MM-Au­to­ren

»Sur­vi­val­kla­mot­ten und Gar­ten­schlauch«

5 Fra­gen an Micha­el Buss­mann und Ga­brie­le Trö­ger

Als wir vor knapp 30 Jah­ren be­gon­nen haben, gab es einen über­schau­ba­ren Kreis en­ga­gier­ter Au­to­rin­nen und Au­to­ren. In­zwi­schen, bei fast 170 Ti­teln und über 50 – eben­so en­ga­gier­ten – Rei­se­jour­na­lis­ten, hat sich ein Trend her­aus­kris­tal­li­siert: Immer öfter re­cher­chie­ren Au­to­ren-Teams, die auch pri­vat zu­sam­men sind. Warum das so ist, wes­halb Micha­el Buss­mann und Ga­brie­le Trö­ger von Prag nach Ber­lin ge­zo­gen sind und was das Ty­pi­sche eines frem­den Lan­des – durch eine ka­ri­ka­tu­ris­ti­sche Bril­le be­trach­tet – aus­macht, ver­ra­ten uns die bei­den Über­zeu­gungs­tä­ter, die in­zwi­schen 12 Bü­cher für den Micha­el Mül­ler Ver­lag ge­schrie­ben haben.


1. Liebe Frau Trö­ger, lie­ber Herr Buss­mann, beim Be­rufs­feld Rei­se­buch­au­tor bleibt wenig Raum für ein Pri­vat­le­ben; viel Zeit fließt in Re­cher­che und Nie­der­schrift. Ein Grund, wes­halb Sie als Paar diese Pro­fes­si­on ge­wählt haben?

Portrait Gabriele TrögerPortrait Michael BussmannMicha­el Buss­mann: Wirk­lich ge­wählt, also dar­auf zu­ge­ar­bei­tet, haben wir uns auf diese Auf­ga­be nicht. Wie so vie­les hat sich unser Job eben so er­ge­ben. An­fangs habe ich noch al­lei­ne re­cher­chiert und ge­schrie­ben, Ga­brie­le stieg erst spä­ter ein. Das war zu­nächst ein Ver­such. Zu­sam­men leben und zu­sam­men ar­bei­ten – wir wuss­ten selbst nicht, ob es funk­tio­niert. Zum Glück hat es funk­tio­niert. Und heute würde ich den Beruf des Voll­zeit-Rei­se­jour­na­lis­ten auch nicht mehr ma­chen. Den gan­zen Som­mer al­lei­ne un­ter­wegs zu sein und dann den gan­zen Win­ter ein­sam am Schreib­tisch sit­zen – dar­auf hätte ich keine Lust mehr! Zu zweit ist das etwas ganz an­de­res.


2. Eine Re­cher­che zu zweit muss nicht un­be­dingt leich­ter sein. Wie tei­len Sie sich die Ar­beit auf?

Ga­brie­le Trö­ger: Okay, re­cher­chiert man al­lei­ne, braucht man sich nicht mit dem Part­ner zu strei­ten. Aber uns stö­ren un­se­re Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten schon gar nicht mehr. Die ge­hö­ren ein­fach dazu. Viel­mehr über­wiegt das Po­si­ti­ve: Wir haben vier Hände, vier Füße und vier Augen. Wäh­rend der eine fährt, kann sich der an­de­re No­ti­zen ma­chen, wäh­rend der eine Ho­tels an­schaut, kann der an­de­re die Se­hens­wür­dig­kei­ten der Stadt er­kun­den und so fort. Tags­über tei­len wir uns auf, abends gehen wir ge­müt­lich zu­sam­men essen. Nicht nur bei der Re­cher­che hat man’s zu zweit ein­fa­cher, auch beim Tip­pen da­nach. Fällt dem einen keine gute Über­schrift ein, dann ga­ran­tiert dem an­de­ren. The­ma­tisch hat jeder von uns seine ei­ge­nen Schwer­punk­te. Mir liegt mehr der All­tag eines Lan­des, Ess­kul­tur und Ähn­li­ches, für The­men wie Ge­schich­te und Po­li­tik ist eher Micha­el zu­stän­dig.


3. Ihre Ge­bie­te sind in ers­ter Linie die Tür­kei und Tsche­chi­en. Warum haben Sie sich für diese Rei­se­zie­le ent­schie­den? Und gibt es wirk­lich den ty­pi­schen Tsche­chen, den ty­pi­schen Tür­ken?

