Top Ten

Teil 9: Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en

oder Eine Wein­ge­gend und viel, viel mehr

Portrait Eberhard FohrerWo sieht man schon eine Tropf­stein­höh­le, in die an­geb­lich der ge­sam­te Pe­ters­dom hin­ein­passt? Wo steht ein schwa­nen­wei­ßes Schloss, dass der Er­bau­er und spä­te­re Kai­ser von Me­xi­ko nie ge­nie­ßen konn­te? Und in wel­cher ita­lie­ni­schen Ge­gend exis­tiert seit 1985 ein Welt­wein­gar­ten mit 600 Rebs­or­ten, aus denen all­jähr­lich ein »Frie­dens­wein« für Dik­ta­to­ren und an­de­re Staa­ten­len­ker ge­won­nen wird? In einem der Lieb­lings­ge­bie­te von Eber­hard Foh­rer: in Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en. Dabei hat es die­ser Land­strich dem Rei­se­jour­na­lis­ten so an­ge­tan, dass es elf »Top Ten«-Ziele wur­den – es ging nicht an­ders.


Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en – Eber­hard Foh­rers Top Ten

Baden: Grado, Ba­de­ur­laub mit Tra­di­ti­on

Zum Baden ins Fri­aul – da gibt’s vor allem ein Ziel: Grado. Das eins­ti­ge Fi­scher­dorf liegt weit drau­ßen in einer aus­ge­dehn­ten La­gu­ne und ist über einen ki­lo­me­ter­lan­gen Au­to­damm zu er­rei­chen. Be­reits zur k.u.k.-Zeit ge­noss es einen her­vor­ra­gen­den Ruf als Ther­mal­kur­ort, der Adel und das ver­mö­gen­de Bür­ger­tum aus der Habs­bur­ger Mon­ar­chie kamen zu­hauf zur Som­mer­fri­sche.
Seit­dem ist Grado zu einer mo­der­nen Ba­de­stadt ge­wach­sen, deren ver­win­kel­tes Cen­tro sto­ri­co aber aus­ge­zeich­net er­hal­ten ist und kom­plett unter Denk­mal­schutz steht. Durch einen be­geh­ba­ren Damm ist Grado zum Meer hin ge­schützt, wes­halb man hier einen wun­der­ba­ren Blick auf die Häu­ser der ers­ten Reihe, aber auch auf die See hat. Au­then­ti­sches Fi­scher­le­ben fin­det man eben­falls: am lan­gen Ha­fen­ka­nal, wo die Fi­scherk­äh­ne dicht an dicht fest­ge­zurrt lie­gen.
Zwei lange Sand­strän­de er­stre­cken sich zu bei­den Sei­ten der Stadt, es gibt einen gro­ßen Ther­mal­be­reich, und der mit Mi­ne­ra­li­en an­ge­rei­cher­te Sand wird für Kur­an­wen­dun­gen ge­nutzt. Ge­ne­rell fal­len die Strän­de sehr flach ins Was­ser ab, und man kann hun­der­te Meter weit hin­aus­lau­fen – ideal für Kin­der. Und auch an Hun­de­be­sit­zer hat man ge­dacht und einen ei­ge­nen Strand­ab­schnitt na­mens »Lido di Fido« für sie re­ser­viert.


