besonders Mutige wagen sich auf die Glasfläche der Plattform. Wer nach unten schaut, hat das Gefühl, frei über dem Boden zu schweben.
Hinweis: Der Aufzug zur Aussichtsplattform ist laut Tourismusinformation derzeit wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb. Vor einem Besuch sollte geprüft werden, ob die Plattform wieder zugänglich ist. (Stand: Oktober 2026)
Vom Verkehrsbauwerk zur Laufstrecke
Einmal im Jahr gehört die Brücke nicht allein den Autos und Zügen, sondern auch Tausenden Laufbegeisterten. Seit 1991 ist sie Schauplatz des Lissabon-Halbmarathons. Für die Teilnehmenden bietet sich dabei eine seltene Gelegenheit: Sie dürfen die sonst für Fußgänger gesperrte Brücke zu Fuß überqueren – mit einem beeindruckenden Panorama auf die Stadt und den Tejo.
Auch rund um die Brücke lohnt sich ein Streifzug. Der ehemalige Hafen- und Industriebezirk Alcântara hat sich zu einem lebendigen Stadtteil mit Restaurants, Bars und Kulturangeboten entwickelt. Besonders abends entfaltet die Gegend ihren Reiz, wenn die beleuchtete Brücke über dem Tejo aufragt.
Besucherinformationen: Experiência Pilar 7
Adresse: Avenida da Índia, Pilar 7 da Ponte 25 de Abril, 1349-028 Lissabon
Telefon: +351 211 117 880
Öffnungszeiten: Täglich 10–18 Uhr, letzter Einlass um 17 Uhr. Geschlossen am 25. Dezember.
Eintritt: Kostenpflichtig, mit der Lisboa Card kostenlos. Aktuelle Preise und Tickets bei Visit Lisboa.
Anfahrt: Straßenbahnlinie 15 bis Rua da Junqueira, Buslinien 714, 727, 732 und 751 oder Zug auf der Strecke Lissabon–Cascais bis Alcântara. Parkmöglichkeiten am Kongresszentrum.
Gut zu wissen: Die Brücke ist für den regulären Fußgängerverkehr gesperrt. Bei der Fahrt mit dem Auto von Almada nach Lissabon wird Maut erhoben. In die andere Richtung ist die Fahrt dagegen frei.