Micha­el Buss­mann: Als wir 2000 zur Re­cher­che nach Prag fuh­ren, dach­ten wir uns, an­stel­le im Hotel zu woh­nen, ein Apart­ment zu neh­men. Und wie es so kam, wurde aus drei Mo­na­ten Prag ein hal­bes Jahr, dann ein gan­zes Jahr, uns ge­fiel es in Prag, und schließ­lich wur­den dar­aus acht Jahre. Und mit Prag als Stand­ort lag es auf der Hand, das ge­sam­te Land zum Schwer­punkt zu ma­chen. Und die Tür­kei? Zuvor schon hatte Ga­brie­le in Istan­bul ge­lebt, sie hat u. a. Tur­ko­lo­gie stu­diert, spricht flie­ßend Tür­kisch, somit bot sich selbst­ver­ständ­lich auch die Tür­kei an.
Den ty­pi­schen Tsche­chen gibt es nicht; al­lein wie sich die vor­re­vo­lu­tio­nä­ren Ge­ne­ra­tio­nen von den nach­re­vo­lu­tio­nä­ren Ge­ne­ra­tio­nen un­ter­schei­den, ist enorm. Und den ty­pi­schen Tür­ken erst recht nicht; al­lein zwi­schen den west­lich ori­en­tier­ten Tür­ken der Groß­städ­te oder der Mit­tel­meer­küs­te und der is­la­misch-kon­ser­va­tiv ori­en­tier­ten Land­be­völ­ke­rung lie­gen Wel­ten.
Hät­ten wir aber die Auf­ga­be, als Ka­ri­ka­tu­ris­ten einen Tsche­chen und einen Tür­ken, sagen wir, bei ihrer Lieb­lings­be­schäf­ti­gung, zu zeich­nen, dann würde unser Tsche­che ein biss­chen wie der Fuß­ball­spie­ler Ned­ved aus­se­hen, nur mehr bier­bauch­las­tig und in tarn­far­be­nen Sur­vi­val­kla­mot­ten ir­gend­wo beim Würst­chen­gril­len in der Natur. Und den ty­pi­schen Tür­ken? Naja, viel­leicht mit Schnurr­bart, einem Tee­glas in der einen und einem Gar­ten­schlauch in der an­de­ren Hand. Die Tür­ken lie­ben es näm­lich, in den stau­bi­gen Som­mer­mo­na­ten mit Schläu­chen um­her­zu­sprit­zen. Ehr­lich!


4. Wo leben Sie heute, wenn Sie nicht re­cher­chie­ren?

Ga­brie­le Trö­ger: Seit Fe­bru­ar in Ber­lin. Genau ge­nom­men in Kreuz­berg. Wir woll­ten mal wie­der Mul­ti­kul­ti-Leben um uns herum haben. In Prag gab es das kaum, von den vie­len Tou­ris­ten ein­mal ab­ge­se­hen. – Vi­el­leicht leben wir auch ir­gend­wann mal wo­an­ders, wir den­ken u. a. an Malta. Aber wenn man woh­nen kann, wo man will, da man be­ruf­lich ja fast aus­schließ­lich über E-Mails kom­mu­ni­ziert und nir­gend­wo er­schei­nen muss, hat man die Qual der Wahl.


5. Rei­se­buch­schrei­ben ist auch eine Form von Sai­son­ar­beit. In wel­chen Monat(en) sper­ren Sie den Lap­top weg und ent­span­nen sich?

Micha­el Buss­mann: Je nach­dem, wie viele Titel wir im Win­ter fer­tig stel­len müs­sen, ma­chen wir von Fe­bru­ar oder März bis Mitte Mai Pause. Zu­hau­se blei­ben wir dann nicht. In der Regel su­chen wir uns ein schö­nes Fern­rei­se­ziel aus. Dann wan­dern wir oder lie­gen faul am Strand und lesen all die Bü­cher, die wir das ganze Jahr nicht lesen konn­ten.

Gibt es eine Frage, die Sie einem (be­stimm­ten) Rei­se­buch­au­tor schon immer stel­len woll­ten? Dann schrei­ben Sie doch eine kurze Nach­richt an (Be­treff: 5 Fra­gen, 5 Ant­wor­ten)! Wir be­rück­sich­ti­gen Ihre Vor­schlä­ge gerne!