Top Ten

Teil 13: La Palma

oder Mehr als 1000 Ki­lo­me­ter aus­ge­schil­der­te Wan­der­we­ge

Portrait Irene BörjesVor we­ni­gen Mo­na­ten er­schien die 9. (!) Auf­la­ge von »La Palma«, ge­schrie­ben von einer ech­ten In­sel­ken­ne­rin: Irene Bör­jes, die seit 1988 auf dem Ei­land lebt. In un­se­rer Top Ten (und selbst­ver­ständ­lich im Rei­se­buch) er­zählt sie von den Be­son­der­hei­ten, die auf der klei­nen Ka­na­ren­in­sel zu fin­den sind. Dar­un­ter ein von der UNESCO ge­adel­ter Ne­bel­ur­wald, früh­ge­schicht­li­che St­ein­zeich­nun­gen, schwar­ze Strän­de, die eine Kur für ge­stress­te Rü­cken bie­ten, sowie eine so­zi­al­ver­träg­li­che und sanf­te Ge­gen­wehr gegen Mas­sen­tou­ris­mus. Bör­jes kennt zudem den ers­ten und ein­zi­gen Tag, an dem La Palma auf den Ti­tel­sei­ten der Welt­pres­se er­schien …


La Palma – Irene Bör­jes Top Ten

Vul­kan­be­stei­gung: Der Te­ne­guía oder Der Tag, an dem die Lava kam

Der Teneguía ist La Palmas jüngster Vulkan (Foto: Ivan Jegorov)
Der Te­ne­guía ist La Pal­mas jüngs­ter Vul­kan (Foto: Ivan Je­go­rov)
Das erste und ein­zi­ge Mal, dass La Palma auf den Ti­tel­sei­ten der Welt­pres­se auf­tauch­te, war der 27. Ok­to­ber 1971. Am Nach­mit­tag des Vor­ta­ges, exakt um 15.06 Uhr, war an der Süd­spit­ze der Insel ein neuer Vul­kan aus­ge­bro­chen, spä­ter Te­ne­guía ge­nannt. Der La­va­strom er­goss sich aus sechs Er­öff­nun­gen, die sich spä­ter zu einem gro­ßen und einem klei­nen Kra­ter ver­ei­nig­ten, der erst zwei Tage spä­ter das nahe Meer er­reich­te. Durch Erd­stö­ße ge­warnt, eva­ku­ier­te man die Be­woh­ner des ober­halb lie­gen­den Dorfs Fu­en­ca­li­en­te; ein Ein­hei­mi­scher starb den­noch an einer Gas­ver­gif­tung.
In den Fol­ge­ta­gen schleu­der­te der Vul­kan auch Asche­wol­ken, die sich zu einem Kegel auf­türm­ten – und schon nach 23 Tagen war der Spuk vor­über. Der Te­ne­guía ist damit nicht nur der jüngs­te, son­dern auch einer der klei­nen Vul­ka­ne La Pal­mas. Genau in der Süd­spit­ze ge­le­gen, ver­schüt­te­te der Vul­kan­aus­bruch weder Bau­ten noch Fel­der, im Ge­gen­teil: auf dem jung­vul­ka­ni­schen Boden ent­wi­ckeln sich Wein­stö­cke präch­tig. Die Bo­de­gas Te­ne­guía pro­du­zie­ren er­folg­reich den gleich­na­mi­gen Re­ben­saft.
Noch was: Der Vul­kan Te­ne­guía bil­det den vor­läu­fi­gen End­punkt der Cum­bre Vieja, einer von Nord nach Süd ver­lau­fen­den Kette von 100 Vul­ka­nen. Un­ter­halb des Dor­fes Los Ca­na­ri­os/Fu­en­ca­li­en­te lohnt sich der Be­such eines Be­su­cher­zen­trums (tägl. 9-18 Uhr, Ein­tritt 5 €, Kin­der bis 12 J. frei) und ein eben­er­di­ger Gang auf dem Kra­ter­rand des Vul­kans San An­to­nio, der 1676 aus­brach. Von dort hat man den bes­ten Blick auf den Kra­ter und Kegel des Te­ne­guiá. Wer da­nach auf den Ge­schmack ge­kom­men ist und Kon­di­ti­on hat, kann die kom­plet­te Cum­bre Vieja an einem an­de­ren Tag auf der »Route der Vul­ka­ne« er­wan­dern.


