Top Ten

Teil 30: Stockholm

oder Eine Mixtur aus Design und Natur

Wo erlebt man den schönsten Sonnenuntergang von ganz Stockholm? Welche der 24.000 Schäreninseln lohnt sich besonders? Wo liegt das älteste Freilichtmuseum der Welt? Und was heißt eigentlich »Fika«? Lisa Arnold kennt die Antworten. In ihrem Reiseführer zur schwedischen Hauptstadt und in dieser Top Ten erzählt sie von den spannendsten Designhotels, einem Szeneviertel namens SoFo, dem ersten Nationalstadtpark des Planeten und einer Sightseeingtour im Kajak.

Stockholm – Lisa Arnolds Top Ten

Monteliusvägen: Romantischer Pfad mit Aussicht

Gut befestigt und mit astreiner Aussicht – der Panoramaweg Monteliusvägen auf der Insel Södermalm (Foto: Lisa Arnold)
Gut befestigt und mit astreiner Aussicht – der Panoramaweg Monteliusvägen auf der Insel Södermalm (Foto: Lisa Arnold)

Wegen Stockholms einmaliger Inselstruktur und dem Zusammenspiel von Wasser, grünen Einsprengseln und nordischer Architektur sollte man jede Gelegenheit nutzen, Stockholm von oben zu betrachten.
Besonders schön ist der Panoramaweg Monteliusvägen auf der Insel Södermalm. Von diesem schmalen Pfad hat man den ganzen Tag, vor allem aber am Abend eine atemberaubende Aussicht über den Wasserweg Riddarfjärden. So verträumt wie hier präsentiert sich Stockholm bei Sonnenuntergang selten. Im Westen versinkt die Sonne im Mälarsee, im Osten erhascht die Altstadt die letzten Strahlen und gegenüber streckt das Stadshuset seinen Turm wie ein stolzer Schwan den Hals in die Höhe.
Der knapp 500 m lange Spazierweg, der nach dem schwedischen Archäologen Oscar Montelius benannt ist, schlängelt sich über den Felsen an charmanten orangefarbenen Häusern vorbei und entlang eines roten Zauns. Immer wieder will man den Fotoapparat zücken, weil »jetzt!« das Licht noch schöner ist als vor einer Minute. Sie können sich auch einfach mit dem Rücken gegen die Steinmauer lehnen und das Panorama genießen. Bänke, eine hölzerne Terrasse und der Ivar-Los-Park bieten hervorragende Möglichkeiten zum Ausruhen und Picknicken.


Designhotels: Zeitloser Stil auf historischem Boden

Eines von drei sehr besonderen Designhotels in der schwedischen Hauptstadt (Foto: Lisa Arnold)
Eines von drei sehr besonderen Designhotels in der schwedischen Hauptstadt (Foto: Lisa Arnold)

Stockholm versteht sich als Designmetropole, und was liegt näher, als in einem Hotel mit zeitgenössischem Interieur abzusteigen? In den vergangenen Jahren werden in Stockholm vermehrt historische Gebäude in Hotels voller Stil und Geschmack verwandelt. Drei Beispiele:
Erst 2017 eröffnete im Szeneviertel Södermalm das Hellstens Glashus. Hier befand sich einst eine Gießerei, die Glocken für Kirchen in ganz Schweden herstellte, doch seit der Umgestaltung findet man statt schwerem Eisen viel Glas vor. Hinter der mehrfarbigen Glasfront, die sich von den angrenzenden Jahrhundertwendehäusern abhebt, verbergen sich 44 individuell eingerichtete Zimmer und eine sehenswerte Bar.
2016 eröffnete im Zentrum das Haymarket by Scandic im ehemaligen Kaufhaus PUB, wo Greta Garbo Hüte verkaufte, bevor sie als Schauspielerin entdeckt wurde. Das Hotel trägt den Glanz der Goldenen 1920er, der Blütezeit des Kinos, mit Art-déco-Interieur in Gold, Rot und Rosa in die Gegenwart.
Statt Glanz und Glamour stecken im Miss Clara by Nobis Fleiß und Ambition: Von 1910 bis 1939 lag hier eine angesehene Mädchenschule. Der schwedische Stararchitekt Gert Wingårdh hat aus der akademischen Hochburg eine Wohlfühloase mit Designmöbeln und hochmodernen Bädern gemacht – Zeitzeugnis trifft zeitloses Design.


