Rei­se­re­por­ta­ge

Ur­laub für die gute Sache –
über die Re­kul­ti­vie­rung einer vom Mas­sen­tou­ris­mus ge­plag­ten Ba­de­stadt

An­läss­lich der Neu­auf­la­ge des Rei­se­hand­bu­ches »Ve­ne­ti­en« schreibt Eber­hard Foh­rer über die Ak­ti­vi­tä­ten der Or­ga­ni­sa­ti­on »Ve­ne­to Ag­ri­col­tu­ra«, die es sich zum Ziel ge­setzt hat, den tou­ris­ti­schen Raub­bau an der Natur ein Ende zu set­zen – und gibt ne­ben­bei gute Tipps, was man alles für einen Trip nach Cáor­le wis­sen muss (ohne die gute Sache gleich wie­der in Ge­fahr zu brin­gen).


Portrait Eberhard FohrerDas Bild hat man ja vor Augen: ki­lo­me­ter­lan­ge Fe­ri­en­städ­te an eben­so lan­gen Strän­den, alles voll, Lie­ge­stüh­le und Son­nen­schir­me in Zeh­ner­rei­hen, plant­schen­de Bam­bi­ni und zu­frie­den dö­sen­de El­tern. Übe­rall in Ve­ne­ti­en sieht es so aus? Nein, ein klei­nes Dorf leis­tet Wi­der­stand – äh, viel­mehr han­delt es sich um einen lan­gen, ab­seits ge­le­ge­nen Strand öst­lich der Ba­de­stadt Cáor­le. Dort ist alles an­ders. Es gibt keine Lie­ge­stüh­le und Son­nen­schir­me, der Strand ist halb leer (in der Ne­ben­sai­son sogar ganz) und statt Ani­ma­ti­on und Ae­ro­bic wird ver­sucht, die alte Küs­ten­ve­ge­ta­ti­on wie­der zu re­kul­ti­vie­ren, wobei ein Na­tur­lehr­pfad Auf­klä­rung über die tra­di­tio­nel­le Fauna der Re­gi­on gibt – vom düs­te­ren alten Pi­ni­en­wald bis zum viel­fäl­ti­gen Dü­nen­be­wuchs.
Wer da mal gerne hin möch­te: Es han­delt sich um das Valle Vec­chia, das zwi­schen den Zuflüs­sen Porto di Fal­co­ne­ra und Porto di Ba­sé­leg­he zur gro­ßen La­gu­na di Cáor­le liegt. Ein 800 Hekt­ar gro­ßes, un­be­sie­del­tes Küs­ten­ge­biet wurde hier durch einen Kanal zur Insel ge­macht. Zum Meer hin ist sie be­grenzt durch die lange, ur­wüch­si­ge Spiaggia di Valle Vec­chia, wo nur im Hoch­som­mer grö­ße­rer Aus­flugs­ver­kehr herrscht. »Na­tu­ra Ri­tro­va­ta«, wie­der ge­won­ne­ne Natur, ist das Schlag­wort, unter dem man daran ge­gan­gen ist, ein Stück Küste zu be­wah­ren, wie es vor der Tou­ris­ten­in­va­si­on aus­sah. Auch für die Zu­kunft sind wei­te­re Ak­ti­vi­tä­ten ge­plant, die sich vor allem mit der Rolle der Ur­lau­ber be­schäf­ti­gen – wie kön­nen sie in die­sem Stück Land be­hut­sam ein­ge­glie­dert wer­den und wie kann die In­te­gri­tät der Natur dabei ge­wahrt blei­ben? Die Or­ga­ni­sa­ti­on »Ve­ne­to Ag­ri­col­tu­ra« wird sich in den nächs­ten Jahre damit be­schäf­ti­gen (www.ve­ne­to­ag­ri­col­tu­ra.org).

Zu er­rei­chen ist das Valle Vec­chia auf einer 15 km lan­gen Zu­fahrt, die von der Stra­ße zwi­schen Cáor­le nach San Mi­che­le al Taglia­men­to ab­zweigt und hin­ter Bussa in eine Piste über­geht. Sie endet an einem im Som­mer ge­büh­ren­pflich­ti­gen Park­platz di­rekt hin­ter der Küs­ten­pi­ne­ta. Durch die Pi­ne­ta führt ein Zu­gang zum dü­ni­gen Strand, von dem man in der Ferne das hüb­sche Küs­ten­städt­chen Cáor­le sieht (ein Foto des Stran­des fin­den Sie im neuen Ve­ne­ti­en-Buch!).
Gut und güns­tig isst man im Ris­to­ran­te »Ma­za­rak« – kurz bevor man die Brü­cke über den Kanal er­reicht, der das Valle Veccia vom Fest­land trennt, zweigt man rechts ab und er­reicht nach hun­dert Me­tern das ein­sam ge­le­ge­ne Lokal, wo man z. B. »po­len­ta e pesce« ge­nie­ßen kann (Tel. 0421/84119, Mitt­woch ge­schlos­sen). Über­nach­ten lässt es sich schön in den neuen Apart­ments »Case Arc« am süd­li­chen Ort­sen­de von Brus­sa (Tel. 0421/211896).
Man kann üb­ri­gens auch Rad­tou­ren und Ex­kur­sio­nen zu Pferd durchs Valle Vec­chia un­ter­neh­men, Equip­ment stellt das Ris­to­ran­te »Ai Gab­bia­ni« an der Stra­da Brus­sa (Tel. 0421/84114). Und wem nach Ablen­kung zu­mu­te ist, er­reicht in etwa 30-40 Mi­nu­ten Cáor­le, wo das Leben tobt.


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