Reportage

Skilaufen im August -

Neuseelands schönste Skigebiete

Ein Artikel von Dietrich Höllhuber, Autor unserer beliebten Reiseführer zu Südtirol (1. Auflage 2004) und den Dolomiten (1. Auflage 2003). Für sein neues Buch über Neuseeland, das im Herbst 2006 erscheinen wird, hat er sich schon einmal auf die Piste gemacht, um gute Skigebiete auszutesten – denn auf der Südhalbkugel fängt der Winter bereits im August an.


Sie haben keine Lust, mit 50 Millionen Konkurrenten am Strand zu braten? Sie würden Ihren Teint lieber unter strahlender Wintersonne auf einer optimal präparierten Piste auffrischen? Oder an der Eisbar abhängen, mit Blick auf die Neuseeländischen Alpen? Oder sich einen – in Neuseeland sehr populären – heißen »Gluhwein« genehmigen? Und abends in Queenstown, immerhin Action-Topspot der Südhalbkugel, so richtig abfeiern? Das Ganze im August?

Dafür gibt es Abhilfe. Quantas fliegt Sie gern nach Sydney und von dort direkt nach Queenstown, von Air New Zealand und der Schlange der anderen Carrier gar nicht zu reden (Christchurch, einen Katzensprung von Queenstown entfernt, wird von Emirates um derzeit 909 € angesteuert – doch auch geniale Last-Minute-Angebote ergeben sich für Schnellentschlossene auf z. B. www.ltur.de immer wieder!). Und in den Skigebieten der Remarkables, des Coronet Peak, um Cardrona und auf dem Treble Cone, alle zwischen Queenstown und Wanaka im Süden der Südhalbkugel Neuseelands gelegen, warten schon Pipes und Pisten (der Coronet Peak hatte letzte Woche zwischen 40 und 60 cm Altschnee, die Schneekanonen waren die ganze Nacht tätig, um eine die Geschwindigkeit fördernde »Neuschneeauflage« zu schaffen).

Neuseelands Action-Metropole ist vor allem für ihr Sommer-Angebot berühmt, das vor Ewigkeiten mit Bungy-Jumping und Jetboating begann – beides wurde hier erfunden – und heute so ziemlich jede auf den Adrenalinausschuss drückende Aktivität umfasst: von Fallschirmspringen (Skydive), Paragleiten, Heli-Mountainbiking, Rafting, Canyoning, River Boarding durch den »Roaring Meg«-Canyon in der Kawarau-Schlucht bis zu so zahmen Aktivitäten wie Ausritten im Middle Earth des »Herrn der Ringe«. Dass um die Ecke (in 20 bis 60 km Entfernung) vier Super-Ski- und Snowboardgebiete liegen, ist weniger bekannt – nur die Australier und zunehmend südostasiatische Ski- und Snowboardfreaks kommen zu Hauf.
Bei Queenstown liegt das einzige Nachtskilaufgebiet der Südhalbkugel, der Coronet Peak. Dass DJs die beleuchteten Pisten beschallen, mag nicht jedermanns Sache sein, aber ist jedenfalls eine Attraktion (sorry, nur Freitag und Samstag!). Das vom Weingut »Lindauer« gesponsorte Ski- und Musikfest »Lindauer Winter Festival« . ist leider schon vorbei … (war Anfang Juli) aber die Saison geht ja noch bis Anfang, vielleicht sogar Mitte Oktober (2004 konnte man in vielen Wintersportgebieten Neuseelands noch im Dezember Skilaufen, also mitten im Sommer!).

Schneekanonen sorgen für gute Fahrverhältnisse auf den bis zu 1,8 km langen Pisten, die von fünf Liften erschlossen werden. Außerdem im Programm: zwei Half-Pipes, die von einem neuen »Pipe-Shaper« präpariert worden sind. Der Ausdruck ist Ihnen nicht bekannt? Kein Wunder, er wurde erst kürzlich geprägt für ein Präzisionsinstrument zur Erstellung von Half-Pipes »designed in New Zealand for New Zealand«. Tageskarte ca. 80 $, täglich mehrere Bus-Shuttles ab Queenstown.