Nationalstadtpark: Radeln durch die grüne Oase im Zentrum

Wer den Nationalstadtpark mit dem Rad erkundet, sieht auch die kleinen Details dieser 27 Quadratkilometer großen Grünanlage (Foto: Lisa Arnold)
Wer den Nationalstadtpark mit dem Rad erkundet, sieht auch die kleinen Details dieser 27 Quadratkilometer großen Grünanlage (Foto: Lisa Arnold)

Was hat Stockholm, das andere Hauptstädte nicht haben? Einen Nationalpark, der sich mitten durch die Stadt zieht. Der Ekoparken, der 1995 als erster Nationalstadtpark der Welt deklariert wurde, reicht von der Insel Djurgården in der Stockholmer Innenstadt bis nach Haga und Ulriksdal im Norden. Er umfasst 27 km2 und ist gespickt mit Schlössern, Museen und kulinarischen Höhepunkten in märchenhafter Umgebung.
Man kann sich im Sjöcaféet an der Brücke Djurgårdsbron ein Rad leihen und die grüne Insel Djurgården, das südliche Ende des Nationalstadtparks, im Vorbeifahren erkunden. Unterwegs geht es an anmutigen Villen vorbei, umgeben von knorrigen Eichen und duftenden Sträuchern. Und für alle, die Lust auf Kultur haben, bieten sich ein Schloss und zwei Kunstmuseen als Stopps an.
Unbedingt anhalten sollten Sie im Garten von Rosendal, der Schwedens Entspanntheit, Naturliebe und Design harmonisch vereint. Gemüse, Kräuter und Blumen – alles, was in der 1,5 ha großen, biodynamischen Anlage wächst, ist Demeter-zertifiziert. Aus dem Geschäft Plantboden kann man sich ein Stück der Idylle mitnehmen. Im Garten schlendert man durch wilde Blumenbeete und darf unter Apfelbäumen picknicken. Alles ist ungezwungen, man kann auch seinen eigenen Proviant verzehren. Und in der Orangerie lockt das Café, in dem die Früchte des Gartens zu gesunden Gerichten verarbeitet werden.


Schwedischer Klassiker: Fika, die Kaffeepause mit Gebäck

Eine Fika, wie sie im Buche und auf einem schwedischen Kaffeetisch steht (Foto: Lisa Arnold)
Eine Fika, wie sie im Buche und auf einem schwedischen Kaffeetisch steht (Foto: Lisa Arnold)

Ein Wort sollten Sie schon kennen, bevor Sie in Stockholm aus dem Flieger steigen: Fika. Das ist nichts Unanständiges, im Gegenteil: Es bedeutet Kaffeepause. Ob privat oder am Arbeitsplatz, die Schweden versammeln sich mehrmals am Tag in der Küche, um Kaffee zu trinken und dazu Zimtschnecken oder anderes Gebäck zu essen. Kein Wunder, dass Schweden eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee weltweit ist. Die Schweden trinken mit Vorliebe schwarzen Filterkaffee, aber auch Espresso und Latte Macchiato werden geschlürft.
Die Fika ist aber erst komplett mit etwas Essbarem, und das Angebot an süßem Gebäck aus Hefeteig ist riesig. Der Klassiker ist und bleibt die Zimtschnecke (kanelbulle), die am 4. Oktober mit dem Zimtschneckentag gefeiert und im Altstadtcafé Chokladkoppen tellergroß serviert wird. Insgesamt haben 18 Tage im schwedischen Kalender ihr eigenes Gebäck. Immer aktuell ist die grüne, halbkugelförmige Prinzessinnentorte, besonders lecker im eleganten Wiener Caféet in der Biblioteksgatan. Ob in Ruhe im Café zelebriert oder schnell im Kiosk auf die Hand geholt und im Freien mit Blick aufs Wasser genossen: Eine Fika versüßt jedes Stockholm-Erlebnis.


Nah am Wasser: Baden und Kajakfahren mitten in der Stadt

Die etwas andere Sightseeing-Tour – Stockholm vom Wasser aus (Foto: Lisa Arnold)
Die etwas andere Sightseeing-Tour – Stockholm vom Wasser aus (Foto: Lisa Arnold)

