Reportage

Aus Fähren werden Kreuzfahrtschiffe -

über Komfort und Schnelligkeit im modernen Fährbetrieb

Ein Artikel von Hans-Peter Koch, dem Autor unserer Reisehandbücher »Norwegen« und »Südnorwegen«. Unser Hausautor informiert über neue Trends im Fährverkehr.


Der Weg wird zum Ziel. Das denken sich auch die Fähr-Reedereien, bei denen neuerdings Fähren mit dem Komfort von Kreuzfahrtschiffen und der Schnelligkeit von Steamern zum Einsatz kommen, die sonst bestenfalls den Atlantik durchpflügen.
So auch die norwegische Color-Line. Ihr neues Flagschiff, die »Color Fantasy«, wird ab Dezember 2004 auf der Route von Kiel nach Oslo eingesetzt. Als Fähre soll der Neubau nicht verstanden werden, stattdessen spricht man bei Color-Line vom »weltweit ersten Kreuzfahrtschiff mit Autodeck«. Und tatsächlich: Der »Color Fantasy« wird neben Raum für 2770 Passagiere und 750 Pkws alles mitgegeben, was zur Kurzweil auf maritimen Luxusreisen beiträgt: eine 600 Quadratmeter große Spaß- und Fitness-Arena, eine Einkaufspassage von 120 Meter Länge, daneben gibt’s Diskotheken und Kinos, ein Kasino sowie eine Show-Lounge.
Mit dem Einsatz des Luxusdampfers will die Reederei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens sollen mehr Passagiere – vor allem während der dunklen Jahreszeit – an Bord gelockt werden, zweitens will man ein neues, zahlungskräftiges Publikum ansprechen. Über die neuen Preise allerdings schweigt man sich noch beredt aus.

Die Zeiten des langweiligen Übersetzens auf trost- und freudlosen und nicht selten schrottreifen Fähren scheinen also der Vergangenheit anzugehören. Selbst im östlichen Mittelmeer, lange Zeit für Seelenverkäufer mit niedrigem Sicherheitsstandard berüchtigt, hat in letzten Jahren eine Qualitätsoffensive stattgefunden. »Inzwischen ist dort eine der jüngsten Flotten weltweit unterwegs«, weiß Dimitrios Pardalis von der Internet-Plattform www.faehren.info.
Und die neuen Fähren werden immer schneller. Schon 1995 stellte die griechische Reederei Superfast Ferries zwei Schnellfähren in Betrieb, die zwischen Italien und Griechenland, zwischen Ancona und Patras, die Fahrtzeit von 36 auf 20 Stunden reduzierten. Auch Color-Line hält mit: Ihre neuen Fähren verkürzen seit 1999 die Fährzeit vom dänischen Hirtshals ins norwegische Kristiansand um fast die Hälfte auf drei Stunden.

Dennoch bleibt die schnelle und supergroße »Color Fantasy« ein Risiko. Denn es ist keineswegs sicher, dass sich das Riesenschiff in der Nebensaison auch nur halbwegs füllen lässt. »Das ist mehr als ein Wagnis«, heißt es beispielsweise bei der schwedischen Stena-Line, im Skandinavien-Transit direkter Konkurrent der Color-Line. Die Schweden setzen auf »Schiffe ohne Wellness-Oasen«.Immerhin kann Color-Line auf ihren Norwegen-Routen als zusätzlichen Anreiz noch Duty-Free-Shopping anbieten, ein Schnäppchen, das zwischen Häfen der Europäischen Union schon vor Jahren weggefallen ist. »Viele Kunden wissen gar nicht, dass Norwegen nicht zur EU gehört«, so Color-Sprecher Kindermann. Die freuen sich dann an Bord über die Chance zum zollfreien Einkauf.


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