Be­son­de­re Be­sich­ti­gung: Schloss am Meer

Das schwanenweiße Schloss am Meer (Foto: Eberhard Fohrer)
Das schwa­nen­wei­ße Schloss am Meer (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Kein Haus am See, nein, ein Schloss am Meer, das soll­te es schon sein für Erz­her­zog Ma­xi­mi­li­an, sei­nes Zei­chens Bru­der von Kai­ser Franz Jo­seph von Ös­ter­reich. Wie ge­wünscht, so getan – 1859 ließ er sich im zar­ten Alter von 27 mit sei­ner knapp 20-jäh­ri­gen Ge­mah­lin Char­lot­te, Toch­ter des bel­gi­schen Kö­nigs Leo­pold, an der Tri­es­ti­ner Ri­vie­ra das hol­ly­wood­kom­pa­ti­ble Mär­chen­schloss Mi­ra­ma­re er­rich­ten. Die schwie­ri­gen und kost­spie­li­gen Bau­ar­bei­ten unter dem Wie­ner Ar­chi­tek­ten Carl Jun­ker über­wach­te er sogar höchst­per­sön­lich. So weit, so gut – doch als das schnee­wei­ße Habs­bur­ger­schloss mit sei­nem wun­der­schö­nen, klei­nen Hafen und dem weit­läu­fi­gen Park end­lich büh­nen­bild­ge­recht auf einem Fels­vor­sprung di­rekt am Meer thron­te, er­reich­te ihn ein An­ge­bot von Na­po­lé­on III., Kai­ser von Me­xi­ko zu wer­den. Ma­xi­mi­li­an ver­zich­te­te auf die ös­ter­rei­chi­sche Thron­fol­ge, stach 1864 von Mi­ra­ma­re aus in See, wurde aber nach dem Abzug der Fran­zo­sen im Bür­ger­krieg gegen die me­xi­ka­ni­sche Na­tio­nal­be­we­gung unter Be­ni­to Juá­rez ge­fan­gen ge­nom­men und 1867 von den Auf­stän­di­schen er­schos­sen … Das Mär­chen von Mi­ra­ma­re fand nicht statt, seine Gat­tin ver­fiel in geis­ti­ge Um­nach­tung, kehr­te nach Eu­ro­pa zu­rück und lebte dort noch sech­zig Jahre.
Für uns Nach­ge­bo­re­ne sind heute die gro­ßen, lich­ten Räume mit ihrem wert­vol­len his­to­ri­schen Mo­bi­li­ar zu be­sich­ti­gen – und diese soll­te man sich nicht ent­ge­hen las­sen, denn viel stil­vol­ler und at­trak­ti­ver kann ein Schloss ei­gent­lich nicht sein. Ein Bum­mel durch den weit­läu­fi­gen Park run­det das Er­leb­nis bes­tens ab.
Schloss Mi­ra­ma­re ist ganz­jäh­rig täg­lich 9-19 Uhr ge­öff­net, Ein­tritt ca. 8 €, 18-25 Jahre 5 €, unter 18 Jah­ren frei, www.ca­stel­lo-mi­ra­ma­re.it.


Skur­ril: Von Uhren und Son­nen­uh­ren

Eine von 50 Sonnenuhren in Aiello del Friuli (Foto: Eberhard Fohrer)
Eine von 50 Son­nen­uh­ren in Ai­el­lo del Fri­uli (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die flei­ßi­gen Be­woh­ner des Val Pe­sa­ri­na im al­pi­nen Nor­den des Fri­aul sind im gan­zen Land als Uhr­ma­cher be­kannt, denn die Firma So­la­ri (www.so­la­ri.it) pro­du­ziert hier be­reits seit dem frü­hen 18. Jahr­hun­dert man­nig­fa­che Chro­no­me­ter und ex­por­tiert sie in alle Welt. Im Uh­ren­dorf Pe­sa­riis wird dem Gast die Viel­falt der ti­cken­den Kunst­wer­ke bild­lich vor­ge­führt. So kann man auf dem »Weg der Mo­nu­men­tal­uh­ren« zwölf un­ter­schied­li­che Großuh­ren ken­nen­ler­nen, dar­un­ter eine Was­ser­be­cken­uhr, eine frühe Di­gi­tal­uhr (1939), eine Pla­ne­ten­uhr und eine Uhr mit Glo­cken­spiel aus den 50er-Jah­ren.
Mehr Uhr geht nicht, denkt man sich – doch! Im Dorf Ai­el­lo del Fri­uli (www.il­pa­ese­del­leme­ri­dia­ne.com) nahe der Adria­küs­te wird man eines Bes­se­ren be­lehrt. Dort wur­den in den letz­ten Jah­ren näm­lich über 50 Son­nen­uh­ren kon­stru­iert, die so­wohl künst­le­risch als auch hand­werk­lich her­aus­ra­gend sind. Die äs­the­ti­schen Uni­ka­te sind über den gan­zen Ort ver­teilt, mal of­fen­sicht­lich, mal ver­steckt – macht Spaß, sie auf­zu­spü­ren und da­nach kann man in einem Mu­se­um mit dem aus­la­den­den Namen »Museo della Ci­vil­tà Con­ta­di­na nel Fri­uli Im­pe­ria­le« noch zwölf wei­te­re Son­nen­uh­ren un­ter­schied­lichs­ter Art be­wun­dern.
Museo della Ci­vil­tà Con­ta­di­na nel Fri­uli Im­pe­ria­le, Via Pe­trar­ca 1, ge­öff­net nur So 15-18 Uhr, Ein­tritt ca. 5 €.


