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Teil 39: Der Bergbau auf Elba

oder Das größte Magnetit-Vorkommen Europas

Der außergewöhnlichste Ausflug, den man auf Elba unternehmen kann? Eindeutig ein Besuch der einzigen Untertage-Mine im Südosten der Urlaubsinsel. Bis 1981 gingen die »Männer der Adern«, wie man die elbanischen Bergarbeiter nannte, ihrem gefährlichen Beruf nach. Heute besichtigt man dort das noch immer größte Magnetit-Vorkommen Europas. Sabine Becht hat sich anlässlich der 7. Auflage 2018 ihres Elba-Reiseführers noch einmal umgesehen.


Das wunderschöne Elba blickt auf eine lange Geschichte als Urlaubsinsel zurück. Schon reiche Römer bauten sich hier eine Villa mit Meerblick als Sommerresidenz. Noch älter ist aber die Bergbautradition. Bereits die Etrusker beuteten das Gebiet im Osten Elbas aus und verhütteten das Eisenerz in Populonia an der Toskanischen Küste – eine aufwendige Angelegenheit, für die große Waldgebiete abgeholzt und in den Hochöfen verschürt wurden. Die rote, aufgerissene Erde ist noch überall in der Gegend zu sehen.


Der Sound der Bergarbeiter

Hier schlummert das größte Magnetit-Vorkommen Europas (Foto: Sabine Becht)
Hier schlummert das größte Magnetit-Vorkommen Europas (Foto: Sabine Becht)

Auf der Halbinsel Calamita ganz im Südosten Elbas baute man im 20. Jahrhundert im großen Stil Magnetit ab. Als die Minen 1981 wegen Unrentabilität und der zunehmenden Konkurrenz geschlossen wurden, war nur ein kleiner Teil des kostbaren Rohstoffs abgetragen. Noch heute schlummert im Berg das größte Magnetit-Vorkommen Europas.
Auch wenn die Arbeit unter Tage ein Knochenjob war – lebensgefährlich und schlecht bezahlt – gaben die »Männer der Adern«, wie man die Bergarbeiter hier nannte, ihren Arbeitsplatz nicht freiwillig her. Schließlich gehörte der Bergbau über Jahrzehnte zu ihrer Identität und der »Pfiff der Sirene« (Il Fischio della Sirena, wie der gleichnamige Dokumentarfilm von 2005 heißt), der Schichtanfang und -ende, Pausen, aber auch Gefahr und schwere Unfälle meldete, prägte einst das Leben elbanischer Familien im Osten der Insel wie kaum ein anderer Sound.


Ins Herz der Magnetitmine

Die Untertage-Mine im Südosten der Insel Elba (Foto: Sabine Becht)
Die Untertage-Mine im Südosten der Insel Elba (Foto: Sabine Becht)

Im Rahmen einer Führung kann man die einzige Untertage-Mine Elbas begehen, die Galleria del Ginevro direkt an der schroffen Küste der Halbinsel. Mit Helm und Lampe ausgerüstet, geht es über 208 teils recht glitschige Stufen hinunter ins Herz der Mine – »nel cuore della terra« –, 24 Meter unter dem Meeresspiegel.
In den 30 Jahren des Betriebs hatten die Minenarbeiter sieben Kilometer Tunnel in den Berg gegraben und gesprengt. Nur ein paar hundert Meter davon sind zugänglich: Tiefschwarze Dunkelheit, die vom spärlichen Licht der Lampen erhellt wird, glitzerndes Gestein und zurückgelassene Gerätschaften, die Schienen der Loren und die beiden riesigen Magnetitlager Coltivazione Nord und Coltivazione Sud bieten einen der außergewöhnlichsten Ausflüge, den man im Urlaub auf Elba erleben kann!
Am Ende noch ein Tipp: Einen Magnetit, der hier zuhauf auf der Erde herumliegt, kann man sich mitnehmen. Keine gute Idee ist es jedoch, ihn zu Handy oder Bankkarte in die Tasche zu stecken – es handelt sich schließlich um ein magnetisches Gestein.

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