Wer sagt, dass der skandinavische Sommer nicht heiß werden kann? Mit bis zu 30 Grad im Sommer hat Stockholm seine Badetage, wenn auch nicht so viele wie im Süden … Wer auf seiner Reise so eine Wärmeperiode erwischt, kann nach dem Sightseeing mitten in der Stadt baden gehen. Drei öffentliche Badeplätze, für die man keinen Eintritt zahlen muss, sind besonders beliebt: der Sandstrand auf der Insel Långholmen, das Tanto Strandbad mit praktischen Stegen im Westen von Södermalm, und das Smedsuddsbadet am Südzipfel der Insel Kungsholmen. Diese Badeplätze haben großzügige Liegewiesen und jeweils einen Kiosk für Erfrischungen und Snacks.
Alternativ kommen Sie dem vielen Wasser in Stockholm im Kajak näher. Sie haben Kajakfahren noch nie probiert? Dann ist Stockholm der perfekte Ort für Ihre Jungfernfahrt im Ein- oder Zweisitzer. Sie müssen weder besonders sportlich sein noch sich alleine ins Boot trauen: Unternehmen wie Stockholm Adventures und Långholmen Kajak bieten für ca. 50 Euro pro Person Kajakausflüge mit Guide an. In welcher anderen Stadt der Welt kann man geführtes Sightseeing vom Kajak aus betreiben? Sie werden den Takt des Paddels bald in den Armen haben …


Moderne Kunst und Architektur: Moderna Museet und ArkDes

Unbedingt einen Besuch wert ist das eintrittsfreie Museum für Moderne Kunst (Foto: Lisa Arnold)
Unbedingt einen Besuch wert ist das eintrittsfreie Museum für Moderne Kunst (Foto: Lisa Arnold)

Im Moderna Museet, dem Stockholmer Museum für moderne Kunst (Eintritt frei!), geht der Besuch schon los, bevor man das Gebäude überhaupt sieht: Auf dem Weg zum Museum trifft man im »Paradies« auf kurvenreiche Frauengestalten und kantige Maschinen, ein Gemeinschaftswerk von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely aus dem Jahr 1966. Die Sammlung an 14 Skulpturen und Installationen im Freien ist genauso beeindruckend wie die Ausstellung im Inneren. Der Streifzug durch die permanente Ausstellung im Museum fängt am Beginn des 20. Jahrhunderts an und erforscht Themen und Künstler, zu denen das Museum eine enge Beziehung hat, von Stillleben und Collagen bis zu früher Fotografie und Postern. Zur Sammlung gehören Werke von Andy Warhol, Pablo Picasso, Henri Matisse und Ai Weiwei. Ein imposanter Neuerwerb war 2015 der »Model Room« des isländisch-dänischen Installations- und Lichtkünstlers Ólafur Elíasson.
Das Zentrum für Architektur und Design, kurz ArkDes, im direkten Anschluss an das Moderna Museet und ebenfalls gratis, widmet sich einer schwedischen Herzensangelegenheit: dem Wohnen. Man erfährt, wie die Schweden im Vergleich zu anderen Kulturen leben und wie sich die Bedingungen des Großstadtlebens geändert haben.
Moderna Museet und ArkDes liegen auf Skeppsholmen, einer kleinen grünen Insel, die sich nach dem Museumsbesuch für einen Spaziergang mit Aussicht auf die Innenstadt eignet.


Szeneviertel: Stockholms kreative Ecke SoFo

In einer der vielen Boutiquen im Szene- und Shoppingviertel SoFo (Foto: Lisa Arnold)
In einer der vielen Boutiquen im Szene- und Shoppingviertel SoFo (Foto: Lisa Arnold)

Stockholms buntes Szeneviertel liegt auf Södermalm, einem ehemaligen Arbeiterviertel. SoFo steht für »söder om Folkungagatan«, also »südlich der Folkungagatan«. Aus der Abkürzung ist mittlerweile eine Marke geworden, die Mode- und Foodblogger weltweit aufhorchen lässt. Lassen Sie sich zwischen Folkungagatan und Nytorget treiben und überraschen! Die Straßen sind voll mit kreativen Geschäften. Hier findet man außergewöhnliche Mode, Schmuck, Design, Küchen- und Wohnaccessoires, Secondhandartikel und Musik. Aufstrebende und etablierte Designer haben ihre eigenen Adressen in SoFo. Zwischen die Läden sind Cafés und Restaurants mit entspannter Atmosphäre gestreut. Manche Geschäfte besitzen ihre eigene Caféecke oder laden Musiker für einen abendlichen Gig ein, wodurch sie am Wochenende zum belebten Treffpunkt für Trendaffine werden.
Einmal im Monat, meistens am letzten Donnerstag, haben die Läden bei der SoFo Night bis 21 Uhr geöffnet und machen Shopping mit Events und Sonderangeboten zum Erlebnis.


