Reportage

Vino Fino für eine Bananenrepublik

oder Der rauchige Sex-Appeal von Mendoza

Ein Artikel von Volker Feser. Der Autor des Reiseführers zu Ecuador (3. Auflage) hat sich ausführlich mit dem Genussmittel Wein auseinandergesetzt und exklusiv für uns auch die eine oder andere Flasche angetestet. Manche der 1-A-Weine ähneln sogar langbeinigen Models mit knallroten Haarschleifen …


Weintrinken – genauer gesagt Rotweintrinken – ist im Bereich des Äquatorstreifens inzwischen kein Ding mehr; jedenfalls keines aus einer alten oder gar anderen Welt, welche bislang vielleicht nur einer Handvoll Snobs oder dem haitianischen Honorarkonsul vorbehalten war. Den Beweis lieferte die zweite internationale Weinmesse von Quito, als sich tausende neugieriger Ecuadorianer leichtfüßig von Stand zu Stand schwangen, um sich genaustens »zu informieren«. Eine Art Aufbruchstimmung hing in der dünnen Luft des 3.000 m hoch gelegenen Itchimbia-Kristallpalastes, denn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Nation schien »Rum mit Coca Cola« ein für allemal den Rücken gekehrt zu haben. Lediglich das Angebot an sauberen Gläsern konnte dem Andrang nicht mehr stand halten. Dabei wird der neumodische Rebensaft, dieses exotisch mythische Elixier, abgesehen von einer einzigen barmherzigen Ausnahme, natürlich nicht im Äquatorland selbst, sondern anderweitig produziert. Zu den Hauptlieferanten zählen Argentinien, Chile, Spanien und das sonnige Kalifornien.

Samtig, rauchig, mondän, geheimnisvoll aber auch unverschämt sexy, munden die in Eichenfässern gereiften Rotweine aus der Gegend um Mendoza – auf der Messe präsentiert von langbeinigen Models mit knallroten Haarschleifen und ohne den blassesten Schimmer, aber den genau gleichen Attributen … Dagegen gießt sich Omas Trollinger hinunter wie ein leckgeschlagenes Paddelboot im Pazifik. Sorry Trollinger, beim besten Willen keine Chance!

Unter den in Quito erhältlichen Argentiniern sind die Merlots, Malbecs, Syrahs und Cabernet Sauvignons der Famiglia Bianchi, der Bodegas Weinert, Navarro Correas, Alta Vista, Luigi Bosca oder Perdriel hervorzuheben. Aber auch bei den Chilenen wird man schnell fündig. Im Preis-Leistungs-Verhältnis scheint ein Montes Cabernet-Carmenère aus dem Colchagua Tal mit etwa 10 USD derzeit kaum zu schlagen zu sein. Doch auch ein Montes Alpha, zu Recht das stolze Aushängeschild des experimentierfreudigen Önologen Aurelio Montes ist in den beiden großen Supermarktketten Supermaxi und Comisariato für etwa 20 USD zu erstehen.

So manch kalifornischer Tropfen beleidigt den Gaumen natürlich ebenso wenig. Ich sehe das völlig unpolitisch, ein Boykott wäre undenkbar! Obwohl der köstliche 98er Merlot Camelot der Kendall Jackson Vineyards mit 16 USD bisweilen etwas teurer kommt als in San Francisco.
Wer sich genauer »informieren« möchte, sollte unbedingt einen Blick in den Megamaxi werfen, Av. 6 de Diciembre und Naciones Unidas. Verhältnismäßig gut bestückt ist auch das Spirituosengeschäft La Taberna an der Ecke Av. Francisco de Orellana und Diego de Almagro. Dort ist eventuell noch ein 10-Dollar-Ladenhüter einer Gran Feudo 96er Navarra Reserva erhältlich, obendrein billiger als im Rip Off Duty Free von Madrid, vorausgesetzt die Amigos des Autors haben von dem Zeug noch was übrig gelassen …

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