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Michael Müller Verlag trauert um Marcus X. Schmid
Ein Nachruf

Der Michael Müller Verlag trauert um seinen langjährigen Autor Marcus X. Schmid, der Ende Januar plötzlich und unerwartet an seinem Wohnort im Schweizer Kanton Neuenburg verstorben ist.

Portrait Marcus X. Schmid

Verleger Michael Müller würdigt ihn als »einen unserer langjährigsten Wegbegleiter, einen engagierten Autor, leidenschaftlichen Gesprächspartner und vor allem guten Freund. Wir werden ihn vermissen.« Auch seine Autorenkolleginnen und -kollegen, viele von ihnen über Jahre eng mit ihm verbunden, zeigen sich bestürzt. Wanderführerautor Christoph Berg, mit dem ihn die Liebe zu Korsika verband, sagt: »Marcus war ein enger Freund. Regelmäßig haben wir uns gegenseitig berichtet, wenn wir etwas Neues auf unserer Lieblingsinsel entdeckt hatten.« Thomas Schröder erinnert sich: »Marcus war eine der originellsten und scharfsinnigsten Persönlichkeiten, denen ich je begegnet bin – und sein trockener Humor war einfach herzerfrischend.« Eberhard Fohrer hebt die vertrauensvolle Zusammenarbeit hervor: »Er hat bis zuletzt gearbeitet. Wir hatten gemeinsam ein Buchprojekt zum Lago Maggiore und haben immer sehr gut und kooperativ zusammengearbeitet.«

Ein Leben für das Reisen und das Schreiben

Marcus Schmid wurde 1950 im Schweizer Kanton Aargau geboren. Er studierte Germanistik, Komparatistik und Politologie in Basel, Erlangen und Westberlin. Anfang der 1990er-Jahre begegnete er Michael Müller in der Erlanger Kulturszene – der Beginn einer langen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Bald wirkte er als Mitautor an einem Türkei-Reiseführer mit.

Im Michael Müller Verlag veröffentlichte Marcus Schmid zahlreiche Reiseführer, darunter die besonders beliebten Titel Bretagne, Korsika und Südwestfrankreich. Hinzu kamen Tessin, Umbrien, die Schweizer Seite in Lago Maggiore, Graubünden sowie der Städteführer St. Petersburg.

Besonders berührt uns, dass zwei seiner Titel dieser Tage neu aufgelegt werden: Die 16. Auflage von Korsika ist gerade erschienen, die 12. Auflage von Südwestfrankreich folgt in wenigen Wochen. Sie sind sein Vermächtnis an die Leserinnen und Leser – Bücher, in denen noch einmal all das spürbar wird, was ihn als Autor auszeichnete.

Der Idealtyp eines Reisebuchautors

Marcus Schmid verkörperte den Idealtyp eines Reisebuchautors. Seine Texte sind getragen von echter Neugier auf Landschaften und Menschen. Er schrieb mit feinem Humor, ging den Dingen auf den Grund und erzählte Geschichten. Seine Reiseführer sind mehr als bloße Informationssammlungen – sie sind Reiseliteratur: fundiert, unterhaltsam und persönlich.

Zu seinem Recherchealltag gehörte ein festes Ritual: Der Tag begann in einer Bar bei einer Tasse Kaffee und der lokalen Tageszeitung. Er bemühte sich, die jeweilige Landessprache zu beherrschen oder sich zumindest solide Grundkenntnisse anzueignen – sei es für St. Petersburg oder schon bei seinem ersten Projekt, dem Türkei-Reiseführer. Französisch und Italienisch sprach er (als Schweizer) sowieso.

Er sagte oft, er sei kein Schnellschreiber. Für ihn war Reisen ebenso wie Schreiben ein sorgfältiger Prozess. In einem Newsletter-Artikel brachte er seine Haltung einmal so auf den Punkt:

»Wir erklären in unseren Büchern, wo wann ein Bus abfährt, wo man preisgünstig isst, wie teuer welches Hotel ist und wann ein Museum seine Pforten öffnet. Gleichzeitig aber wollen wir nicht vergessen, dass hinter diesen Informationen Autoren stecken, Menschen mit ihren Vorlieben, ihren Wahrnehmungen, ihren ganz persönlichen Reiseerfahrungen und ihrer speziellen Art, diese wiederzugeben – ihrer Subjektivität eben. Denn vielleicht macht ja gerade eine gut geschriebene Mischung aus sachlicher Information und persönlichen Eindrücken die Qualität eines Reisebuchs aus.«

Dem ist nichts hinzuzufügen. 
Marcus, wir werden dich in Erinnerung behalten als großartigen Autor – und vor allem als Freund.

Bon voyage.

Wer gerne in Marcus X. Schmids Geschichten eintauchen möchte, findet unter folgenden Links einige Artikel, die im Laufe der Jahre entstanden sind.

››› Ob Gelb, Blau oder Rot - jedenfalls kräftig leuchtendBesuch im Gauguin-Städtchen Pont-Aven (2025)

››› Feiert doch Waterloo! (2015)

››› Ein verliebter Hermann Hesse, eine ruhebedürftige Meret Oppenheim und ein unglücklicher Bertolt Brecht. – Ein Besuch des Künstlerdorfs im Tessin. (2014)

››› Wodka – Eine politische Biographie, recherchiert von Marcus X. Schmid. (2009)

››› »Ich bin kein Schnellschreiber.« – 5 Fragen an Marcus X. Schmid (2008)

››› »Macht nichts, wir haben's nicht eilig.« – Über den Zusammenhang von Alkoholismus, Katholizismus und Klima in der Bretagne (2007)

››› Keine Heidiland-Idylle. – Graubünden denkt ökologisch (2006)

››› Mythos, Markt und Zeilenschreiber – die Routard-Maschine (2006)

››› Von der Originalität der Wahrnehmung oder Ein Blick auf die Geschichte der Reiseführer (2005)

››› Ideallinien-Training auf der Insel der 10.000 Kurven (2005)

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