Besuchermagnet Skansen: Freilichtmuseum mit Häusern und Elchen

Ein Schriftzug, der für das älteste Freilichtmuseum der Welt steht (Foto: Lisa Arnold)
Ein Schriftzug, der für das älteste Freilichtmuseum der Welt steht (Foto: Lisa Arnold)

Elche, rote Häuser und Menschen in Trachten. Sind wir noch in Stockholm? Ja, und wir können die Innenstadt über Rentiere hinweg sogar sehen. Skansen ist das älteste Freilichtmuseum der Welt und präsentiert ganz Schweden auf kleinstem Raum: Wohnhäuser, Samihütten, eine Kirche, Handwerksbetriebe und Geschäfte hat Gründer Artur Hazelius um 1891 aus dem ganzen Land zusammengetragen und in Stockholm wieder aufbauen lassen. Die detailreich eingerichteten Häuser in Kombination mit gesprächigen »Bewohnern« in traditioneller Kleidung und Veranstaltungen erzählen Schwedens Geschichte auf anschauliche Art. Man kann Handwerkern über die Schulter schauen, die alte Schule besuchen und sich beim Bäcker eine warme Zimtschnecke auf die Hand holen. Damit schlendert man zu den Tieren Skandinaviens und vergisst die Zeit …
In Skansen gleicht kein Monat dem anderen, denn die Aktivitäten und Veranstaltungen folgen den Jahreszeiten. Während der Ostermarkt den Frühling willkommen heißt, wird an Mittsommer traditionell um die geschmückte Stange getanzt. Im Herbst wird an den ersten dunklen Abenden Brot gebacken und von Hexen erzählt, und schließlich bringt der Advent Weihnachtsdekoration und Glühwein mit sich.


Drei Wahrzeichen: Stadtspaziergang zu (kostenlosen) Architektur-Highlights

Das Stockholmer Rathaus ist Wahrzeichen und architektonisches Highlight gleichzeitig (Foto: Lisa Arnold)
Das Stockholmer Rathaus ist Wahrzeichen und architektonisches Highlight gleichzeitig (Foto: Lisa Arnold)

Schloss, Rathaus und Stadtbibliothek – drei Stockholmer Wahrzeichen können Sie (teilweise) ganz umsonst besuchen.
Von der Gartenterrasse Logården des Stockholmer Stadtschlosses hat man einen guten Ausblick auf die Stadt. Bei der täglichen Wachablösung im Schlosshof erwacht selbst die stumme Leibgarde unter Militärmusik zum Leben.
Wie das Schloss ist auch das Stadshuset eine Attraktion, aus der man von außen schlau wird. Der lauschige Innenhof, der italienisch anmutende Arkadengang und der Stadshusparken mit akkurat geschnittenem Rasen, Skulpturen und Wasserspiel stehen täglich bis spätabends offen.
Die Stadsbiblioteket am Odenplan ist ein architektonisches Meisterwerk, das orangefarben und mit seiner monumentalen Quaderform samt Rotunde das Stadtbild des Viertels Vasastan prägt. Innen setzen der runde Saal und Lesesäle voller Details das Erlebnis dieses besonderen Bauwerks fort. Eine Anmeldung braucht es nicht, auch muss man Taschen und Rucksäcke nicht einschließen. Einfach reingehen, Literatur atmen und genießen.


Stockholmer Schärengarten: 24.000 Inseln vor der Hauptstadt

Auf Sandhamn im idyllischen und beeindruckenden Schärengarten (Foto: Lisa Arnold)
Auf Sandhamn im idyllischen und beeindruckenden Schärengarten (Foto: Lisa Arnold)

Die Schären gehören zu Stockholm wie der Zimt in die Schnecken. Oder wollen Sie etwa nach Hause fahren, ohne die Schönheit der 24.000 Inseln vor der Hauptstadt erlebt zu haben? Mein Tipp: Packen Sie nach zwei Kulturtagen in der Stadt einen Apfel und eine Flasche Wasser in den Rucksack, steigen Sie auf eine Fähre in die Schären und freuen Sie sich auf eine Bootsfahrt durch die Schärennatur Mit dem salzigen Duft des Meeres in der Nase gleitet man vorbei an roten Holzhäusern, grünen Inseln und kargen Felsen. Wer Zeit hat, sollte einmal auf einer Schäreninsel übernachten. Das Gefühl, wenn die letzte Fähre ablegt und man inmitten der Ruhe zurückbleibt, ist einzigartig.
Aus den Krimis von Viveca Sten weltbekannt ist die Insel Sandhamn, weit draußen in der Ostsee. Früher waren hier Lotsen stationiert, die ankommende Schiffe durch den felsigen Archipel nach Stockholm begleiteten. Heute ist Sandhamn Segler-Hotspot und beliebtes Sommerziel. Es gibt viel zu sehen, was die zweistündige Anreise rechtfertigt: eine belebte Strandpromenade mit Geschäften und Gaststätten, einen Hafen mit unzähligen Segelbooten, den Badestrand Trovill, eine alte Kirche und ein Viertel mit hübschen Sommerhäusern.

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