In­sel­haupt­stadt: Santa Cruz oder Ein Gang durch die Ge­schich­te

Typische Balkonhäuser an der Uferstraße von Santa Cruz (Foto: Ivan Jegorov)
Ty­pi­sche Bal­kon­häu­ser an der Ufer­stra­ße von Santa Cruz (Foto: Ivan Je­go­rov)
Auf den ers­ten Blick wirkt Santa Cruz wie eine klei­ne hüb­sche Stadt auf einer klei­nen, nicht zu häu­fig be­such­ten Insel.
Vor 500 Jah­ren war das noch an­ders: Die In­sel­haupt­stadt zähl­te zu den gro­ßen spa­ni­schen Städ­ten und den be­deu­tends­ten Ha­fen­me­tro­po­len Eu­ro­pas. Ihre Lage am west­li­chen Rand der Ka­na­ren mach­te sie zum Tor zu einer neuen Welt, zur ers­ten Sta­ti­on der mit Gold und Sil­ber be­la­de­nen Schif­fe, die von den Ko­lo­ni­en zu­rück­kehr­ten. Hier muss­ten die Ab­ga­ben ent­rich­tet wer­den, hier be­fand sich das spa­ni­sche Ge­richt für die Ko­lo­ni­en.
So ent­stan­den in Santa Cruz be­reits kurz nach der Ero­be­rung -1492 nah­men sich die Spa­nier die klei­ne Insel – re­la­tiv große, staat­li­che und kirch­li­che Bau­ten. Im 17. Jahr­hun­dert aber wur­den Ge­richt und Zoll­in­spek­ti­on nach Te­ne­rif­fa ver­legt, Santa Cruz ver­fiel in einen Dorn­rös­chen­schlaf. Ihrer Schön­heit hat das al­ler­dings nie ge­scha­det.
Heute ist Santa Cruz mit sei­nen rund 16.000 Ein­woh­nern klein genug, damit man sich bei einem Bum­mel durch den his­to­ri­schen Stadt­kern einen guten Ein­druck von der char­man­ten Haupt­stadt ver­schaf­fen kann. Dabei ist Santa Cruz keine lang­wei­li­ge Mu­se­ums­stadt. Die Ka­pi­ta­le ver­führt dazu, län­ger als ge­plant zu blei­ben, einen Ca­fé­ci­to zu schlür­fen und ein Eis zu essen – und dabei den Men­schen zu­zu­schau­en, die ohne ge­trie­be­ne Hek­tik vor­bei­sch­len­dern. Es geht über schat­ti­ge Pla­zas und Fuß­gän­ger­zo­nen mit Stra­ßen­ca­fés, vor­bei an blu­men­ge­schmück­ten, kun­ter­bunt ge­stri­che­nen Bal­kon­häu­sern, Pa­läs­ten, Kir­chen und Klös­tern. Hüb­sche Läd­chen gibt es na­tür­lich auch.