Ein­kau­fen: Der Wein des Frie­dens

Angefüllt und zum Verkauf bereit – der friulanische Friedenswein (Foto: Eberhard Fohrer)
An­ge­füllt und zum Ver­kauf be­reit – der fri­ula­ni­sche Frie­dens­wein (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das Städt­chen Cor­mòns liegt süd­öst­lich von Udine und ist Mit­tel­punkt der DOC-Wein­bau­ge­bie­te »Col­lio« und »Ison­zo«. Viele der be­rühm­ten fri­ula­ni­schen Wein­wei­ne wer­den hier und in der Um­ge­bung pro­du­ziert.
Etwas ganz Be­son­de­res hat sich die Kel­le­rei der Wein­pro­du­zen­ten von Cor­mòns (Can­ti­na Pro­dut­to­ri Cor­mòns) an der süd­li­chen Aus­fall­stra­ße der Stadt nach Ma­ria­no del Fri­uli ein­fal­len las­sen: Der ganze Ge­schmack der Erde in einem Glas – die­sen küh­nen Traum woll­ten die 200 Win­zer vor über 20 Jah­ren ver­wirk­li­chen. Mit ihrem ehr­gei­zi­gen Kel­ler­meis­ter Luigi Soini bau­ten sie dafür rund um den Be­trieb Reben aus fünf Kon­ti­nen­ten an, quasi als Sym­bol für die Ein­heit der Welt, und ge­win­nen seit­dem dar­aus all­jähr­lich den Frie­dens­wein »Vino della Pace«.
Mitt­ler­wei­le be­steht der Welt­wein­gar­ten aus fast 600 ver­schie­de­nen Rebs­or­ten, die aus allen 55 Wein pro­du­zie­ren­den Staa­ten stam­men. Nam­haf­te Künst­ler ge­stal­ten jedes Jahr das Fla­schene­ti­kett neu. Die erste Lese fand 1985 statt. 500 Per­so­nen nah­men daran teil, dar­un­ter 70 Hoch­schü­ler aus aller Welt, die da­mals im Uni­ted World Col­le­ge in Duino an der fri­ula­ni­schen Adria stu­dier­ten. Das Er­geb­nis war ein lieb­li­cher und ge­schmei­di­ger Wein, eine Me­ta­pher für den »Ge­schmack un­se­rer Erde«, so die Bot­schaft der Can­ti­na Pro­dut­to­ri Cor­mòns. Jedes Jahr nach der Ernte wer­den allen Staats­ober­häup­tern der Welt (über 200) drei Fla­schen zu­ge­sandt, dazu fin­det in Cor­mòns die »Festa Pro­vin­cia­le dell’uva« statt.
In der kel­le­rei­ei­ge­nen Eno­te­ca »La Vigna del Mondo« kann man den Vino della Pace ver­schie­de­ner Jahr­gän­ge er­wer­ben. 20 bis 30 Euro muss man dafür aber schon an­le­gen …
Eno­te­ca La Vigna del Mondo, Mo-Sa 8.30-12.30 und 15-19 Uhr, So ge­schlos­sen. Via Vino della Pace 31, www.cor­mons.com.


