Rei­se­re­por­ta­ge

Die Del­phi­ne von Lis­sa­bon
oder Sur­fen mit in­tel­li­gen­ten Mee­res­säu­gern

Lang­sam aber si­cher geht auch in Por­tu­gal der Win­ter vor­bei. Mit dem Be­ginn des Früh­lings­wet­ters wer­den Aus­flü­ge aufs Meer wie­der at­trak­ti­ver. Des­halb hat Jo­han­nes Beck, Autor der mehr­fach aus­ge­zeich­ne­ten Rei­se­hand­bü­cher »Lis­sa­bon & Um­ge­bung« und »Lis­sa­bon MM-City«, die Del­phin­aus­fahr­ten mit der in Se­tú­bal an­säs­si­gen Firma »Ver­ti­gem Azul« aus­pro­biert.


Portrait Johannes BeckDass man auf den Azo­ren oder den Ka­na­ren gut Del­phi­ne be­ob­ach­ten kann, hat sich in­zwi­schen her­um­ge­spro­chen. We­ni­ger be­kannt ist aber, dass es im Fluss­del­ta des Sado süd­lich von Lis­sa­bon gute Chan­cen gibt, die Mee­res­säu­ger zu sehen. Jeden Ein­zel­nen der etwa 30 im Fluss­del­ta des Sado hei­mi­schen Del­phi­ne ken­nen Maria João Fon­se­ca und Pedro Narra, die bei­den In­ha­ber des Öko­tou­ris­mus­un­ter­neh­mens »Ver­ti­gem Azul«, beim Namen; un­ter­schei­den kön­nen sie die in­tel­li­gen­ten Tiere an­hand ihrer Rü­cken­flos­se.
Die Sado-Del­phi­ne ge­hö­ren zu den we­ni­gen orts­fes­ten, in Fluss­mün­dun­gen le­ben­den Po­pu­la­tio­nen Eu­ro­pas. Diese Tat­sa­che er­mög­licht es den bei­den Del­phin­be­ob­ach­tern, die Tiere be­son­ders genau zu stu­die­ren. Seit 1998 fährt »Ver­ti­gem Azul« nun schon zu den Del­phi­nen. Und ne­ben­bei be­merkt, mit gro­ßem Er­folg: Seit­her haben sich die Mee­res­äu­ger zum Wahr­zei­chen Se­tú­bals ent­wi­ckelt.
Doch trotz ihres hohen Be­kannt­heits­gra­des muss noch viel getan wer­den, um die »Gro­ßen Tümm­ler« bes­ser zu schüt­zen: Ein Groß­teil der Ab­wäs­ser der Stadt und der um­lie­gen­den In­dus­trie­an­la­gen fließt wei­ter­hin un­ge­klärt in den Sado. Diese Ver­schmut­zung ver­ur­sacht bei den Mee­res­säu­gern Haut­krank­hei­ten und schwächt das Im­mun­sys­tem. Be­son­ders im Som­mer sor­gen zahl­rei­che, schlecht über­wach­te Jets­kis und Mo­tor­boo­te für einen hohen Ge­räusch­pe­gel und stö­ren die Ori­en­tie­rung der Tiere.

Wäh­rend der etwa drei­stün­di­gen Tour mit »Ver­ti­gem Azul« nä­hern sich die Tiere oft bis auf we­ni­ge Meter dem Gum­mi­boot. Gerne nut­zen sie dabei des­sen Heck­wel­le, um darin zu »sur­fen« – ein herr­li­cher An­blick, für den sich der Aus­flug­schon lohnt. Immer dann, wenn die Del­phi­ne ihrer de­fi­ni­ti­ven Lieb­lings­spei­se, den Tin­ten­fi­schen, hin­ter­her­ja­gen, sprin­gen sie aus dem Was­ser, um die Beute mit Schlä­gen auf die Ober­flä­che zu be­täu­ben. Wer Glück hat, ent­deckt auf der Fahrt sogar »Boca Aber­ta« (»Of­fe­ner Mund«) – einen Del­phin mit einem schwach aus­ge­präg­ten Kie­fer­mus­kel, der sei­nen Mund nicht mehr schlie­ßen kann. Oder »Asa« (»Flü­gel«), der be­reits ein­mal im Schlamm ge­stran­det war und per He­li­ko­pter ge­ret­tet wer­den muss­te.
Hin und wie­der ver­las­sen die Mee­res­säu­ger das Sado-Delta und schwim­men in Rich­tung Por­tin­ho da Ar­rá­bi­da und Tróia. Hier tref­fen sie oft auf an­de­re, wan­dern­de Grup­pen ihrer spe­zi­el­len Del­phin-Art (wiss. Tur­si­ops trun­ca­tos, port. Roaz, engl. Bott­leno­se Dol­phin). Die Boots­fahr­ten von »Ver­ti­gem Azul« füh­ren üb­ri­gens in jedem Fall an die­sen schö­nen Teil der Küste von Se­tú­bal. Im Som­mer be­steht wäh­rend der Fahr­ten auch Bade- und Schnor­chel­mög­lich­keit am Strand, al­ler­dings nicht mit den Del­phi­nen (was nur für die Se­rio­si­tät des Un­ter­neh­mens spricht).
Was gibt es noch zu sagen: Ei­gent­lich nur, dass man stünd­lich von Lis­sa­bon ent­we­der per Bus ab der Praça de Espan­ha oder der Gare do Ori­en­te be­zie­hungs­wei­se mit dem Zug ab Ent­re­cam­pos nach Se­tú­bal ge­langt. Denn ent­ge­hen las­sen soll­te man sich die­sen net­ten Aus­flug auf kei­nen Fall!Adres­sen:Ver­ti­gem Azul, Edifício Ma­ri­na Deck
Rua Praia da Saúde
13 – Loja 11
Tel. 265238000
www.ver­ti­ge­ma­zul.com

In der Regel im Som­mer zwei täg­li­che Aus­fahr­ten um 9.30 und 14.30 Uhr, im Win­ter meist am Wo­che­nen­de, wenn es das Wet­ter zu­lässt. Vor­he­ri­ge Re­ser­vie­rung drin­gend emp­foh­len, da oft aus­ge­bucht. Es be­steht keine Ga­ran­tie, die Del­phi­ne zu sehen, aber mehr als 90 % der Fahr­ten sind er­folg­reich. Preis pro Aus­fahrt 30 €, Kin­der bis 12 J. 50 % Er­mä­ßi­gung. TAP-Pas­sa­gie­re er­hal­ten bei Vor­la­ge der Bord­kar­te einen Ra­batt.