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Teil 34: Don Ca­mil­lo und Pep­po­ne

oder Ein ka­tho­lisch-kom­mu­nis­ti­sches Traum­duo aus Ita­li­en.

Es hat immer Grün­de, wes­halb ein Roman be­liebt ist. Meist fängt er ein Zeit­ge­fühl ein oder eine po­li­ti­sche Stim­mung, die die Leser be­wegt. Nicht an­ders war es mit den lie­bens­wert-le­gen­dä­ren Ge­schich­ten um Don Ca­mil­lo und Pep­po­ne, die an der Naht­stel­le zwi­schen der streng ka­tho­lisch ge­präg­ten Lom­bar­dei und der kom­mu­nis­ti­schen Emi­lia spie­len. Eber­hard Foh­rer, Autor von »Ober­ita­li­en« (9. Auf­la­ge 2017) und di­ver­ser an­de­rer Ita­li­en-Rei­se­füh­rer, kennt die Hin­ter­grün­de.


Portrait Eberhard FohrerUn­mit­tel­bar am Po liegt das auf­fäl­lig un­auf­fäl­li­ge Land­wirt­schafts­dörf­chen Bre­scel­lo. Der schläf­ri­ge Haupt­platz mit der un­schein­ba­ren Kir­che brü­tet in der Sonne, Don Ca­mil­lo tritt aus dem Por­tal, Pep­po­ne, der kom­mu­nis­ti­sche Bür­ger­meis­ter, kommt aus dem Rat­haus … Ein klas­si­scher Ge­gen­satz, der in den Ro­ma­nen von Gio­van­ni­no Gua­re­schi (1908-1968) auf­lebt. Der Po war in den fünf­zi­ger Jah­ren die Naht­stel­le zwi­schen der streng ka­tho­lisch ge­präg­ten Lom­bar­dei und der kom­mu­nis­ti­schen Emi­lia und damit ge­ra­de­zu prä­des­ti­niert für die le­gen­dä­re Ver­fil­mung der lie­bens­wer­ten Ge­schich­ten von »Don Ca­mil­lo und Pep­po­ne« mit Fer­nan­del und Gino Cervi.


Eine von Film­pro­du­zen­ten ge­spen­de­te Kir­chen­fas­sa­de

Wie man ihn kennt und schätzt – Fernandel als Don Camillo (Foto: Eberhard Fohrer)
Wie man ihn kennt und schätzt – Fer­nan­del als Don Ca­mil­lo (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Fünf Filme wur­den ge­dreht, der sechs­te blieb wegen des Todes von Fer­nan­del un­voll­endet. Es wird er­zählt, dass für die Dreh­ar­bei­ten ein künst­li­cher Por­ti­co vor der etwas glat­ten Kir­chen­fas­sa­de an­ge­baut wurde. Nach dem Er­folg der Filme mach­te man dar­aus – mit einer Spen­de der Film­pro­du­zen­ten – einen ech­ten. Im In­ne­ren der Kir­che hängt lin­ker Hand über einem Sei­ten­al­tar das be­rühm­te Film­kreuz, von dem Jesus mit Don Ca­mil­lo spricht. Auf der Piaz­za ste­hen die Bron­ze­sta­tu­en von Don Ca­mil­lo und Pep­po­ne. Lin­ker Hand sieht man das Film-Rat­haus (Mu­ni­ci­pio) mit Bal­kon, in der Via Car­duc­ci links hin­ter der Kir­che steht die Casa di Pep­po­ne, das Haus des Bür­ger­meis­ters (nicht zu be­sich­ti­gen). In einem Bo­gen­gang der Via Giglio­li hängt die Glo­cke aus Papp­ma­schee, die das »Glo­cken­mo­no­pol« der Kir­che be­en­den soll­te.


Das feu­er­ro­te Mo­tor­rad und das dörf­li­che Um­feld von Bre­scel­lo

Es gibt nur eine Farbe, die das Motorrad eines Kommunisten haben darf … (Foto: Eberhard Fohrer)
Es gibt nur eine Farbe, die das Mo­tor­rad eines Kom­mu­nis­ten haben darf … (Foto: Eber­hard Foh­rer)
Ein paar Ecken vom Haupt­platz ent­fernt er­reicht man in der Via De Ami­cis 2 das aus­ge­schil­der­te Museo Pep­po­ne e Don Ca­mil­lo, 1989 er­öff­net und in die­ser Rei­hen­fol­ge be­nannt, weil der da­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter Kom­mu­nist (!) war. Davor steht der Pan­zer aus »Die große Schlacht des Don Ca­mil­lo«, auch die Lo­ko­mo­ti­ve ist noch er­hal­ten, die Pep­po­ne zu sei­ner Ver­ban­nung nach Rom brin­gen soll­te. Die lie­be­vol­le Aus­stel­lung rund um die Ent­ste­hung der Filme zeigt Zei­tungs­ar­ti­kel, Fotos und viele Re­lik­te der Dreh­ar­bei­ten, z. B. Fahr­rä­der und das feu­er­ro­te Mo­tor­rad von Pep­po­ne. Au­ßer­dem kann man di­ver­se Sou­ve­nirs er­wer­ben.
Das Museo Bre­scel­lo e Gua­re­schi in der Via Ca­va­lot­ti 24 (Tou­rist Info im sel­ben Haus) the­ma­ti­siert aus­führ­lich die Dreh­ar­bei­ten zu den Fil­men und das da­ma­li­ge dörf­li­che Um­feld von Bre­scel­lo.


Eine Kn­ei­pe, ein Ris­to­ran­te und ein Schrift­stel­ler

Nach dem Be­such der Mu­se­en muss man Farbe be­ken­nen: Geht man am Haupt­platz in die Kn­ei­pe »Pep­po­ne«, be­nannt nach dem über­zeug­ten Kom­mu­nis­ten und Bür­ger­meis­ter, oder kehrt man bei »Don Ca­mil­lo« ein, dem lei­den­schaft­li­chen Pries­ter und See­len­trös­ter? Gutes Essen bie­tet die »Trat­to­ria di Don Ca­mil­lo e Pep­po­ne« im west­li­chen Orts­be­reich (Via Ca­sel­le Mo­li­no 8, Tel. 0522-962203), dort kann man auch Zim­mer mie­ten.
Noch etwas: Gio­van­ni Gua­re­schi, der Er­fin­der der skur­ri­len Ro­ma­ne, ver­starb 1968 im klei­nen Ört­chen Ron­co­le, wo seine El­tern ein Gast­haus be­trie­ben hat­ten und 1813 Gi­usep­pe Verdi zur Welt ge­kom­men war. Seine Schrif­ten und Er­in­ne­run­gen an ihn wer­den dort in der Casa Ar­chi­vio Gi­van­ni­no Gua­re­schi auf­be­wahrt.