Schöns­te Stadt: Triest oder Eu­ro­pas größ­ter Platz am Meer

Imposant ist Triest nicht nur an Europas größtem Platz am Meer (Foto: Eberhard Fohrer)
Im­po­sant ist Triest nicht nur an Eu­ro­pas größ­tem Platz am Meer (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Die Haupt­stadt der Re­gi­on Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en ist die öst­lichs­te Groß­stadt Ita­li­ens und die nörd­lichs­te Stadt am Mit­tel­meer. Ein­ge­schlos­sen von kars­ti­gen Kalk­hän­gen liegt die 200.000-Ein­woh­ner-Ka­pi­ta­le in einer halb­kreis­för­mi­gen Bucht, nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter vor der slo­we­ni­schen Gren­ze.
Das Zen­trum Triests ist in ef­fekt­vol­len klas­si­zis­ti­schen Li­ni­en ge­stal­tet, zahl­rei­che mo­nu­men­ta­le Bau­ten aus Eklek­ti­zis­mus, Ju­gend­stil und Neu­go­tik spie­geln die Be­deu­tung der Han­dels­stadt im 18. und 19. Jahr­hun­dert, als sie unter den Habs­bur­gern ein wich­ti­ger Frei­ha­fen war. Als Zei­chen von Reich­tum und »Gran­dez­za« ent­stan­den da­mals präch­ti­ge Pa­laz­zi, u. a. die Börse, die Thea­ter und das auch heute noch an­er­kannt gute Opern­haus. Triest stieg zur be­deu­ten­den Kul­tur­me­tro­po­le an der Naht­stel­le zwi­schen Ost und West empor und lag gleich­zei­tig im Her­zen Eu­ro­pas; Schrift­stel­ler wie James Joyce, Italo Svevo und Um­ber­to Saba mach­ten es zu einer Hoch­burg der Li­te­ra­tur – mit den Wor­ten von Clau­dio Mag­ris, dem be­deu­tends­ten der­zeit le­ben­den Tri­es­ti­ner Schrift­stel­ler, sogar zur »li­te­ra­ri­schen Haupt­stadt Mit­tel­eu­ro­pas«.
Ein wei­te­res Sinn­bild von Triests eins­ti­ger Be­deu­tung ist die Piaz­za dell’Unità d’Ita­lia, Eu­ro­pas größ­ter Platz am Meer. Er ist der durch und durch re­prä­sen­ta­ti­ve Mit­tel­punkt der Stadt, wun­der­bar weit und offen an­ge­legt und abends wir­kungs­voll il­lu­mi­niert – ein Platz zum Ver­wei­len und Schau­en. Pracht­vol­le Bau­ten um­rah­men ihn: links vorne steht der Pa­laz­zo del Go­ver­no mit kunst­vol­len, gold­durch­wirk­ten Fas­sa­den­mo­sai­ken aus Mu­ra­no­glas, er­baut An­fang des 20. Jahr­hun­derts und da­mals Sitz des habs­bur­gi­schen Statt­hal­ters, da­ne­ben der Pa­laz­zo Strat­ti mit dem Caffè degli Spec­chi (Spie­gel­ca­fé), rechts vorne der Pa­laz­zo Llyod Tri­es­ti­no (heute Sitz der Re­gio­nal­re­gie­rung), da­nach das Hotel Duchi d’Aosta und der ba­ro­cke Pa­laz­zo Pit­te­ri. An der Land­sei­te zieht der höchst im­po­san­te Pa­laz­zo del Mu­ni­ci­pio mit sei­ner groß­ar­ti­gen Fas­sa­den­kon­struk­ti­on alle Bli­cke auf sich. Davor er­hebt sich ein hoher Brun­nen, des­sen Sta­tu­en die vier Kon­ti­nen­te dar­stel­len.
Auch im 21. Jahr­hun­dert pflegt der einst­mals wich­tigs­te Mit­tel­meer­ha­fen der Dop­pel­mon­ar­chie Ös­ter­reich-Un­garn seine Tra­di­tio­nen: Die pit­to­res­ke Mi­schung aus rie­si­gen Ha­fen­docks, präch­ti­gen Pa­läs­ten der k.u.k.-Mon­ar­chie und Kaf­fee­haus­ro­man­tik prägt das Am­bi­en­te bis heute, ihre wech­sel­vol­le Ge­schich­te hat das Ge­sicht der Stadt ge­zeich­net. Un­ga­ri­sche, sla­wi­sche und vor allem ös­ter­rei­chi­sche Ein­flüs­se sind spür­bar: in der Ar­chi­tek­tur, im all­täg­li­chen Leben, in Kunst und Li­te­ra­tur, nicht zu­letzt aber auch in der Küche.


Er­leb­nis: Grot­ta Gi­gan­te, eine Höhle für den Pe­ters­dom

Die mit fast 300 m Länge und 107 m Höhe zu den größ­ten Ein­raum-Grot­ten der Welt zäh­len­de Tropf­stein­höh­le (an­geb­lich passt der ge­sam­te Pe­ters­dom hin­ein!) liegt bei Borgo Grot­ta Gi­gan­te, etwa 3 km nord­west­lich von Opi­ci­na und 15 km nörd­lich von Triest. Ent­stan­den ist die schon wegen ihrer ge­wal­ti­gen Aus­ma­ße in höchs­tem Maß fas­zi­nie­ren­de Höhle durch den un­ter­ir­di­schen Ver­lauf des Flus­ses Ti­ma­vo. Ent­deckt wurde sie 1840, und seit 1908 wird sie von Na­tur­in­ter­es­sier­ten be­sucht.
Auf lan­gen Trep­pen steigt man hin­un­ter in den stim­mungs­voll aus­ge­leuch­te­ten Höh­len­saal und auf der an­de­ren Seite wie­der hin­auf. Die enor­me Höhe der laut Guin­ness-Buch der Re­kor­de »größ­ten tou­ris­ti­schen Höhle der Welt« wird auch wis­sen­schaft­lich ge­nutzt, denn zwi­schen Ge­wöl­be und Höh­len­grund sind die zwei längs­ten Mes­spen­del der Welt be­fes­tigt, die hier – ein­ge­fasst in Schutz­män­tel aus Kunst­stoff – un­ge­stört von at­mo­sphä­ri­schen Ein­flüs­sen seis­mi­sche Be­we­gun­gen kon­trol­lie­ren.
Füh­run­gen je­weils zur vol­len St­un­de, April bis Sept. Di-Sa 10-18 Uhr (Juli/Au­gust auch Mo), Okt. bis März 10-16 Uhr, Mo ge­schlos­sen; Ein­tritt ca. 12 €, Stud. bis 26 J. und über 65 J. 9 €, 6-16 J. 8 € (gra­tis mit FVG-Card, www.tu­ris­mofvg.it). www.grot­ta­gi­gan­te.it.