Im Na­tio­nal­park: Cal­de­ra de Ta­bu­ri­en­te oder La Palma hoch­al­pin

Einige der Observatorien auf dem Roque de Los Muchachos (Foto: Ivan Jegorov)
Ei­ni­ge der Ob­ser­va­to­ri­en auf dem Roque de Los Much­achos (Foto: Ivan Je­go­rov)
Die Cal­de­ra de Ta­bu­ri­en­te ist die At­trak­ti­on und das Herz­stück der Insel. In sei­nem Zen­trum liegt ein ge­wal­ti­ger, be­wal­de­ter Kes­sel, durch­zo­gen von Schluch­ten und Was­ser­läu­fen. Bis zu 1800 Meter hohe Fels­wän­de um­schlie­ßen den neun Ki­lo­me­ter brei­ten Kra­ter; hoch­al­pin wir­ken sie, er­in­nern an die Do­lo­mi­ten. Mit sage und schrei­be 2426 Me­tern steht der Roque de los Much­achos als höchs­ter Gip­fel di­rekt auf dem Kra­ter­rand – und ver­birgt sich meist über den Wol­ken. Dort ist die Luft ab­so­lut klar, auch nachts gibt es keine stö­ren­den Lich­ter. Des­halb wurde der Platz für ein eu­ro­päi­sches Ge­mein­schafts­pro­jekt aus­ge­wählt, eines der größ­ten der nörd­li­chen He­mi­sphä­re. Es be­steht aus sechs Ob­ser­va­to­ri­en, das deut­sche be­fasst sich mit der Be­ob­ach­tung von sog. »air show­ers«, also mit hoch­en­er­ge­ti­schen Strah­len im Wel­tall.
Auf dem Grund der Cal­de­ra sam­melt sich das Was­ser aus 100 Qu­el­len, die sich von Bä­chen zu Bas­sins ver­brei­tern, im Win­ter don­nern Was­ser­fäl­le herab. Die Feuch­tig­keit sorgt in­ner­halb des Kes­sels für ein üp­pi­ges Pflan­zen­reich­tum und ist au­ßer­halb die wich­tigs­te Was­ser­quel­le für Men­schen und Fel­der.
Den bes­ten Blick in den Kes­sel hat man von der Cum­bre­ci­ta, einem na­tür­li­chen Aus­sichts­pla­teau ober­halb von El Paso. An der Zu­fahrt liegt das se­hens­wer­te In­for­ma­ti­ons­zen­trum des Na­tio­nal­parks (tägl. 9-18 Uhr, Ein­tritt frei). Die Cal­de­ra de Ta­bu­ri­en­te ist auch eines der schöns­ten Wan­der­ge­bie­te der Insel. Ein herr­li­cher Spa­zier­gang bie­tet sich an der Cum­bre­ci­ta an. Sport­li­che Na­tu­ren ma­chen die große Cal­de­ra-Runde im In­ne­ren des Kra­ters.


Strän­de: Schwar­ze Strän­de und na­tür­li­che Ba­de­be­cken oder Das be­son­de­re Ba­de­er­leb­nis

Der Palmenstrand von Puerto Naos (Foto: Ivan Jegorov)
Der Pal­men­strand von Pu­er­to Naos (Foto: Ivan Je­go­rov)
Ka­ri­bik­flair mit wei­ßem Sand­strand hat die hüb­sche Insel zwar nicht zu bie­ten. Dafür ge­dei­hen am schwar­zen Strand von Pu­er­to Naos auf der West­sei­te des Ei­lan­des extra an­ge­pflanz­te Ko­kos­pal­men. Auch die eben­falls west­lich ge­le­ge­nen Ba­de­buch­ten von Pu­er­to de Ta­za­cor­te, die Ein­stie­ge vor Santa Cruz im Osten und die vie­len klei­nen Ba­de­stel­len rund um die Insel zei­gen sich schwarz­san­dig, wie es sich für eine Vul­kan­in­sel ge­hört.
Den dunk­len Un­ter­grund mag man zu­nächst etwas ge­wöh­nungs­be­dürf­tig fin­den, doch wenn der Rü­cken zwickt, legt man sich mit Ver­gnü­gen in den war­men, von der Sonne noch stär­ker er­hitz­ten Sand legen. Der Tipp dazu: Wer nicht mit einem un­frei­wil­li­gen Spurt das Was­ser er­rei­chen möch­te, soll­te Strand­lat­schen an den Füßen haben …
Wo Steil­küs­ten kei­nen Platz für Strän­de las­sen, haben La­vab­la­sen und die an­bran­den­den Wogen na­tür­li­che Ba­de­be­cken ge­formt. Die Wel­len fül­len sie re­gel­mä­ßig mit fri­schem Meer­was­ser. Dar­aus sind im Nord­os­ten schö­ne Ba­de­an­la­gen mit Son­nen­ter­ras­sen und Re­stau­rants ent­stan­den.
Noch was: Ba­de­sai­son ist zu jeder Zeit. Selbst im Win­ter sin­ken die Tem­pe­ra­tu­ren des kla­ren At­lan­tik­was­sers sel­ten unter 18 Grad.


