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Teil 34: Don Camillo und Peppone

oder Ein katholisch-kommunistisches Traumduo aus Italien.


Unmittelbar am Po liegt das auffällig unauffällige Landwirtschaftsdörfchen Brescello. Der schläfrige Hauptplatz mit der unscheinbaren Kirche brütet in der Sonne, Don Camillo tritt aus dem Portal, Peppone, der kommunistische Bürgermeister, kommt aus dem Rathaus … Ein klassischer Gegensatz, der in den Romanen von Giovannino Guareschi (1908-1968) auflebt. Der Po war in den fünfziger Jahren die Nahtstelle zwischen der streng katholisch geprägten Lombardei und der kommunistischen Emilia und damit geradezu prädestiniert für die legendäre Verfilmung der liebenswerten Geschichten von »Don Camillo und Peppone« mit Fernandel und Gino Cervi.


Eine von Filmproduzenten gespendete Kirchenfassade

Wie man ihn kennt und schätzt – Fernandel als Don Camillo (Foto: Eberhard Fohrer)
Wie man ihn kennt und schätzt – Fernandel als Don Camillo (Foto: Eberhard Fohrer)

Fünf Filme wurden gedreht, der sechste blieb wegen des Todes von Fernandel unvollendet. Es wird erzählt, dass für die Dreharbeiten ein künstlicher Portico vor der etwas glatten Kirchenfassade angebaut wurde. Nach dem Erfolg der Filme machte man daraus – mit einer Spende der Filmproduzenten – einen echten. Im Inneren der Kirche hängt linker Hand über einem Seitenaltar das berühmte Filmkreuz, von dem Jesus mit Don Camillo spricht. Auf der Piazza stehen die Bronzestatuen von Don Camillo und Peppone. Linker Hand sieht man das Film-Rathaus (Municipio) mit Balkon, in der Via Carducci links hinter der Kirche steht die Casa di Peppone, das Haus des Bürgermeisters (nicht zu besichtigen). In einem Bogengang der Via Giglioli hängt die Glocke aus Pappmaschee, die das »Glockenmonopol« der Kirche beenden sollte.


Das feuerrote Motorrad und das dörfliche Umfeld von Brescello

Es gibt nur eine Farbe, die das Motorrad eines Kommunisten haben darf … (Foto: Eberhard Fohrer)
Es gibt nur eine Farbe, die das Motorrad eines Kommunisten haben darf … (Foto: Eberhard Fohrer)

Ein paar Ecken vom Hauptplatz entfernt erreicht man in der Via De Amicis 2 das ausgeschilderte Museo Peppone e Don Camillo, 1989 eröffnet und in dieser Reihenfolge benannt, weil der damalige Bürgermeister Kommunist (!) war. Davor steht der Panzer aus »Die große Schlacht des Don Camillo«, auch die Lokomotive ist noch erhalten, die Peppone zu seiner Verbannung nach Rom bringen sollte. Die liebevolle Ausstellung rund um die Entstehung der Filme zeigt Zeitungsartikel, Fotos und viele Relikte der Dreharbeiten, z. B. Fahrräder und das feuerrote Motorrad von Peppone. Außerdem kann man diverse Souvenirs erwerben.
Das Museo Brescello e Guareschi in der Via Cavalotti 24 (Tourist Info im selben Haus) thematisiert ausführlich die Dreharbeiten zu den Filmen und das damalige dörfliche Umfeld von Brescello.


Eine Kneipe, ein Ristorante und ein Schriftsteller

Nach dem Besuch der Museen muss man Farbe bekennen: Geht man am Hauptplatz in die Kneipe »Peppone«, benannt nach dem überzeugten Kommunisten und Bürgermeister, oder kehrt man bei »Don Camillo« ein, dem leidenschaftlichen Priester und Seelentröster? Gutes Essen bietet die »Trattoria di Don Camillo e Peppone« im westlichen Ortsbereich (Via Caselle Molino 8, Tel. 0522-962203), dort kann man auch Zimmer mieten.
Noch etwas: Giovanni Guareschi, der Erfinder der skurrilen Romane, verstarb 1968 im kleinen Örtchen Roncole, wo seine Eltern ein Gasthaus betrieben hatten und 1813 Giuseppe Verdi zur Welt gekommen war. Seine Schriften und Erinnerungen an ihn werden dort in der Casa Archivio Givannino Guareschi aufbewahrt.

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