Kunst­ge­nuss: Welt­kul­tur­er­be Aqui­leia

Aquileia oder Ein Mosaik von 760 Quadratmetern (Foto: Eberhard Fohrer)
Aqui­leia oder Ein Mo­sa­ik von 760 Qua­drat­me­tern (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das ver­schla­fe­ne Dörf­chen am stil­len Fluss hat ge­ra­de mal 3000 Ein­woh­ner – und be­sitzt doch eine mo­nu­men­ta­le Ba­si­li­ka mit einem ein­zig­ar­ti­gen Mo­sa­ik­bo­den, ist die wich­tigs­te rö­mi­sche Aus­gra­bung im Nord­os­ten Ita­li­ens und ge­hört seit 1998 zum Kul­tur­er­be der Unesco. Was man heute kaum noch er­ah­nen kann – das an­ti­ke Aqui­leia war wirt­schaft­li­ches Zen­trum der obe­ren Adria und zeit­wei­se eine der größ­ten Han­dels­städ­te des rö­mi­schen Im­pe­ri­ums. Über 100.000 Ein­woh­ner leb­ten hier und trie­ben über ihren Mee­res­ha­fen, das heu­ti­ge Grado, Han­del mit dem öst­li­chen Mit­tel­meer und dem ger­ma­ni­schen Nor­den.
Auch in früh­christ­li­cher Zeit konn­te Aqui­leia seine Be­deu­tung be­hal­ten und spiel­te als Sitz eines Bi­schofs (der sich spä­ter »Pa­tri­arch« von Aqui­leia nann­te) eine Vor­rei­ter­rol­le in der Aus­brei­tung des Chris­ten­tums, bis At­ti­las Hun­nen im 5. Jahr­hun­dert die Stadt dem Erd­bo­den gleich­mach­ten. Im 11. Jahr­hun­dert kam Aqui­leia unter dem Pa­tri­ar­chen Pop­po­ne zeit­wei­se noch­mals zu neuer Blüte, da­mals ent­stand die im­po­san­te ro­ma­ni­sche Ba­si­li­ka, die je­doch auf Vor­gän­ger­bau­ten steht, die bis in frühe 4. Jahr­hun­dert zu­rück­rei­chen. Aus die­ser frü­hen Zeit stammt auch der wel­li­ge Mo­sa­ik­bo­den, der sich über die ganze Länge des Kir­chen­schiffs zieht. Mit sei­nen 760 Qua­drat­me­tern gilt er als das be­deu­tends­te und größ­te früh­christ­li­che Mo­sa­ik Eu­ro­pas. Ent­deckt wurde er erst An­fang des 20. Jahr­hun­derts – beim Umbau im Mit­tel­al­ter hatte man ein­fach einen zwei­ten Boden über das Meis­ter­werk ge­zo­gen … Von glä­ser­nen Ste­gen aus kann man die Bild­wer­ke ge­nau­er be­trach­ten. Dar­ge­stellt sind vor allem Mee­res­sze­nen in er­staun­lich rea­lis­ti­scher Weise, u. a. Engel und Apos­tel, die auf Fisch­fang gehen (be­kann­te christ­li­che Sym­bo­lik), die Epi­so­den um Jonas, der von einem Un­ge­heu­er ver­schlun­gen (Tod Chris­ti) und wie­der aus­ge­spien wird (Au­fer­ste­hung), der Kampf von Hahn (Chris­tus) und Schild­krö­te (Mäch­te der Fins­ter­nis), au­ßer­dem Fi­sche und Mee­res­tie­re aller Art.
Wer mag, kann als krö­nen­den Ab­schluss den 73 m hohen, frei­ste­hen­den Torre Cam­pa­ni­le (Glo­cken­turm) be­stei­gen, wo man die rö­mi­schen Aus­gra­bun­gen von Aqui­leia bes­tens aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve be­trach­ten kann.
Die Ba­si­li­ka ist April bis Sep­tem­ber täg­lich 9-19 Uhr ge­öff­net, März und Ok­to­ber 9-18 Uhr und Nov. bis Febr. 10-16 Uhr (Sa/So 9-17 Uhr). Wegen Messe ist sie nicht zu­gäng­lich Sa 17.30-19 und So 10-11.30 Uhr. Der Torre Cam­pa­ni­le (Ein­tritt ca. 2 €) kann von April bis Sep­tem­ber täg­lich 9-13.30, 15.30-18.30 Uhr be­stie­gen wer­den, im Okt. nur Sa/So 10-17 Uhr, No­vem­ber bis März ist ge­schlos­sen.