Essen & Trin­ken: Krus­ti­ge Kar­tof­feln mit Tunke oder Aber bitte mit Scha­le!

Papas arrugadas – eine kanarische Spezialität (Foto: Eberhard Fohrer)
Papas arru­ga­das – eine ka­na­ri­sche Spe­zia­li­tät (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Zu einem ty­pisch ka­na­ri­schen Essen ge­hö­ren als Bei­la­ge papas arru­ga­das con mojo – runz­li­ge Kar­tof­feln mit Tunke. Unin­for­mier­te Tou­ris­ten er­kennt man daran, dass sie zum Mes­ser grei­fen, um die Kar­tof­fel­scha­len zu pel­len – was sehr scha­de ist … Diese Kar­tof­feln (es soll­ten klei­ne und feste sein) wer­den vor dem Ko­chen gründ­lich ab­ge­bürs­tet und mit der Scha­le in sehr stark ge­sal­ze­nem Was­ser ge­kocht. Nach dem Ab­gie­ßen be­streut man sie noch ein­mal mit Salz, das sich auf der noch feuch­ten Scha­le ab­setzt, sie zu­sam­men­zieht (so ent­ste­hen die Run­zeln) und zu einer fei­nen Krus­te trock­net. Zu Fleisch­ge­rich­ten wird mojo rojo (eine schar­fe, rote Tunke) ge­reicht, zu Fisch die wür­zig-milde und grüne mojo verde-Soße. Die Zu­be­rei­tungs­art hat man von den Fi­schern ab­ge­guckt, die un­ter­wegs auf Fang das Koch­was­ser aus dem Meer schöpf­ten.
Die Kar­tof­feln selbst sind – trotz ihrer Be­son­der­heit – nur die Bei­la­ge. Auf einer Insel mit­ten im At­lan­tik spielt fri­scher Fisch die Haupt­rol­le! Fang­sai­son für Thun­fisch ist von Fe­bru­ar bis Juni, da­nach er­scheint der Bo­ni­to, eine klei­ne Thun­fi­sch­art, in den ka­na­ri­schen Ge­wäs­sern. Sehr emp­feh­lens­wert ist auch Cher­ne, eine Bar­schart, güns­tig ist Ca­bal­la, eine klei­ne Ma­kre­le. Wer gern Koch­fisch isst, kann sich für Vieja ent­schei­den, einen See­pa­pa­gei mit tief­ro­ten Fle­cken.
Mein Tipp: Die rich­ti­ge Um­ge­bung für ein sol­cher­art ge­lun­ge­nes Mahl ist Pu­er­to de Ta­za­cor­te an der West­küs­te. Bei einem küh­len Glas Weiß­wein lässt sich dort ganz ent­spannt der Son­nen­un­ter­gang ge­nie­ßen. In der ers­ten Reihe sitzt man sehr gut am preis­güns­ti­gen Kio­sko Te­ne­guía, tägl. 11-24 Uhr.