Optisch spektakulärer ist das Skigebiet der Remarkables am Nordrand der wild zerklüfteten Gebirgskette östlich des Lake Wakatipu und nur 28 km von Queenstown entfernt -- wer im Sommer vom Gondola-Restaurant auf Queenstown und den Lake Wakatipu hinunter blickt, hat die Remarkables als Hintergrund. Der Felsen-Doppelgipfel des Double Cone im Rücken des Skigebietes gibt den Remarkables einen Dolomiten-Touch. Snowboarder sind hier besonders willkommen: 150 m lang und 22 m breit ist die Superpipe, dazu gibt es zwei bestausgebaute Freestyle-Terrains (sog. »Snow Parks« mit Hiphop-Musik). Die längste Abfahrt ist 1,5 km lang bei allerdings nur ca. 350 m Höhenunterschied, 30 % sind schwere, 40 % mittelschwere Pisten. Die Sonnenterrassen werden von DJs bespielt und von Keas belagert, den neuseeländischen Papageien. Doch Vorsicht! So nett die Tiere aussehen, so gerissen sind sich auch. Wenn man nicht willig und der Rucksack verschlossen ist, kann es vorkommen, dass die Keas den Verschluss mit ihren Schnäbeln öffnen. Drei Lifte, zwei Schlepplifte, Tageskarte ca. 75 $, täglich mehrmals Bus-Shuttles ab Queenstown.

(Fast) exklusiv für Snowboarder ist der brandneue »Snow Park« bei Cardrona zwischen Queenstown und Wanaka. Pipes, Halfpipes, Superpipe werden täglich mit den neuesten Maschinen gepflegt (»Pipe Magician« nennt sich eines der – in Neuseeland entwickelten – »Monster«), diverse Boxen (der schwere Box-run hat 800 m Länge und ziemlich gemeine Kurven) und tolle lange und kurze Rails, an oft unerwarteten Stellen übers Gelände verstreut, dazu ständiges Programm. Vom 17. bis 19. August finden die »Middle Earth Superpipe Championships« statt, schon vom 11. bis 13. August das »Burton NZ Open« für Snowboarder (zusammen mit Cardrona). Im Verbund mit dem Skigebiet Cardrona und dem Langlaufgebiet Snow Farm ist im Tal von Cardrona in den letzten Jahren eines der modernsten Skigebiete Neuseelands entstanden. Tageskarte ca. 60 $, Snowboard mitbringen (z. B. in Queenstown leihen – siehe Adresse), kein Verleih am Ort!


Nützliche Informationen:

Ski- und Snowboardverleihs in Queenstown:
Snow Biz, Station Building, Duke Street; Alta/S&C Snowboard Shop, 45 Camp Street; Poutside Sport, Shotover Street; Rental Equipment Coronet Peak Ski Area; Rental Equipment The Remarkables.


Übernachtungstipps für Queenstown:

Budget: Discovery Lodge, 47-49 Shotover Street, Tel. (0064) (0)3 441 1185, www.dlq.co.nz; Neue, große Backpacker-Lodge, zentraler geht’s nicht, trotzdem nicht laut; Lounge mit TV/DVD, Sonnenterrasse, Reisebüro (gut bestückt und effizient), Café-Restaurant mit Terrasse, Internet. Alle Betten sind bezogen und haben Kissen und Bettzeug, Frauenschlafsaal, auch Einzel- und Doppelzimmer mit/ohne Bad, die meisten Zimmer haben Balkon mit Ausblick auf den See und die Berge. Winterpreis (bis Okt. 2005) 26-45 $ pro Person je nach Zimmertyp.

Bed & Breakfast: Blue Gum Lodge B & B, 252 Fernhill Road, Sunshine Bay, Tel. (0064) (0) 3 442 8215, www.bluegumlodge.co.nz; Großes Wohnhaus über dem See mit Blick auf See und Berge, Zimmer gepflegt, Sat.TV, Bad/WC und die Besitzer Eoin und Diane kennen sich bestens mit Queenstown und der Umgebung aus (z. B. die »Great Walks«) – schließlich besitzen sie nicht nur einen Taxi-Service, sondern organisieren auch geführte Touren.


Informative Internetadressen:

  • www.nzski.com – Infos vor allem für die Skigebiete Remarkables, Coronet Peak und Mt Hutt, dazu alles über Queenstown
  • www.brownbear.co.nz – Infos über alle neuseeländischen Wintersportgebiete
  • www.boarderzone.com – Snowboarderseite up to date über die Szene in Neuseeland
  • www.snowparknz.com – Seite des ersten reinen (Snowboard-)»Freestyle-Resort« der Südhalbkugel, poppig aber wenig informativ, gibt aber Adressen, Preise etc.
  • www.netservice.co.nz – Wetterbericht, Schneebericht, Webcams für die Skigebiete Neuseelands
  • www.heiliski.co.nz – Adresse des Heliski-Anbieters Harris Mountains Heli-Ski, der in Wanaka und Queenstown tätig ist
  • www.purenz.com – Seite der Neuseeländischen Tourismusbehörde und Fremdenverkehrswerbung
  • www.queenstown-nz.co.nz – Seite der städtischen Information Queenstown

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