Pan­ora­ma­blick: Wein­pau­se mit Blick

Die Weinbauhügel des Friaul im Blick (Foto: Eberhard Fohrer)
Die Wein­bau­hü­gel des Fri­aul im Blick (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Das be­schau­li­che 3.000-Ein­woh­ner-Städt­chen Nimis liegt ein wenig nörd­lich von der eins­ti­gen Pa­tri­ar­chen­stadt Udine und ist ein wich­ti­ges Wein­bau­zen­trum der »Colli Ori­en­ta­li del Fri­uli«. Vor allem der gold­gel­be Süß­wein Ra­man­do­lo wird hier an­ge­baut, der als ers­ter fri­ula­ni­scher Wein das be­gehr­te Prä­di­kat »cru« (Ur­sprungs­zeug­nis für Wein aus einer be­stimm­ten Lage) er­hielt und mitt­ler­wei­le auch DOCG-Sta­tus hat.
Wenn man Nimis nach Nor­den ver­lässt, steigt die Stra­ße kur­vig ins Hü­gel­land an. Vor­bei an den Wein­pro­du­zen­ten »Comel­li« (mit Ein­kehr­mög­lich­keit) und »Anna Bera« er­reicht man einen Park­platz mit dem Kirch­lein Chie­set­ta di San Gio­van­ni Bat­tis­ta aus dem 15. Jahr­hun­dert. In be­ste­chen­der Lage kann man dort unter hun­dert­jäh­ri­gen Kas­ta­ni­en­bäu­men in der »Os­te­ria di Ra­man­do­lo« sit­zen, Auf­schnitt und die fri­ula­ni­sche Spe­zia­li­tät Frico kos­ten und dabei den herr­li­chen Pan­ora­ma­blick auf Nimis und seine gro­ßen Reb­fel­der ge­nie­ßen – si­cher­lich einer der schöns­ten Orte in den Wein­bau­hü­geln des Fri­aul.
Os­te­ria di Ra­man­do­lo, Via Ra­man­do­lo 22, Mo ge­schlos­sen.


Na­tio­nal­denk­mal: Erd­be­ben in Ven­zo­ne

Die bewusst belassene Erdbebenruine der ehemals zweiten Hauptkirche (Foto: Eberhard Fohrer)
Die be­wusst be­las­se­ne Erd­be­ben­rui­ne der ehe­mals zwei­ten Haupt­kir­che (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Der 6. Mai 1976 war im Fri­aul ein be­son­de­res Datum, denn vor genau 40 Jah­ren er­eig­ne­te sich an die­sem Tag ein schwe­res Erd­be­ben. Das Epi­zen­trum des Be­bens mit einer Stär­ke von 6,5 auf der Rich­ter-Skala lag nörd­lich von Udine um die Städ­te Ge­mo­na und Ven­zo­ne. Am 15. Sep­tem­ber folg­te ein hef­ti­ges Nach­be­ben und voll­ende­te das Ver­nich­tungs­werk. Die Schä­den waren ver­hee­rend: In 17 Ge­mein­den wur­den etwa 20.000 Woh­nun­gen zer­stört und mehr als 50.000 wei­te­re schwer be­schä­digt, fast 1.000 Men­schen star­ben, 110.000 wur­den ob­dach­los.
Be­son­ders schwer wurde das ma­le­ri­sche 3.000-Ein­woh­ner-Städt­chen Ven­zo­ne mit sei­ner im­po­san­ten mit­tel­al­ter­li­chen Dop­pel­mau­er aus weiß­grau­em Kalk­stein ge­trof­fen. Be­reits 1965 war es zum Na­tio­nal­denk­mal er­nannt wor­den, doch die zwei Erd­be­ben zer­stör­ten die Alt­stadt völ­lig. Kaum ein Haus blieb ste­hen, und auch die bei­den gro­ßen Kir­chen, die Brü­cken und fast alle Türme der Stadt­mau­er bra­chen in sich zu­sam­men …
Doch das Wun­der ge­schah: Viel Geld floss in die Re­gi­on, und in­ner­halb von zehn Jah­ren wurde Ven­zo­ne mit einer ei­gens dafür ent­wi­ckel­ten Tech­nik wie­der de­tail­ge­treu auf­ge­baut, teil­wei­se sogar unter Ver­wen­dung des frü­he­ren Mau­er­werks. So bum­melt man heute durch ein durch und durch idyl­li­sches Städt­chen, be­trach­tet im go­ti­schen Pa­laz­zo Co­mu­na­le auf der wei­ten, of­fe­nen Piaz­za Mu­ni­ci­pio eine Fo­to­do­ku­men­ta­ti­on zur Zer­stö­rung und den Auf­bau­ar­bei­ten, kann im Museo Tiere Motus (Erd­be­ben­mu­se­um) eine Do­ku­men­ta­ti­on zum Erd­be­ben sehen und im gro­ßen Dom Sant’Andrea Apos­to­lo den noch immer un­fer­tig wir­ken­den In­nen­raum mit Ris­sen und blo­ßem Mau­er­werk in sich auf­neh­men.
Höchst ge­spens­tisch wirkt die Ruine der zwei­ten Haupt­kir­che San Gio­van­ni Bat­tis­ta – sie wurde nicht wie­der auf­ge­baut, son­dern blieb als Mahn­mal für die Schre­cken der Beben ste­hen.