Wan­dern: Im Ne­bel­ur­wald oder Erica wächst 15 Meter hoch

Der Wasserfall von Los Tilos (Foto: Irene Börjes)
Der Was­ser­fall von Los Tilos (Foto: Irene Bör­jes)
Einer der letz­ten Lor­beer­ur­wäl­der des Pla­ne­ten liegt im Nord­os­ten La Pal­mas zwi­schen Bar­loven­to und Pun­tal­la­na. Kein Wun­der, dass er von der UNESCO als Bio­sphä­ren­re­ser­vat ge­adelt wurde. Hier er­rei­chen die Pas­sat­win­de und -wol­ken die Insel und stau­en sich an den Wän­den der Cal­de­ra de Ta­bu­ri­en­te. Sie sor­gen für Nebel, Nässe und Frucht­bar­keit. In die­sem be­son­de­ren Klima von Feuch­tig­keit und be­stän­dig war­men Tem­pe­ra­tu­ren über­leb­ten die Pflan­zen des Ter­ti­ärs, wäh­rend Eu­ro­pa unter Eis­mas­sen be­gra­ben wurde und die Tro­cken­heit Nord­afri­ka weit­ge­hend in eine Wüste ver­wan­del­te. Unter den 30 Meter hohen, rie­si­gen Kro­nen der Lor­beer­bäu­me ge­deiht noch immer eine üp­pi­ge Pflan­zen­welt: Rie­si­ge Farne, ur­wüch­si­ge Dick­blatt­ge­wäch­se, nur hier vor­kom­men­de Sträu­cher und klei­ne­re Bäume for­men einen dich­ten Ur­wald. In den hö­he­ren Zonen sieht man Erica-Ge­wäch­se, die bis zu 15 Meter in den Him­mel ragen.
Er­kun­den lässt sich der Wald bei La Galga und Los Tilos. Dort steht auch das In­for­ma­ti­ons­zen­trum (tägl. 9-18 Uhr, Ein­tritt frei). Ein kur­zer Spa­zier­gang führt durch einen Tun­nel (an Licht­quel­le den­ken!) zu einem Was­ser­fall. Eine spek­ta­ku­lä­re, aus­führ­li­che Ta­gestun­nel­tour ist etwas für un­er­schro­cke­ne, si­che­re Wan­de­rer.
Wenn Sie schon in Ge­gend sind, emp­feh­le ich zu­sätz­lich einen Ab­ste­cher nach San An­drés, einem be­son­ders hüb­schen Dorf an der Küste.


Sport: Prima Klima oder Das Ei­land der Wan­de­rer und Ma­ra­thon­läu­fer

Wandern auf der Route der Vulkane (Foto: Irene Börjes)
Wan­dern auf der Route der Vul­ka­ne (Foto: Irene Bör­jes)
Selbst­ver­ständ­lich bie­tet der ewige Früh­ling der Ka­na­ren, der ja eher ein Früh­som­mer ist, idea­le Be­din­gun­gen für na­he­zu alle Frei­luft­sport­ar­ten. Spe­zi­ell La Palma hat einen guten Namen bei Leu­ten, die zu Fuß un­ter­wegs sind, dar­un­ter auch Ex­trem­sport­ler.
Den An­fang für sie mach­te 2009 der (seit­her jähr­lich statt­fin­den­de) Ul­tra­ma­ra­thon »Trans­vul­ca­nia«. Es geht über 73 Ki­lo­me­ter von der Süd­spit­ze über alle Gip­fel nach Pu­er­to de Ta­za­cor­te und hin­auf zum Ziel­ein­lauf in Los LLa­nos. Die Sie­ger blei­ben unter 7 St­un­den und über­win­den einen Hö­hen­un­ter­schied von er­staun­li­chen 8407 Me­tern (etwa die Hälf­te davon berg­ab).
Der Er­folg die­ses Events pro­du­zier­te Nach­fol­ger. Seit­her schwin­gen sich Rad­fah­rer zu Ma­ra­thons in den Sat­tel, ein Tri­ath­lon fin­det An­mel­dun­gen und viele Ge­mein­den zie­hen mit und ver­an­stal­ten ei­ge­ne Sport­er­eig­nis­se. Die her­vor­ra­gen­den kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen ma­chen es mög­lich.
www.trans­vul­ca­nia.info, www.sen­de­ros­dela­pal­ma.es


