Reportage

Der bescheidene Abenteurer -

Ein Nachruf auf Sir Edmund Hillary, KG, KBE (1919-2008)

Die MM-Guides gibt es auch zu weltweiten Reisezielen. »Neuseeland« (1. Auflage 2007) ist eines von zehn Büchern, das den europäischen Kontinent hinter sich gelassen hat. Der Autor und Reiseprofi Dietrich Höllhuber zeichnet für das beliebte Buch zur Doppelinsel verantwortlich – und nicht nur die »Freie Presse« schätzt seinen »geübten Blick fürs Detail und feinen Humor«. Für unseren Februar-Letter hat er einen Nachruf auf den vielleicht berühmtesten Bergsteiger der Welt geschrieben.


Am 11. Januar 2008 starb Sir Edmund Hillary, der Mann, der als erster den höchsten Gipfel der Erde betreten hat, in seiner Heimat Neuseeland. Der 29. Mai 1953, als Hillary den höchsten Punkt des Mount Everest nach einem langen und qualvollen Aufstieg endlich erreicht hatte, direkt gefolgt von seinem nepalesischen Freund und Seilpartner, dem Sherpa Tenzing Norgay, hätte beim Begräbnis des neuseeländischen Nationalhelden am 22. Januar im Zentrum aller Ansprachen stehen können. Weit gefehlt! Die Grabredner – sein Sohn Peter, die Tochter Sarah, Freund Jim Wilson, seine nepalesischen Freunde Ang Rita Tsering Sherpa und Rebu Tenzing Norgay, Sohn des Mitbesteigers – hielten ganz andere Dinge für erinnerungswürdig. Vom Vater Ed – er wollte von niemand »Sir« genannt werden und bestand immer auf dem kollegialen »Ed« – sprach Peter Hillary. Er erzählte von den ersten Bergtouren, als er an einem Seil, das der Vater umgebunden hatte, Neuseelands Berge erklomm. Er hing an einer Leine, die der Vater um den Gürtel geschlungen hatte, um ihn vor einem Absturz zu bewahren. Denn einen Absturz gab es natürlich, doch der Junge wurde durch das elastische Seil förmlich zum Vater zurückgeschnellt: »the world’s first bungy« sei das gewesen. Und die Trauergemeinde lächelte anstatt zu weinen. Was Ed sicher gefreut hätte, zumal seine Tochter Sarah über seinen trockenen Humor berichtete, und dass er es als eine Benachteiligung ansah, wenn jemand keinen Humor besessen hat.

Die beiden Sherpas – Ang Rita Tsering Sherpa leitet den Himalayan Trust, der für die Sherpas Schule und Krankenhäuser finanziert – nannten Sir Edmund Hillary ihren wahren Beschützer und zweiten Vater. Nur Premierministerin Helen Clark, eine begeisterte Bergsteigerin (sie stand auch schon auf dem nicht leicht zu besteigenden Mount Cook, Neuseelands höchstem Berg), erinnerte an die enorme Leistung, die 1953 die Besteigung des Mount Everest war, ohne heutige Ausrüstung und Hilfsmittel.


Der vielfach geadelte Nationalheld auf der Fünfdollarnote

Jeder Neuseeländer kannte Ed. Ed, der Nationalheld, dessen Bild die Fünfdollarnote ziert, war vielleicht Neuseelands berühmtester Bürger. Seine Bescheidenheit im Privatleben trug zu seiner Popularität mindestens so viel bei wie seine großen Expeditionen, die nicht nur die Erstbesteigung des Mount Everest und einiger weiterer Himalayagipfel umfasste, sondern auch die dritte Südpolexpedition, die ihr Ziel erreichte (1958 nach Amundsen und Scott), die Entdeckung der Quellen des Ganges und vieles mehr. Die Queen, bis heute Neuseelands Staatsoberhaupt, adelte ihn 1953 (KBE), 1995 wurde er im Alter von 76 Jahren in den Hosenbandorden aufgenommen, woher das »KG« hinter dem Namen herrührt, das übrigens für »Knight of the Order of the Garter« steht.

Mit Auckland war er durch Geburt und Wohnort verbunden, in Auckland fand auch die Trauerfeier statt: in der kleinen Holzkirche St. Mary in Holy Trinity, im schicken Viertel Parnell. Als der Sarg aus der Kirche zum Friedhof gebracht wurde, tanzten Schüler des Sir Edmund Hillary Collegiate einen Haka, den berühmten Kriegstanz der Maori. Und verabschiedeten ihn mit dem ebenfalls aus der Maorikultur stammenden, jedem Neuseeländer vertrauten »haere ra, haere ra«, der Abschiedsgruß derer, die zurückbleiben.


Weitere Informationen:


Veröffentlichungen von Sir Edmund Hillary:

Ich stand auf dem Everest. Wiesbaden (Brockhaus), mehrere Auflagen seit 1959 (und sicher demnächst eine neue).

Wer wagt gewinnt. Eine Autobiographie. Bergisch Gladbach (Lübbe) 1976.

Nachrufe u. a. in Die Zeit:
www.zeit.de/online/2008/03/edmund-hillary.

Neu eröffnet am 9. Januar 2008: Sir Edmund Hillary Alpine Centre in Mount Cook (Südinsel), ein interaktives Museum zur Mount-Cook-Region und zu Sir Edmund Hillary (siehe Reisebuch-Updates zum Buch »Neuseeland«!)

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