Essen & Trin­ken: Def­ti­ge Buf­fets oder Ster­ne­kü­che im Hin­ter­land

Eines der deftigen Buffets, das an die Habsburgerzeit erinnert (Foto: Eberhard Fohrer)
Eines der def­ti­gen Buf­fets, das an die Habs­bur­ger­zeit er­in­nert (Foto: Eber­hard Foh­rer)
In der Tri­es­ti­ner Küche mi­schen sich ve­ne­zia­ni­sche, fri­ula­ni­sche, un­ga­ri­sche, sla­wi­sche, jü­di­sche, grie­chi­sche und ös­ter­rei­chi­sche Ein­flüs­se. Neben den üb­li­chen ita­lie­ni­schen Ge­rich­ten ste­hen auch Sem­mel­knö­del, por­zi­na (Kai­ser­fleisch) und Pra­ger Schin­ken, Schwei­ne­fleisch und Wie­ner Schnit­zel, Wild mit Po­len­ta, Gu­lasch und jota, eine slo­we­ni­sche dicke Boh­nen­sup­pe, auf den Spei­se­kar­ten. Wer wenig Geld aus­ge­ben, aber trotz­dem gut und reich­lich essen möch­te, soll­te in Triest eins der so ge­nann­ten »Buf­fets« auf­su­chen, z. B. »Da Gio­van­ni« (Via San Laz­za­ro 14), »Da Pepi« (Via della Cassa di Ris­par­mio 3) oder »Da Rudy« (Via Val­di­ri­vo 32), wo haupt­säch­lich Schwei­ne­fleisch in allen er­denk­li­chen Va­ri­an­ten an­ge­bo­ten wird, ein Über­bleib­sel aus der Zeit, als Triest zum Habs­bur­ger­reich ge­hör­te. Hier steht man un­ge­zwun­gen am Tre­sen und nimmt eine Jause (»re­be­chin« oder »me­ren­da«) ein, kann aber auch an einem der we­ni­gen Ti­sche Platz neh­men und trinkt dazu einen frisch vom Fass ge­zapf­ten Ter­ra­no, den er­di­gen, dun­kel­ro­ten Wein aus dem Karst. Vor allem zur »Ape­ri­tivo«-Zeit ab etwa 18 Uhr geht es oft hoch her.
Ganz an­ders im »Agli Amici« im un­schein­ba­ren Vo­rort Godia, we­ni­ge Ki­lo­me­ter nord­west­lich von Udine, denn dort liegt das ein­zi­ge Re­stau­rant in Fri­aul-Ju­lisch Ve­ne­ti­en, das sich zwei Mi­che­lin-Ster­ne er­kämpft hat! Schon seit 1887 be­treibt Fa­mi­lie Sca­rel­lo das Haus, das Ge­schwis­ter­paar Mi­che­la und Ema­nue­le hat sich durch ihre Mo­le­ku­lar­kü­che mit aus­ge­zeich­ne­ten lo­ka­len Pro­duk­ten einen Namen ge­macht, er­gänzt durch eine fan­tas­ti­sche Wein­lis­te. Ein Be­such be­deu­tet ein ech­tes Gour­me­ter­leb­nis ohne Ab­stri­che! Das sie­ben- bis ne­ungän­gi­ge De­gus­ta­ti­ons­me­nü kos­tet ca. 90 €, mit Wein ca. 120 €. Via Li­gu­ria 250, Tel. 0432-565411, www.aglia­mi­ci.it (So-Abend u. Mo ge­schlos­sen).


