MM-Autoren

»Ein schöner und günstiger Tag in New York.«

5 Fragen an Dorothea Martin

Wer in New York gewesen ist, erzählt fast immer begeistert von seiner Reise. Einer der Gründe, weshalb wir seit Jahren das entsprechende Buch im Programm haben: »New York MM-City« (2. Auflage 2009). Dorothea Martin stellt sich anlässlich ihrer Neuauflage den Fragen der Redaktion und erklärt, wie man in der beliebten Millionenstadt einen schönen und sogar günstigen Tag verbringen kann. Denn wer sich nicht auskennt, kann gerade in dieser Stadt viel viel Geld lassen, das doch wesentlich geschickter zu investieren gewesen wäre …


1. Frau Martin, angenommen man hat nur einen Tag und eine Nacht in New York: Was sollte man unbedingt sehen?

Oh Gott, was für ein Alptraum! Ein Tag und eine Nacht reichen wirklich nicht, um New York kennen zu lernen. Aber gut, wenn’s denn nicht anders geht … In dieser Notlage würde ich wohl mein Geld ausgeben und mir einen Überblick über Manhattan mit einer Open-Top-Stadtrundfahrt von City Sights verschaffen: die sind etwas günstiger als Gray Line ($ 35-75, je nach Route). Auf diese Art und Weise hat man wenigstens alle Sehenswürdigkeiten einmal gesehen, ist durch die meisten Stadtteile chauffiert worden, und kann außerdem den ganzen Tag bei jedem Stopp aus- und wieder einsteigen. Den Nachmittag würde ich dann sicher in Midtown verbringen, weil dort die bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu finden sind: Das Empire State Building, das Chrysler, das Rockefeller Center, die Fifth Avenue, der Broadway und Times Square. Je nach Vorliebe lässt sich Midtown auch mit Shopping, Kunst oder einem Spaziergang im Central Park verbinden. Für den Abend empfehle ich die Gegend um den Times Square. Vielleicht bekommt man bei tkts, dem Verkaufsstand für Billigtickets, ja auch noch preiswerte Karten für ein Broadway-Musical um die Ecke. Ich bin mir sicher, dass man nach nur einem Tag in New York ganz ganz bald wiederkommen wird, um mehr zu sehen.


2. Was ist für Sie das Faszinierende an der 8-Millionen-Stadt? Warum haben Sie sich als Autorin den Big Apple ausgeguckt?

Mich begeistert die Energie, die von dieser Stadt ausgeht. Man kommt an, ist eigentlich hundemüde, und dann zieht es einen wider jede Vernunft raus ins Vergnügen. Selbst nur ziellos durch die Straßen zu laufen, ist in New York spannend, und egal wie oft man da war, man sieht jedes Mal wieder etwas Neues. New York ist wahrlich wie ein Rausch, weshalb die meisten Besucher auch immer wieder in diese pulsierende Stadt zurückkehren.


3. Was unsere Leser gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten interessiert: Ist die Stadt wirklich so teuer, wie es immer heißt? Ihr Artikel »New York zum Nulltarif« – kam seinerzeit sehr gut an …

Da ich ziemlich viel Zeit in New York verbringe und nicht nur zum Vergnügen in der Stadt bin, muss ich mein Budget bei diesen Aufenthalten wesentlich disziplinierter zusammenhalten als der Shoppingtourist auf einem Blitzbesuch. Die Annahme, dass mir etwas geschenkt würde, nur weil ich über New York schreibe, ist nämlich (leider) ein Irrtum. Darum liegt meine Suche nach den preisgünstigen Seiten der Stadt auch im eigenen Interesse begründet.
Man muss wohl kaum jemandem erzählen, dass es in New York für alle Lebenslagen ein riesiges Luxussegment gibt, wo man ungeheuer viel Geld lassen kann. Es herrscht nun wirklich kein Mangel an Hotels, Restaurants und Kulturveranstaltungen, die für Otto Normalbürger unbezahlbar sind. Wer sich solche Extravaganzen leisten kann, weiß meistens ohnehin schon, wo er sein vieles Geld ausgeben will. Alle anderen aber sind doch wohl eher wie ich mit einem überschaubaren Urlaubsbudget unterwegs und brauchen entsprechend gute Tipps, wie sie trotzdem das meiste aus ihrem Aufenthalt herausholen können.