Früh­ge­schich­te: Die Be­naho­ari­tas oder Auf den Spu­ren der Ur­ein­woh­ner

Einige der Petroglyphen bei La Zarza (Foto: Ivan Jegorov)
Ei­ni­ge der Pe­tro­gly­phen bei La Zarza (Foto: Ivan Je­go­rov)
Die Ero­be­rung La Pal­mas ge­lang den spa­ni­schen Trup­pen nach meh­re­ren Fehl­schlä­gen erst 1492. Die Be­naho­ari­tas, die die Insel da­mals be­völ­ker­ten, be­fan­den sich auf der Ent­wick­lungs­stu­fe der Jungstein­zeit – doch wuss­ten sich durch­aus zu weh­ren. Sie waren weiß­häu­tig, über ihre Her­kunft gibt es meh­re­re The­sen. Am dich­tes­ten war der Nor­den be­sie­delt, wo die Be­naho­ari­tas über­wie­gend in Schluch­ten wohn­ten, in der Nähe von Qu­el­len in Höh­len, die ein bes­se­res Raum­kli­ma boten als Hüt­ten. Wenig ist von ihrer Kul­tur ge­blie­ben: dar­un­ter bis­her nicht ge­deu­te­te St­ein­zeich­nun­gen, sog. Pe­tro­gly­phen, Funde ihrer fei­nen Ke­ra­mik und Orts­na­men wie Ta­bu­ri­en­te, Ta­za­cor­te, Time und Ti­ja­ra­fe.
Auf Aus­flü­gen und Wan­de­run­gen las­sen sich Wohn­stät­ten und Zeug­nis­se ihres Le­bens ent­de­cken. Ein gutes Bei­spiel dafür ist der Par­que Cul­tu­ral La Zarza y La Zar­ci­ta im Nor­den an der Land­stra­ße LP1. Ein klei­nes Mu­se­um (Di-So 10-17 Uhr, Ein­tritt 2 €) zeigt Fund­stü­cke aus den um­lie­gen­den Höh­len­kom­ple­xen. Da­nach kann man auf aus­ge­schil­der­ten Wegen in das Halb­rund der Schlucht La Zarza lau­fen: ein schö­ner grü­ner Ort, an dem Farne und Veil­chen aus den Fels­spal­ten sprie­ßen. Schon auf dem Weg dort­hin lie­gen Fels­bro­cken mit St­ein­gra­vu­ren. Die span­nends­ten aber be­fin­den sich ober­halb in den Höh­len einer Ga­le­rie, die zu er­klim­men ist. Trotz aller Ver­wit­te­rung sind Spi­ra­len und Wel­len­li­ni­en zu er­ken­nen. In einer Ne­ben­schlucht, La Zar­ci­ta, ist eine Fels­wand mit St­ein­zeich­nun­gen ver­se­hen, die als Fi­gu­ren ge­wer­tet wer­den.
Nach der Be­sich­ti­gung kön­nen Sie zu einer sehr in­ter­es­san­ten und aus­ge­schil­der­ten Wan­de­rung in die Cal­de­ra de Agua star­ten. Wäh­rend­des­sen wei­sen In­fo­ta­feln auf wei­te­re Zeug­nis­se der Be­naho­ari­tas hin.
www.ga­ra­fia.es