Über­nach­ten: Woh­nen im Wein­land und am Meer

Authentisches Fischerleben in Grado (Foto: Eberhard Fohrer)
Au­then­ti­sches Fi­scher­le­ben in Grado (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Von den üp­pi­gen Reb­hän­gen der Colli Ori­en­ta­li del Fri­uli hin­un­ter an die Sand­strän­de der Adria. An­ge­neh­mes Woh­nen ge­hört zu einer sol­chen Tour un­be­dingt dazu, hier ein paar Tipps:
Auf ihrem Wein­gut »Te­nu­ta Luisa« süd­lich von Cor­mòns ver­mie­tet Fa­mi­lie Luisa drei DZ, sie­ben Apart­ments und eine Ju­ni­or-Suite, die alle ge­schmack­voll und mit Liebe zum De­tail ein­ge­rich­tet sind. Fe­de­ri­ka küm­mert sich her­vor­ra­gend um ihre Gäste und spricht Deutsch. Sehr gut essen kann man im nahe ge­le­ge­nen Re­stau­rant »Al Piave«. DZ/Früh­stück ca. 80-100 €, Apt./Früh­stück ca. 115 €.
Te­nu­ta Luisa, Via Campo Spor­tivo 13, I-34070 Ma­ria­no del Fri­uli, Tel. 0481-69680, www.te­nuta­lui­sa.it.
Am nörd­li­chen Orts­aus­gang von Nimis liegt der Wein­hof »I Comel­li«, ein Fa­mi­li­en­be­trieb und seit Ge­ne­ra­tio­nen in einem alten, re­no­vier­ten Ge­bäu­de mit pit­to­res­kem Fo­go­lar (Grill­ofen). Fünf hüb­sche Zim­mer wer­den ver­mie­tet, man isst gut und güns­tig, sitzt dazu schön auf der Ter­ras­se vor dem Haus. Wein und Oli­ven­öl kön­nen ver­kos­tet wer­den. DZ/Früh­stück ca. 65-70 €.
I Comel­li, Largo Ar­man­do Diaz 8, I-33045 Nimis, Tel. 0432-790685, www.icomel­li.com.
Näher am Meer geht in der Ba­de­stadt Grado nicht: In der Villa Marin (*) wohnt man di­rekt am Damm vor der Alt­stadt und ge­nießt den Pan­ora­ma­blick und das gute Essen. Meer­sei­te bu­chen! DZ/Früh­stück ca. 100-126 €.
Villa Marin, Via dei Prov­ve­di­to­ri 20, I-34073 Grado, Tel. 0431-80789, www.vil­lama­rin.it.
Eben­falls in Grado und preis­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zu den gro­ßen Ho­tels in Meer­nä­he: Das »Meu­blè Tri­po­li« (**) liegt ruhig auf der Isola della Schi­usa, ca. 10 Fuß­mi­nu­ten vom Cen­tro sto­ri­co. Die freund­li­che Fa­mi­lie Zor­zi­ni (Herr Zor­zi­ni spricht flie­ßend Deutsch) ver­mie­tet hier Zim­mer mit Kli­ma­an­la­ge, TV (viele deut­sche Sen­der), Kühl­schrank und schö­nem Blick auf die La­gu­ne. DZ/Früh­stück ca. 70-80 €.
Meu­blè Tri­po­li, Riva Ga­ri­bal­di 17, I-34073 Grado, Tel. 333-9511978, www.meu­ble­tri­po­li.it.
Woh­nen im Grü­nen bei Triest: Die »Villa Faus­ta« ist eine his­to­ri­sche Villa in einem gro­ßen Gar­ten mit präch­ti­gem Baum­be­stand. Die herz­li­chen Gast­ge­ber Ni­colet­ta und Ser­gio ver­mie­ten ge­schmack­voll ein­ge­rich­te­te Zim­mer mit mo­der­nen Bä­dern. Ni­colet­ta war frü­her Über­set­ze­rin, spricht per­fekt Deutsch und gibt gerne Tipps zu Triest und Um­ge­bung. Sehr gut ist das Früh­stück im Salon. 20 Fuß­mi­nu­ten ins Zen­trum, auch Bus­ver­bin­dung. DZ/Früh­stück ca. 80-95 €.
Villa Faus­ta, Sa­li­ta di Gret­ta 5, Tel. 040-415252, www.vil­laf­aus­ta-tri­es­te.com.