4. Na, dann: Wir möchten einen schönen, aber günstigen Tag in New York erleben. Was raten Sie uns?

Sie sollten auf jeden Fall zum Frühstücken das Hotel verlassen und sich einen hübschen Diner suchen (z. B. den Red Flame Coffee Shop in Midtown), wo Sie für wenig Geld riesige Portionen serviert bekommen, die selbst den ambitioniertesten und laufstärksten Touristen für viele Stunden sättigen. Danach sollten Sie eine Tageskarte für die Subway kaufen, um sich preisgünstig fortbewegen zu können. Ich würde den Tag in Downtown beginnen und mich nach Norden »hocharbeiten«. Fast jeden Erstbesucher zieht es irgendwie magisch zum Ground Zero, wo einst das World Trade Center stand. Wer gerne shoppen geht, findet gleich gegenüber einen der berühmtesten Discountläden, der Designerwaren mit großen Nachlässen verkauft: Century 21. Von da aus ist es bei schönem Wetter ein netter Spaziergang den Broadway hinunter zur Staten Island Ferry, die Sie kostenlos über den East River an der Freiheitsstatue vorbeischippert. Vormittags wird sie von der Sonne bestrahlt, und wer möchte schon ohne ein Foto von Lady Liberty nach Hause kommen?!

Zum Lunch reicht ja ein kleiner Imbiss unterwegs, vielleicht in einer der Soup Kitchens, oder Sie nehmen schlicht einen günstigen Hot Dog vom Straßenkarren auf die Hand. Schnell serviert und preiswert zu bekommen sind auch die Fleisch- und Fischbrötchen von Shake Shack, Burger Joint oder Pop Burger. Wer wirklich gerne läuft, sollte unbedingt das Ambiente von Chinatown genießen und einen Spaziergang über die Brooklyn Brücke unternehmen. Am Nachmittag würde ich dann den oberen Teil des Broadways entlangbummeln an den berühmten Kaufhäusern und Designerstores vorbei. Wem der Sinn nach ein wenig Kunst steht – auch das eigentlich ein Muss in New York –, der kann um die Ecke in der 53rd Street das Museum of Modern Art (MoMA) besuchen, das – aufgepasst! – Freitagnachmittag (16-20 Uhr) kostenlos bzw. auf Spendenbasis geöffnet ist. Leider führt das großzügige »pay-as-you-wish« meist zu langen Warteschlangen.

Am Abend sollte man sich unbedingt das Geglitzer des Times Square gönnen: Das ist zwar anstrengend, weil immer brechend voll, aber man muss dieses Lichtermeer einfach gesehen haben. Es ist ein Schauspiel, auch außerhalb der berühmten Theater. Nicht weniger beeindruckend ist die New Yorker Skyline, über die man einen verzückten Ausblick riskieren sollte. Warum also fahren Sie nicht zum Rainbow Room in den 65. Stock des Rockefeller Centers hoch? Die Drinks an der Bar (ab 17 Uhr) sind zwar überteuert, aber dafür hat man den Eintritt für die Aussichtsplattformen des Top of the Rock oder des Empire State Buildings gespart. Zum Dinner würde ich in das eher dörflich anmutende Greenwich Village fahren, dort durch die mit Szeneläden und italienischen Geschäften gespickte Bleecker Street und deren beschauliche Nebengassen schlendern, mir eine Slice (Mini-Pizza für auf die Hand) holen und in einem der vielen Jazzclubs einkehren, z. B. in der Zinc Bar nahe dem Washington Square, wo brasilianische Klänge gute Laune verbreiten.


5. Nicht wenige, die nach New York reisen, interessieren sich für Designerklamotten. Haben Sie ein paar Tipps, wo Schnäppchen gejagt werden können?

Wer sich zum professionellen Schnäppchenjäger mausern möchte, braucht eine gute Spürnase. Die besten Schnäppchen für Designerklamotten gibt es bei den »Sample Sales«. Damit sind die Abverkäufe der Ausstellungsstücke aus den Schaufenstern gemeint, die meist zu Tipptopp-Kondition mit bis zu 75 Prozent Rabatt über den Ladentisch gehen. Diese Sample Sales werden aber oft nur sehr kurzfristig durch Flyer oder z. B. im New York Magazin beworben.
Ein Shopping-Trip nach New York lohnt sich generell auch in den Schlussverkaufsmonaten März und August, während denen Kaufhäuser wie Bloomingdales, Bergdorf Goodman oder Barneys riesige Rabatte gewähren. Dann gibt es natürlich das ganze Jahr hindurch die Discounter, wie das Century 21 (s. o.) oder Sims, Fileen’s Basement oder Duffy’s, wo Designerstücke der vergangenen Saisons günstig verscherbelt werden. Immer wieder findet man auch in den aufstrebenden Szenevierteln East Village oder der Lower East Side noch Läden von Jungdesignern, die Witziges und Ausgefallenes zu Einsteigerpreisen verkaufen.

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