Feste: Fröh­li­che Fi­es­tas oder Statt Bon­bons flie­gen Kar­tof­feln

Zur Romeria tragen alle Tracht (Foto: Magrit Zepf)
Zur Ro­me­ria tra­gen alle Tracht (Foto: Mag­rit Zepf)
Ob Kar­ne­val oder Pa­tro­nats­fes­te, La Pal­mas Fi­es­tas sind bunt, fröh­lich und vol­ler Musik zum Mit­tan­zen. Sieht man vom Kar­ne­val ab, der in allen Orten ge­fei­ert wird, ist der Som­mer die Sai­son der Fi­es­tas. Ir­gend­wo ist immer etwas los. Die al­ler­meis­ten Schutz­pa­tro­ne der Orte und der Be­rufs­grup­pen haben ge­schafft, ihren Día del Santo, also ihren Na­mens­tag, der den An­lass für die meis­ten Fi­es­tas bie­tet, zwi­schen An­fang Juni und Mitte Sep­tem­ber zu legen.
Der Ablauf der Fei­ern gleicht sich. Eine Fies­ta die etwas auf sich hält, dau­ert min­des­tens neun Tage, zwei Wo­che­nen­den und die Wo­chen­ta­ge da­zwi­schen. Er­öff­net wird sie mit einer kirch­li­chen Ze­re­mo­nie, dann folgt die Wall­fahrt, Ro­me­ria ge­nannt, bei der die Schutz­pa­tro­nin (oder der Schutz­pa­tron) in einem Umzug durch die Stra­ßen ge­tra­gen wird. Be­glei­tet wird der Zug von Trach­ten-, Tanz- und Mu­sik­grup­pen und ge­schmück­ten Wagen, von denen statt Bon­bons Kar­tof­fel­chen flie­gen. Wein wird in Be­chern ge­reicht.
Die Ro­me­ri­as sind wie die ge­sam­ten Fi­es­tas eine fröh­li­che Selbst­dar­stel­lung der Pal­me­ros und ihrer Tra­di­tio­nen. Wäh­rend der Fes­ti­vi­tät gibt es täg­lich Pro­gram­me, Kon­zer­te, Kin­der­fes­te, Sport­pro­gram­me, Thea­ter­auf­füh­run­gen und, ganz wich­tig: An den Wo­che­nen­den wird bis in die Mor­gen­stun­den ge­tanzt. Gäste sind will­kom­men.
Die mit Ab­stand größ­te Pa­tro­nats­fei­er ist die Ba­ja­da de la Vir­gen de las Nie­ves, zu Ehren der In­sel­pa­tro­nin »Schnee­jung­frau« in Santa Cruz. Sie dau­ert den gan­zen Som­mer und kann des­halb auch nur alle 5 Jahre statt­fin­den, das nächs­te Mal 2020.


Über­nach­ten: Tu­ris­mo rural oder Ur­laub in­mit­ten der Land­schaft

Eine sanfte Gegenwehr gegen Massentourismus (Foto: Irene Börjes)
Eine sanf­te Ge­gen­wehr gegen Mas­sen­tou­ris­mus (Foto: Irene Bör­jes)
Nach dem Auf­wa­chen erst ein­mal auf die Ter­ras­se gehen und den Rund­blick in die Land­schaft ge­nie­ßen. Spä­ter genau dort auch früh­stü­cken und am Abend den Ab­sa­cker, als Al­ter­na­ti­ve am knis­tern­den Feuer im Kamin.
Die­sen Luxus kann man auf La Palma an vie­len Orten und für re­la­tiv wenig Geld haben: zwei Per­so­nen zah­len zwi­schen 45 und 75 € pro Tag. Die Zau­ber­for­mel heißt Tu­ris­mo rural. Mit Hilfe der EU wur­den in den länd­li­chen Ge­mein­den mehr als 60 stil­voll-alte Bau­ern­häu­ser re­no­viert. Ziel des Pro­jek­tes war es, die alte Bau­sub­stanz vor dem Ver­fall zu be­wah­ren und gleich­zei­tig Land­flucht zu brem­sen. Die Häu­ser wer­den von ihren Be­sit­zern ge­führt, die gerne vor­bei­kom­men, um ei­ge­nen Wein und Früch­te an­zu­bie­ten. Zu kaum einem Ort passt der Land­tou­ris­mus so gut wie zu La Palma, deren er­klär­tes Ziel nicht der Mas­sen­tou­ris­mus ist, son­dern der Tu­ris­mo verde, der grüne Tu­ris­mo.
www.is­labo­ni­ta.es